EFI-Gutachten 2026 zur Forschungs- und Innovationspolitik vorgelegt

EFIEin Masterplan für Europas technologische Souveränität

Das Jahresgutachten 2026 der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) unterstreicht die Notwendigkeit, Deutschland und Europa durch gezielte strukturelle Reformen technologisch souverän und wettbewerbsfähig zu positionieren. 

Die Analysen verdeutlichen, dass exzellente Forschungsergebnisse derzeit noch zu selten in marktfähige Innovationen und heimische Wertschöpfung münden.

Strategische Souveränität durch künstliche Intelligenz

Obwohl Deutschland und die Europäische Union über eine starke Forschungsbasis verfügen, bleibt die wirtschaftliche Nutzung künstlicher Intelligenz (KI) hinter den globalen Möglichkeiten zurück.

Die Expertenkommission empfiehlt daher, KI-Politik konsequent europäisch auszurichten und technologische Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern zu reduzieren. Ein zentraler Engpass ist der Mangel an leistungsfähiger Recheninfrastruktur. Um international anschlussfähig zu bleiben, sollte die EU innerhalb der nächsten fünf Jahre 10 bis 15 Prozent der weltweiten Rechenkapazitäten bereitstellen.

Ein weiteres Hemmnis stellt der erschwerte Zugang zu hochwertigen Daten dar. Die EFI rät zu einer innovationsfreundlicheren Gestaltung des Datenschutzes und einer Abkehr vom strikten Verbotsprinzip mit Erlaubnisvorbehalt beim Training von KI-Modellen.

Zudem wird die Entwicklung eines öffentlich geförderten, aber privatwirtschaftlich getragenen Open-Source-Grundlagenmodells vorgeschlagen, um zentrale Schlüsselkompetenzen in Europa zu verankern.

Transferdynamik an Hochschulen und im Mittelstand

Deutsche Hochschulen weisen ein hohes Potenzial für den Wissens- und Technologietransfer auf, das jedoch durch strukturelle Faktoren gebremst wird. Häufig werden wissenschaftliche Erkenntnisse eher im Ausland patentiert und dort wirtschaftlich genutzt, wodurch Deutschland Wachstumschancen entgehen.

Die Expertenkommission schlägt eine Initiative »Transferzeit« vor, um Wissenschaftspersonal zeitliche Freiräume für Gründungen zu schaffen. Zudem müssten langwierige Verhandlungen über geistiges Eigentum (IP) durch standardisierte Verfahren beschleunigt werden.

Der Mittelstand zeigt eine hohe Effizienz bei Innovationen, wird jedoch massiv durch bürokratische Anforderungen und den Fachkräftemangel belastet. Zur Entlastung fordert die EFI vereinfachte, automatisierte Antragsprozesse bei der Forschungsförderung sowie die konsequente Umsetzung des »Once-Only-Prinzips«.

Um die Personalnot zu lindern, wird eine zentrale digitale Plattform (»Work-and-Stay-Agentur«) empfohlen, die sämtliche Verfahren zur Einreise und Anerkennung von Qualifikationen bündelt.

Sicherheit und europäischer Binnenmarkt

Angesichts geopolitischer Spannungen rät die EFI zum Auf- und Ausbau wissenschaftlicher Leuchttürme für sicherheitspolitisch relevante Themen. Der Wissenstransfer zwischen Forschung und Politik müsse intensiviert und die innovationsorientierte Beschaffung von Verteidigungsgütern forciert werden. Hierzu könnte eine Quote für innovative Produkte bei Bundeswehrbeschaffungen beitragen.

Zur Stärkung des europäischen Binnenmarkts befürwortet die Kommission ein sogenanntes »28. Regime«. Dabei handelt es sich um eine einheitliche Rechtsform für Unternehmen auf EU-Ebene, die zusätzlich zu den nationalen Regelwerken existiert. Dies würde es Start-ups ermöglichen, ihre Geschäftsmodelle schneller und kostengünstiger über Ländergrenzen hinweg zu skalieren und so im Wettbewerb mit den USA und China zu bestehen.


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