Handwerk: Ausbildung bricht ein
In vielen klassischen Berufen ist die Ausbildung praktisch zusammengebrochen, kritisiert Prof. Dr. Gerhard Bosch vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE): um fast 55 Prozent sank die Zahl der abgeschlossenen Prüfungen in den zulassungsfreien Handwerksberufen zwischen 1995 und 2014. In den Gewerken mit Meisterpflicht fiel der Rückgang mit 36 Prozent deutlich geringer aus.
Bosch stellte jetzt im NRW-Landtag eine Sonderauswertung vor, die belegt, dass die Abschlüsse bei den Fliesenlegern in diesem Zeitraum besonders drastisch einbrachen: um 77 Prozent bundesweit, in NRW um 69 Prozent. 1998 machten 3.600 Fliesenleger in Deutschland ihren Abschluss (NRW: 408), 2014 waren es gerade noch 588 (NRW: 114).
Hintergrund ist, dass die Meisterpflicht in der 2004 geänderten Handwerksordnung in 53 Berufen abgeschafft wurde. Nur noch 41 Gewerke brauchen den »großen Befähigungsnachweis«, um einen Betrieb gründen zu können. So stieg zwar die Zahl der Existenzgründungen, aber meist handelte es sich dabei um kurzlebige Ein-Mann-Unternehmen, die kaum ausbildeten.
Bosch weiter: »Die Meisterpflicht ist ein Qualifikationsanreiz, sie bildet aber kein Monopol aus. Der Zugang zur Meisterausbildung bleibt offen und das MeisterBAFöG fördert die Weiterbildung«. Es zeige sich deutlich, dass in Arbeitsmärkten ohne regulierte Aus- und Fortbildung chronischer Fachkräftemangel herrscht und auch qualifizierte Gründer fehlen.
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