Strategische Neuausrichtung der Weiterbildung in Baden-Württemberg 2026–2030
Baden-Württemberg startet neue Weiterbildungsstrategie 2026–2030
Die Vereinbarung »WEITER.BILDEN.BW – Gemeinsam für die Zukunft« setzt den zentralen Rahmen für die Weiterbildungsstrategie Baden-Württembergs bis 2030. Sie schließt an die Vorgängervereinbarung von 2021–2025 an und definiert klare Prioritäten, um das Land in Zeiten beschleunigter wirtschaftlicher, technologischer und sozialer Veränderungen resilient aufzustellen.
Mit der Unterzeichnung durch die Landesregierung und rund 40 Partnerorganisationen des Bündnisses für Lebenslanges Lernen entsteht ein koordinierter Ansatz, der die Bedeutung des lebenslangen Lernens als gesellschaftliche Zukunftsaufgabe hervorhebt.
Politische Leitplanken für den Transformationsprozess
Die Vereinbarung ordnet Weiterbildung als strategisches Instrument ein, um tiefgreifende strukturelle Wandlungsprozesse zu bewältigen. Weiterbildung soll Menschen stärken, ihre berufliche Handlungsfähigkeit sichern und ihnen gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.
Das Kultusministerium bezeichnete Weiterbildung als »Zukunftspolitik«, die Beschäftigungsfähigkeit sichere und neue Perspektiven eröffne. Gleichzeitig wurde auf das paradoxe Zusammenspiel aus Arbeitsplatzverlusten und Fachkräftemangel verwiesen und betont, dass lebenslanges Lernen zum Schlüssel der wirtschaftlichen Transformation werde.
Beide Einschätzungen verdeutlichen die politische Erwartung: Weiterbildung soll Orientierung geben, Übergänge erleichtern und Innovationskraft sichern.
Fünf Kernthemen als strategischer Rahmen
Die Vereinbarung überführt diese politischen Zielsetzungen in fünf operative Schwerpunkte, die das Fundament für die Weiterbildungsplanung der kommenden Jahre bilden.
Demokratiebildung und gesellschaftlicher Zusammenhalt
Demokratiebildung wird als verbindende Querschnittsaufgabe verankert. Gefördert werden Formate, die den öffentlichen Diskurs stärken, unterschiedliche Zielgruppen erreichen und Sprachkompetenz als Basis gesellschaftlicher Teilhabe fördern.
Dazu gehören Qualifizierungen für Lehrende, aufsuchende Bildungsangebote sowie die Einbindung von Familien und Betrieben als Lernorte.
Demografischer Wandel und Fachkräftesicherung
Angesichts eines sich verschärfenden Fachkräftemangels setzt das Bündnis auf differenzierte Qualifizierungsstrategien. Diese reichen von Grundbildung und Teilqualifikationen für Menschen mit geringen formalen Abschlüssen bis zu Weiterbildungsangeboten auf wissenschaftlichem Niveau für hochqualifizierte Beschäftigte.
Zusätzlich werden KMU bei der Entwicklung von Zukunftskompetenzen unterstützt und Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheitskompetenz forciert.
Teilhabe durch Bildung und Qualifizierung
Rund ein Fünftel der Erwachsenen in Deutschland verfügt über eingeschränkte Lese- und Schreibkompetenzen. Das Bündnis adressiert diesen strukturellen Engpass mit niedrigschwelligen, arbeits- und lebensweltorientierten Grundbildungsangeboten.
Ziel ist es, benachteiligte Gruppen – darunter Zugewanderte, Frauen mit Kindern und Menschen im ländlichen Raum – gezielt zu erreichen und ihre gesellschaftliche Teilhabe zu stärken.
Digitalisierung, Medienbildung und KI
Die Digitalisierung wird zweigleisig adressiert: Beschäftigte sollen frühzeitig Kompetenzen für den Umgang mit neuen Technologien wie Künstlicher Intelligenz erwerben. Gleichzeitig wird digitale Grundbildung breit zugänglich gemacht, um digitale Teilhabe zu sichern.
Zu den Schwerpunkten zählen kritische Medienbildung, die Entwicklung KI-gestützter Lernformate sowie die Qualifizierung von Lehrkräften für hochwertige digitale Angebote.
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
BNE wird als ganzheitlicher Bildungsansatz etabliert, der Wissen, Problemlösungskompetenzen und konkrete Handlungsorientierung verbindet. Die Weiterbildung soll Menschen befähigen, aktiv zur Umsetzung globaler Nachhaltigkeitsziele beizutragen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.
Hintergrund
Das Bündnis für Lebenslanges Lernen fungiert als zentrale Koordinationsplattform für diese Strategie. Seit seiner Gründung 2011 vereint es etwa 40 Verbände, Organisationen und Einrichtungen aus der allgemeinen, beruflichen und wissenschaftlichen Weiterbildung sowie sechs Landesministerien.
Die Geschäftsstelle im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport orchestriert die Zusammenarbeit und bündelt Expertise, Ressourcen und Praxiserfahrungen der Mitglieder. Dieses kooperative Netzwerk bildet die Grundlage dafür, dass Baden-Württemberg den vielfältigen Herausforderungen der Transformation begegnen und seine Position als wissens- und innovationsstarkes Bundesland behaupten kann.
VERWEISE
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