Erneuerte Berufungsbesinnung steigert Motivation und Lernerfolg im Klassenzimmer

 Lehrerin mit lernenden Kindern

Sich hin und wieder vor Augen zu führen, was man im Beruf bewirken will, fördert die Motivation von Schülerinnen und Schülern. Und die eigene.

Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum haben einen vielversprechenden Ansatz zur Verbesserung des Lernumfelds in Schulen entdeckt: Indem sie Lehramtsstudierende dazu anregen, sich auf ihre persönlichen beruflichen Ziele zu besinnen, konnten sie eine nachhaltige Erhöhung der Motivation und des Lernerfolgs der Schüler feststellen.

Laut der Studie, die am 28. März 2023 in der Fachzeitschrift »Learning and Instruction« veröffentlicht wurde, stellte das Forschungsteam um Prof. Dr. Anke Heyder fest, dass Lehrkräfte, die weniger an die Notwendigkeit angeborener Begabungen für den Lernerfolg glauben, häufiger motivierte und erfolgreiche Schüler haben.

Dieses Ergebnis unterstreicht das Konzept des sogenannten »Growth Mindset«, der Überzeugung, dass alle Kinder lernen und sich entwickeln können. Im Gegensatz dazu steht das »Fixed Mindset«, die Annahme, dass Begabung oder Talent für den Lernerfolg erforderlich sind. Diese Annahme hat nachweislich eine demotivierende Wirkung, insbesondere bei leistungsschwächeren Schülern.

»Unsere Intervention ist neu, und sie ist bestechend kurz und subtil«, erläutert Heyder. Die Intervention besteht darin, angehende Lehrkräfte dazu anzuregen, ihre persönlichen beruflichen Ziele zu reflektieren und aufzuschreiben. Die Ergebnisse waren bemerkenswert: Eine Woche nach der Intervention waren die Teilnehmer überzeugter davon, dass alle Kinder, unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen, lernen und in der Schule erfolgreich sein können.

Fragebogen zur inneren Haltung

Insgesamt 576 Lehramtsstudierende nahmen an der Studie teil. Sie wurden in verschiedene Gruppen eingeteilt, von denen eine die Intervention erfuhr und dann einen Fragebogen zu ihrer Haltung ausfüllte. Die Kontrollgruppen reflektierten entweder eine andere Frage oder füllten den Fragebogen ohne vorherige Reflexion aus.

Diese Forschungsergebnisse legen nahe, dass das Wiederentdecken der persönlichen »Mission« im Lehrberuf dazu beitragen kann, eine unterstützende Lernumgebung zu schaffen, in der alle Schüler erfolgreich sein können.

»Wir konnten zeigen, dass die Haltung derjenigen, die sich mit ihrer Mission beschäftigt hatten, deutlich mehr in Richtung Growth Mindset tendierte als die der anderen Teilnehmenden«, berichtet Anke Heyder. Dieses Ergebnis war unabhängig vom Unterrichtsfach der Lehramtsanwärterinnen und -anwärter.

Eine Befragung eine Woche später zeigte dasselbe Ergebnis. »Das zeigt uns, dass der Effekt anhält – wenigstens eine Zeitlang«, so Heyder. Ob die Wirkung von Dauer ist, müssen weitere Arbeiten zeigen. »Ich kann Lehrkräften, aber auch Lehrenden an Universitäten und Führungskräften in der Wirtschaft, nur dazu raten, sich hin und wieder auf die eigene Mission zu besinnen«, sagt die Forscherin. »Davon profitieren nicht nur die Menschen, für die man verantwortlich ist, sondern es gibt auch Hinweise darauf, dass es die eigene Motivation und Berufszufriedenheit stärkt.«


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