Fördert internationale Mobilität die wissenschaftliche Karriere?

Dieser Frage widmet sich die DZHW-Studie »What effects does international mobility have on scientists’ careers? A systematic review«, welche in der Zeitschrift Research Evaluation erschienen ist.
In einer Metastudie untersuchten die Forscher*innen, welchen Einfluss internationale Mobilität auf die Karrieren von Wissenschaftler*innen hat. Dabei wurden über verschiedene Suchstrategien 96 Studien identifiziert, welche zwischen 1994 bis 2019 publiziert wurden. Die vorhandenen Studien untersuchen acht verschiedene Dimensionen möglicher Karriereeffekte internationaler Mobilität.
Am häufigsten werden mögliche Effekte auf (1) die internationalen wissenschaftlichen Netzwerke, (2) die wissenschaftliche Produktivität, (3) die berufliche Stellung und (4) die wissenschaftliche Rezeption untersucht. Deutlich seltener werden (5) die Kompetenz- und Persönlichkeitsentwicklung, (6) das wissenschaftliche Fachwissen, (7) der Zugang zu Forschungsinfrastruktur und -finanzierung sowie (8) die Akquise symbolischen Kapitals analysiert.
Die Ergebnisse der Metaanalyse liefern robuste Evidenz, dass internationale Mobilität zum Ausbau wissenschaftlicher Netzwerke beiträgt. Einige der untersuchten Studien zeigen, dass internationale Mobilität die wissenschaftliche Produktivität und Rezeption (zum Beispiel die Anzahl der Zitationen) erhöht. Ebenso scheint internationale Mobilität den beruflichen Aufstieg zu begünstigen, jedoch geht sie auch mit durchschnittlich längeren befristeten Beschäftigungsverhältnissen einher. Die übrigen Karrieredimensionen wurden insgesamt deutlich seltener und auf Basis weniger robuster Designs untersucht.
In einem weiteren Schritt entwickeln die Forscher*innen für zukünftige theoriegeleitete Forschung ein Modell der Effekte internationaler Mobilität auf die Karrieren von Wissenschaftler*innen, eine Vielzahl an datenbezogenen und methodologischen Verbesserungsvorschlägen sowie weiterführende Fragestellungen, mit denen sich zukünftige Forschung beschäftigen könnte.
Weiterführende Informationen: Netz, N., Hampel, S., & Aman, V. (2020). What effects does international mobility have on scientists’ careers? A systematic review. Research Evaluation, 29(3), 327–351. https://doi.org/10.1093/reseval/rvaa007
VERWEISE
- Zur Studie ...
Ähnliche Themen in dieser Kategorie
Strategische Weichenstellung für die GSW-Forschung Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) legt mit dem neuen Rahmenprogramm für die Geistes- und Sozialwissenschaften (GSW) die inhaltlichen Schwerpunkte für die Jahre 2026 bis 2032 fest. Diese …
Akademische Synergien für Europa: DAAD initiiert Wissenschaftsnetzwerk im Weimarer Dreieck Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) etabliert ein neues Wissenschaftsnetzwerk, um die akademische Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Frankreich und Polen nachhaltig zu …
137,1 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung: Investitionen erreichen 3,17 Prozent des BIP Die Investitionen in Forschung und Entwicklung (FuE) in Deutschland haben im Jahr 2024 einen neuen Höchststand erreicht. Mit Gesamtausgaben von 137,1 Milliarden Euro stiegen die …
Flexibilisierung des »Besserstellungsverbots«: Neue Spielräume für die Forschung Die Bundesregierung beabsichtigt, die Attraktivität des Forschungsstandorts Deutschland durch eine gezielte Novellierung des Wissenschaftsfreiheitsgesetzes (WissFG) zu steigern. Im Zentrum des …
