Forschungsleistungen und Forschungspersonal an privaten Hochschulen

Themenkreis Wissenschaft und Forschung (Symbolbild)

Differenzierung und Effizienz: Die Forschungslandschaft privater Hochschulen

Der private Hochschulsektor in Deutschland hat sich zu einem hochgradig ausdifferenzierten Segment entwickelt, das über die klassische Trennung zwischen Universität und Fachhochschule hinausgeht.

Eine aktuelle Studie des Instituts für Hochschulforschung (HoF) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg belegt, dass insbesondere das fächerbezogene Kostenprofil über die Forschungsintensität und Ressourcenverteilung entscheidet. Während private Universitäten und kostenintensive Fachhochschulen signifikante Forschungsleistungen erbringen, etablieren vor allem spezialisierte private Fachhochschulen zunehmend effiziente Modelle der Wissensproduktion, die im direkten Vergleich mit staatlichen Institutionen bestehen.

Kostenprofile als Indikator für Forschungsleistung

Die Analyse identifiziert drei zentrale Typen privater Bildungseinrichtungen, deren Leistungsfähigkeit eng mit ihrer finanziellen Struktur verknüpft ist. Kostenintensive Hochschulen, zu denen neben privaten Universitäten vor allem Fachhochschulen mit technischen, gestalterischen oder IT-Schwerpunkten zählen, erzielen die höchsten Forschungsoutputs. Im Gegensatz dazu konzentrieren sich kostensparsame Fachhochschulen, primär in den Bereichen Wirtschaftswissenschaften sowie »SAGE« (Soziale Arbeit, Gesundheit und Erziehung), auf eine starke Lehrorientierung. Zwischen diesen Polen agieren hybride Modelle, die beide Ansätze kombinieren.

Diese strukturelle Gliederung wird besonders bei der Einwerbung von Drittmitteln deutlich. Private Universitäten akquirieren jährlich durchschnittlich 105.500 Euro pro Professur. Kostenintensive Fachhochschulen erreichen 43.300 Euro, während kostensparsame Einrichtungen bei etwa 17.500 Euro liegen.

Bemerkenswert ist jedoch die Publikationstätigkeit: Private Fachhochschulen in den Bereichen Technik und SAGE (Soziale Arbeit, Gesundheit und Erziehung) weisen eine hohe Effizienz auf, da sie im Verhältnis zu den eingesetzten Drittmitteln überdurchschnittlich viele wissenschaftliche Beiträge veröffentlichen und somit mit staatlichen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) konkurrieren können.

Konsolidierung und personelle Profile

Ein Blick auf die Akkreditierungsberichte der vergangenen zwei Jahrzehnte zeigt eine zunehmende Professionalisierung des Sektors. Die gesetzlichen Mindeststandards für die Anerkennung als Hochschule werden verlässlicher erfüllt. Dennoch bleibt die Forschung der Bereich, der in Prüfverfahren am kritischsten bewertet wird. Dabei zeigt sich eine Korrelation zwischen Investitionen und Qualität: Kostenintensive Fachhochschulen erfüllen Forschungsanforderungen häufiger als kostengünstig operierende Anbieter.

Hinsichtlich des Personals dominieren fachspezifische Unterschiede die Mobilität und Internationalität. Die Studie unterscheidet verschiedene Professur-Typen, vom praxisorientierten Lehrenden bis zum publikationsstarken Forschungsstar. In Stellenausschreibungen privater Fachhochschulen wird weiterhin primär nach Lehr- und Praxiskompetenz gesucht, während private Universitäten – analog zum staatlichen Sektor – verstärkt Forschungsprofile anfordern.

Perspektiven für die Bildungspolitik

Private Hochschulen nehmen eine komplementäre Funktion im deutschen Bildungssystem ein, indem sie Nischen besetzen und flexible Formate für diverse Studierendengruppen anbieten. Die beobachtete Effizienz deutet auf die Entstehung alternativer Wege der wissenschaftlichen Arbeit hin.

Für eine präzisere Steuerung und Bewertung dieses dynamischen Wachstumsmarktes mahnt die Studie jedoch eine verbesserte Datenbasis an. Lücken in der Erfassung von Drittmitteln und das Fehlen von Langzeitstudien erschweren bislang eine abschließende Beurteilung der langfristigen strukturellen Folgen für die deutsche Wissenschaftslandschaft.

Hintergrund
Die Publikation richtet sich primär an Hochschulleitungen, Wissenschaftsverwaltungen, Forschungs- und Landespolitik sowie Wissenschaftler*innen, die sich mit Struktur, Entwicklung und Steuerung des privaten Hochschulsektors befassen. 


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