Future Skills: Welche Kompetenzen sind in der Arbeitswelt von heute nachgefragt?

Die digitale Transformation stellt junge Menschen vor die Herausforderung, Berufe zu finden, die ihren Kompetenzen, Stärken und Interessen entsprechen. Gleichzeitig suchen Unternehmen verstärkt nach sogenannten »Future Skills« – überfachlichen Kompetenzen, die in einer sich wandelnden Arbeitswelt immer wichtiger werden.
Die Studie »Kompetenzen für morgen« der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2024 analysierte rund 47 Millionen Online-Stellenanzeigen, um herauszufinden, welche dieser Zukunftskompetenzen bereits heute gefragt sind und wie sich die Nachfrage je nach beruflichem Anforderungsniveau und Berufsgruppen unterscheidet.
Die wichtigsten Resultate der Studie hat die Stiftung in einem Blogbeitrag analysiert, die wir hier zusammenfassen:
Inwiefern werden Future Skills schon heute verstärkt in Online-Stellenanzeigen nachgefragt?
Die Studie zeigt, dass Future Skills bereits heute eine zunehmend wichtige Rolle in Online-Stellenanzeigen spielen. Besonders überfachliche Kompetenzen wie Einsatzbereitschaft, Teamfähigkeit, Selbstständigkeit, kritisches Denken und Anpassungsfähigkeit werden verstärkt nachgefragt.
Die Analyse der Online-Stellenanzeigen ergab, dass die Nachfrage nach den 19 in der Literatur am häufigsten genannten Future Skills stärker wächst als der Durchschnitt von 47 überfachlichen Kompetenzen aus der europäischen ESCO-Klassifikation.
Einige zentrale Erkenntnisse:
- Steigende Nachfrage nach überfachlichen Kompetenzen
Zwischen 2019 und 2023 ist die Anzahl der in Stellenanzeigen geforderten überfachlichen Kompetenzen von durchschnittlich 6,32 auf 7,04 gestiegen. - Besonders gefragt sind Selbstmanagement-, soziale und kommunikative sowie kognitive Kompetenzen
Dazu zählen u.a. Anpassungsfähigkeit, Einfühlungsvermögen und kreatives Denken. - Einsatzbereitschaft ist der am häufigsten nachgefragte Future Skill,
gefolgt von Teamfähigkeit. Beide wachsen überdurchschnittlich stark. - Sprach- und Digital-Kompetenzen gewinnen an Bedeutung
Die Nachfrage nach Deutschkenntnissen ist bei Expert*innen um +8,3 Prozentpunkte und bei Spezialist*innen um +7,7 Prozentpunkte gestiegen. - Klassische Tugenden wie Verlässlichkeit und Sorgfalt sind ebenfalls gefragt,
insbesondere bei Fachkräften (+5,7 Prozentpunkte) und Hilfskräften (+8,6 Prozentpunkte).
Unterscheidet sich die Nachfrage nach Future Skills je nach beruflichem Anforderungsniveau oder nach Berufsgruppen?
Ja, die Nachfrage nach Future Skills unterscheidet sich sowohl nach beruflichem Anforderungsniveau als auch nach Berufsgruppen.
Unterschiede nach Anforderungsniveau:
Die Studie zeigt, dass je höher das Anforderungsniveau, desto mehr überfachliche Kompetenzen werden in den Stellenanzeigen gefordert:
- Hilfskräfte (kein oder niedriger Abschluss): Ø 5,12 überfachliche Kompetenzen pro Stellenanzeige
- Fachkräfte (berufliche Ausbildung): Ø 6,53 überfachliche Kompetenzen
- Spezialist*innen (Meister-, Techniker- oder Bachelorabschluss): Ø 7,85 überfachliche Kompetenzen
- Expert*innen (Master oder Diplom): Ø 8,12 überfachliche Kompetenzen
Auch innerhalb der Future Skills gibt es Unterschiede:
- Anpassungsfähigkeit wird besonders häufig bei Hilfskräften gefordert (21 %), aber weniger bei Expert*innen (16 %).
- Kreatives Denken ist bei Expert*innen besonders gefragt (20 % der Stellenanzeigen), während es bei Hilfskräften kaum eine Rolle spielt.
- Planungsfähigkeit ist vor allem für Spezialist*innen (+24 %) und Expert*innen (+18 %) zunehmend wichtig.
Unterschiede nach Berufsgruppen:
Die geforderten Future Skills variieren stark je nach Branche:
- Informatik- und IKT-Berufe
Hier sind besonders kognitive Kompetenzen gefragt, wie analytisches Denken (29 %), Problemlösung (28 %) und kritisches Denken (20 %). - Gesundheits- und Sozialberufe
Hier spielt Einfühlungsvermögen eine entscheidende Rolle (+5,3 Prozentpunkte Wachstum). - Verkaufsberufe
Anpassungsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein sind hier überdurchschnittlich gefragt. - Fahrzeug- und Transportberufe
Hier stehen Selbstmanagement-Kompetenzen wie Zielstrebigkeit und Eigeninitiative im Vordergrund.
Die Daten zeigen, dass Future Skills nicht nur allgemein gefordert werden, sondern dass die spezifische Nachfrage je nach Qualifikationsniveau und Berufsgruppe variiert. Besonders in anspruchsvolleren Berufen mit Führungsverantwortung wächst die Nachfrage nach sozialen und kognitiven Kompetenzen stark.
VERWEISE
- Ausführliche Ergebnisse und Hintergrund der Studie ...
- Larissa Klemme, Dr. Martin Noack: »Kompetenzen für morgen« ...
Ähnliche Themen in dieser Kategorie
Lebenslanges Lernen wird zur Schlüsselstrategie für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands Der tiefgreifende wirtschaftliche, technologische und gesellschaftliche Wandel zwingt Politik, Betriebe und Individuen dazu, Weiterbildung neu zu organisieren. Nicht punktuelle …
Transformation und Resilienz: Die Schwerpunkte der EPALE-Erwachsenenbildung 2026 Die europäische Plattform für Erwachsenenbildung (EPALE) richtet ihre Programmatik für das Jahr 2026 konsequent auf den strukturellen Wandel und die Zukunftsfähigkeit des Bildungssektors aus. Im …
Orientierung in Zeiten raschen Wandels Der TÜV-Verband legt mit dem Leitfaden »Weiterbildung in Zeiten der Transformation« eine praxisnahe Handreichung vor, die Unternehmen beim Aufbau einer strategischen Weiterbildungsplanung unterstützt. Im Zentrum stehen …
Begleitende Beiträge zu den Aktionswochen »Future Skills« Das InfoWeb Weiterbildung iwwb.de begleitet die bundesweiten Aktionswochen »Future Skills« des Deutschen Bildungsservers mit einer Reihe aktueller Beiträge rund um Zukunftskompetenzen in Weiterbildung und Beruf. Im …
