15 Jahre Elterngeld: Erfolge, aber noch Handlungsbedarf

Trotz vieler Erfolge tragen Mütter nach wie vor den Hauptanteil bei der Familienarbeit
Die Einführung des Elterngeldes vor 15 Jahren markierte einen Paradigmenwechsel in der deutschen Familienpolitik. Als »Einkommensersatzleistung« nach der Geburt eines Kindes sollte es einen Schonraum für junge Familien schaffen sowie eine stärkere Erwerbsbeteiligung von Frauen und eine partnerschaftliche Aufteilung der Kinderbetreuung ermöglichen.
Seitdem hat sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in vielerlei Hinsicht verbessert. Die Einführung des Elterngeldes vor 15 Jahren markierte einen Paradigmenwechsel in der deutschen Familienpolitik. Nicht alle Erfolge wirken über die Elternzeit von Müttern und Vätern hinaus.
Väter übernehmen kaum alleinige Verantwortung für die Kinderbetreuung
Seit Einführung des Elterngeldes ist bei Müttern von Kindern unter drei Jahren zwar die Erwerbsbeteiligung von 43 auf 56 Prozent angestiegen. Auch verdoppelte sich der Anteil von Vätern, die Elterngeld beziehen, und liegt heute bei 43 Prozent.
»Ein merklicher Erfolg«, betont Dr. Sophia Schmitz vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB). Doch neben diesen messbaren Erfolgen zeigt sich in der neuen Studie, dass weiterhin nur etwa jeder zehnte Vater mehr als die zwei »Vätermonate« in Anspruch nimmt.
Weil die meisten Väter parallel mit ihren Partnerinnen in Elternzeit sind, ist eine alleinige Verantwortung der Väter für die Kinderbetreuung nach wie vor selten. Und auch wenn sich Väter mit mehr als zwei Monaten Elterngeldbezug dauerhaft etwas stärker einbringen, leisten Mütter weiterhin das Gros der Kinderbetreuung und Hausarbeit. »Über die ersten Lebensmonate des Kindes hinaus sind seit Einführung des Elterngeldes kaum weitere Fortschritte bei der Aufteilung der Familienarbeit zu erkennen«, fasst Dr. Mathias Huebener vom BiB die Ergebnisse zusammen.
Einige Karrierenachteile von Müttern auf dem Arbeitsmarkt bleiben bestehen
Auch auf dem Arbeitsmarkt bleiben Ungleichheiten bestehen: Trotz gestiegener Erwerbsbeteiligung erfahren Mütter nach der Elternzeit teilweise Karrierenachteile. Die Studie belegt dies an Einbußen in ihrem Berufsprestige. Dagegen zeigen sich bei Vätern – auch nach längeren Elternzeiten – eher Anstiege im Berufsprestige. »Hier wird deutlich, wie wichtig es ist, sich auch das Berufsprestige anzuschauen«, sagt Dr. Uta Brehm vom BiB.

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