IAB-Arbeitsmarktbarometer 5/26: Flaute am Arbeitsmarkt hält an

Themenkreis Arbeitswelt und Beruf (Symbolbild)

Leichtes Signal der Besserung auf niedrigem Niveau

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer verzeichnet im Mai den ersten Zuwachs seit einem halben Jahr. Der sogenannte »Frühindikator« des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), der als vorausschauendes Messinstrument für die künftige Arbeitsmarktentwicklung dient, stieg um 0,1 Punkte auf einen Wert von 99,6 Punkten.

Trotz dieses minimalen Anstiegs verbleibt der Gesamtwert unter der neutralen Marke von 100 Punkten, was weiterhin auf eine verhaltene und eher pessimistische Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes hindeutet.

Die Teilkomponente zur Vorhersage der Arbeitslosigkeit konnte im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Punkte zulegen und liegt nun bei 99,0 Punkten. Damit bewegt sich auch dieser Teilbereich weiterhin im negativen beziehungsweise pessimistischen Segment. Enzo Weber, Leiter des Forschungsbereichs Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen am IAB, erklärte hierzu, dass am Arbeitsmarkt zwar kein Einbruch, allerdings auch kein Durchbruch zu verzeichnen sei. Für eine spürbare Belebung seien mehr Bewegung und neue Stellen notwendig.

Industrie dämpft den Beschäftigungsausblick

Die Komponente zur Vorhersage der Beschäftigung in Deutschland verharrte im Mai bei 100,1 Punkten und liegt damit nur hauchdünn über dem neutralen Schwellenwert. Dies deutet zwar auf eine insgesamt stabile Beschäftigungslage hin, stellt jedoch gleichzeitig den schwächsten Prognosewert außerhalb der Corona-Pandemie dar. Als Hauptursache für diese verhaltene Erwartung gelten die spürbaren Arbeitsplatzverluste im industriellen Sektor.

Keine klare Richtung auf europäischer Ebene

Auf europäischer Ebene zeigt sich eine ähnliche Tendenz der Stagnation. Das European Labour Market Barometer verharrte im Mai unverändert bei 100,1 Punkten. Damit liegt dieser gemeinsame Frühindikator des Europäischen Netzwerks der öffentlichen Arbeitsverwaltungen und des IAB ebenfalls nur minimal über dem neutralen Wert von 100 Punkten.

Weber merkte hierzu an, die europäischen Arbeitsmärkte wiesen derzeit keine klare Richtung auf. Positive Erholungstendenzen und dämpfende Faktoren wie der jüngste Ölpreisschock glichen sich im aktuellen Marktumfeld gegenseitig aus.

Hintergrund
Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist ein seit November 2008 bestehender Frühindikator, der auf einer monatlichen Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter allen lokalen Arbeitsagenturen basiert.

Das European Labour Market Barometer ist ein monatlicher Frühindikator, der auf einer seit Juni 2018 gemeinsam von den 18 Arbeitsverwaltungen und dem IAB durchgeführten Befragung unter den lokalen oder regionalen Arbeitsagenturen der teilnehmenden Länder basiert. Dazu zählen: Belgien (Deutschsprachige Gemeinschaft, Wallonien), Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Island, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, die Schweiz, Spanien und Zypern.

Während Komponente A des IAB-Arbeitsmarktbarometers und des European Labour Market Barometers die Entwicklung der saisonbereinigten Arbeitslosenzahlen für die nächsten drei Monate prognostiziert, dient Komponente B der Vorhersage der Beschäftigungsentwicklung. Der Mittelwert aus diesen beiden Komponenten »Arbeitslosigkeit« und »Beschäftigung« bildet den Gesamtwert der beiden Barometer. Dieser Indikator gibt damit einen Ausblick auf die Gesamtentwicklung des Arbeitsmarkts. Da das Saisonbereinigungsverfahren laufend aus den Entwicklungen der Vergangenheit lernt, kann es zu nachträglichen Revisionen kommen. Die Skala der Barometer reicht von 90 (sehr schlechte Entwicklung) bis 110 (sehr gute Entwicklung).


In aller Kürze
Das IAB-Arbeitsmarktbarometer steigt leicht auf 99,6 Punkte, verbleibt aber im pessimistischen Bereich. Während die Beschäftigung trotz Industrieschwäche stabil bleibt, fehlt dem Markt eine klare Dynamik.


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