Startchancen als Schnittstellen-Programm
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Multiprofessionelle Kooperation als Erfolgsfaktor
In einer Grundschule im Ruhrgebiet sitzen Lehrkraft und Schulsozialarbeiterin gemeinsam mit den Eltern eines Kindes am Tisch, das den Anschluss zu verlieren droht. Die Schule allein kommt hier nicht weiter – gefragt sind Kontakte zum Jugendamt, zur Lernförderung über das Bildungspaket, vielleicht auch zu einem Familienzentrum im Haus. Genau an solchen Übergängen setzt das Startchancen-Programm an, das bundesweit mehr als 4.000 Schulen in benachteiligten Lagen unterstützt.
Das Bund-Länder-Programm »Startchancen« wirkt nicht allein über zusätzliches Geld und Personal. Eine neue Untersuchung des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen zeigt: Sein eigentlicher Kern liegt im Management komplexer Schnittstellen – zwischen Bund, Ländern und Kommunen, zwischen Schulaufsicht und Jugendhilfe, zwischen Lehrkräften und sozialpädagogischem Personal.
Nur wenn diese Kooperationen systematisch aufgebaut werden, lassen sich die erhofften Effekte auf Bildungserfolg und Teilhabe erzielen.
Drei Dimensionen der Zusammenarbeit
Die Studie nennt drei Gelingensbedingungen: abgestimmtes Handeln von Schulaufsicht und Kommune – also Schulträger und Jugendamt – zur Verknüpfung von Schulentwicklung und kommunalen Präventionsstrategien; enge Zusammenarbeit von Lehrkräften und sozialpädagogischem Personal innerhalb der Schule, etwa beim Aufbau von Familienzentren; sowie tragfähige Netzwerke mit außerschulischen Partnern im Sozialraum.
Zwei weitere Themen sind im Programm zwar angelegt, in der Praxis aber kaum bearbeitet: der Zugang von Familien zu Leistungen für Bildung und Teilhabe sowie die Verzahnung mit der frühkindlichen Bildung.
Vom PISA-Schock zum Milliardenprogramm
Startchancen löst seit dem Schuljahr 2024/25 die Initiative »Schule macht stark« ab. Über zehn Jahre stehen 20 Milliarden Euro bereit, je zur Hälfte von Bund und Ländern finanziert – verteilt auf Investitionen in Lernumgebungen, ein Chancenbudget für Schul- und Unterrichtsentwicklung sowie Personal für multiprofessionelle Teams.
Ziel: An den 4.000 geförderten Schulen soll sich der Anteil der Kinder halbieren, die Mindeststandards in Deutsch und Mathematik verfehlen.
Sehr unterschiedliche Wege in den Ländern
Wie die Mittel eingesetzt werden, entscheiden die Länder höchst unterschiedlich. Rheinland-Pfalz knüpft beim Aufbau von Familienzentren an ein bestehendes Programm an, Nordrhein-Westfalen ermöglicht neue Zentren erst ab dem Schuljahr 2026/27.
Auch bei multiprofessionellen Teams variieren die Modelle: In Hamburg und Nordrhein-Westfalen wird Personal meist im Landesdienst beschäftigt, in Rheinland-Pfalz und Bayern vermitteln Schulträger oder ein zentrales Portal externe Fachkräfte.
Stellen bleiben dabei oft wegen Fachkräftemangels unbesetzt. Zur Professionalisierung trägt ein IAQ-Werkzeugkasten bei, der seit Frühjahr 2026 zur Verfügung steht.
Offene Baustellen
Zwei Handlungsfelder bleiben offen: Erwerbstätige Eltern nutzen Leistungen für Bildung und Teilhabe oft nicht, weil sich Verfahren zwischen Kommunen stark unterscheiden und Schulen zusätzlich belasten. Zudem fehlt bislang die systematische Verzahnung mit der frühen Bildung, etwa über geplante Startchancen-Kitas.
Die 2025 erfolgte Zusammenführung der Zuständigkeiten für Bildung und für Kinder- und Jugendhilfe in einem Bundesministerium könnte dafür die strukturelle Grundlage liefern.
Bibliographie
Stöbe-Blossey, S., Glaser, S. & Hackstein, P. (2026). Startchancen als Schnittstellen-Programm: Multiprofessionelle Kooperation zwischen Schulen und Kinder- und Jugendhilfe. IAQ-Report 2026-06. Universität Duisburg-Essen.
In aller Kürze
Das Startchancen-Programm lebt vom Zusammenspiel zwischen Schulen, Jugendhilfe und Kommunen. Eine IAQ-Studie zeigt: Nur mit systematischer multiprofessioneller Kooperation gelingt der Abbau von Bildungsbenachteiligung.
VERWEISE
- Zum IAQ-Report 2026 ...
- Werkzeugkasten »Multiprofessionelle Schulentwicklung aktiv gestalten« ...
- vgl.: »Startchancen-Programm: Bildungsprojekt für mehr Gerechtigkeit an Schulen« ...
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