Schweizer Bildungsbericht 2026: Herkunft schlägt Leistung

Themenkreis Weiterbildung und Lernen (Symbolbild)

Ungleichheit auch in der Weiterbildung

Aus dem Bildungsbericht Schweiz 2026 wird deutlich, dass Bildungschancen weiterhin stark von der sozialen Herkunft abhängen, während die Weiterbildung mit einem Rückgang der Beteiligung kämpft. Trotz einer historisch hohen Akademisierungsquote gelingt es dem System nur bedingt, herkunftsbedingte Unterschiede zu nivellieren.

Soziale Selektivität im Hochschulzugang

Die Wahrscheinlichkeit, ein Studium aufzunehmen, wird in der Schweiz massgeblich durch das Elternhaus bestimmt. Kinder aus akademischen Familien beginnen zu 55 Prozent ein Studium, während dieser Anteil bei Kindern von Eltern ohne weiterführende Bildung lediglich 17 Prozent beträgt.

Diese Disparität wird bereits beim Übergang von der Primar- in die Sekundarstufe I beobachtet: Kinder aus privilegierten Familien besuchen bei identischer Leistung häufiger Klassen mit erweiterten Anforderungen. Ein wesentlicher Faktor sind hierbei unbewusste Stereotype bei der Benotung: Mädchen und Kinder aus bildungsnahen Schichten werden bei gleicher objektiver Leistung oft besser bewertet.

Herausforderungen in der Weiterbildung

Im Bereich des lebenslangen Lernens zeigt sich ein kritischer Trend. Seit der Covid-19-Pandemie ist die Weiterbildungsbeteiligung insgesamt gesunken und hat sich auf einem niedrigeren Niveau eingependelt.

Besonders kritisch ist dies für Geringqualifizierte: In dieser Gruppe nimmt die Teilnahme mit steigendem Alter drastisch ab. Es besteht eine ausgeprägte »Bildungsdisparität«: Personen mit Hochschulabschluss nehmen viermal so häufig an Weiterbildungen teil wie Personen ohne weiterführenden Bildungsabschluss. Dies verschärft das Risiko, dass die Kompetenzen jener Gruppen schneller veralten, die ohnehin stärker vom technologischen Wandel betroffen sind.

Effektivität und Arbeitsmarkterfolg

Trotz struktureller Hürden erweist sich das Schweizer Bildungssystem als marktfähig. Die Erwerbstätigenquote von Hochschulabsolventen liegt ein Jahr nach dem Abschluss bei über 90 Prozent. Besonders effektiv für den Berufseinstieg ist die duale Berufsbildung, die das Risiko für Phasen ohne Beschäftigung oder Ausbildung (NEET) deutlich senkt.

Ein abgebrochenes Studium hingegen wird vom Arbeitsmarkt kaum honoriert und führt meist zu einem geringeren Lebenseinkommen als eine abgeschlossene Berufsausbildung.

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz

Die Digitalisierung hat den Bildungsalltag erreicht, wobei generative KI (wie ChatGPT) bereits von 90 Prozent der Schüler in der Sekundarstufe I genutzt wird.

Während digitale Hilfsmittel an Gymnasien und Fachmittelschulen fast ausnahmslos zum Alltag gehören, bleibt ihre Nutzung an den Primarschulen deutlich seltener und konzentriert sich auf einzelne Fächer. Lehrpersonen werden durch den technologischen Wandel zunehmend gefordert, Kompetenzen zu vermitteln, die kognitiv anspruchsvoll sind und sich von automatisierbaren Routineaufgaben abheben. 


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