Gender Pay Gap: Entwicklung durch regionale Unterschiede geprägt

Themenkreis Frauen in Beruf und Karriere (Symbolbild)

Zwischen Fortschritt und Stillstand: Der Gender Pay Gap im Regionalvergleich

Vollzeitbeschäftigte Frauen in Deutschland verdienten im Jahr 2024 durchschnittlich 17,2 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen in identischer Beschäftigungsform.

Obwohl die bundesweite Lohnlücke zwischen 2019 und 2024 um 3,2 Prozentpunkte sank, verlief diese Entwicklung regional höchst unterschiedlich. In der Mehrheit der 400 deutschen Kreise und kreisfreien Städte verringerte sich der Abstand, doch in 15 Regionen war entgegen dem Trend ein Anstieg der unbereinigten Entgeltlücke zu verzeichnen.

Dies belegen aktuelle Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Ursachen der Lohnunterschiede und strukturelle Dynamiken

Der Rückgang der Differenz ist maßgeblich auf strukturelle Veränderungen im Arbeitsmarkt zurückzuführen. Frauen sind zunehmend in Berufsfeldern mit höherem Lohnniveau tätig, während gleichzeitig der Anteil weiblicher Beschäftigter in Führungspositionen leicht stieg.

Dennoch bleibt der unbereinigte »Gender Pay Gap« – also der prozentuale Unterschied des Bruttostundenverdienstes ohne Berücksichtigung von Qualifikation oder Tätigkeit – eine zentrale Kennzahl für gesellschaftliche Ungleichheit.

Die regionalen Abweichungen erklären sich häufig durch die lokale Wirtschaftsstruktur: In Regionen mit einem hohen Anteil an produzierendem Gewerbe und männlich dominierten technischen Berufen fällt die Lücke oft größer aus als in Dienstleistungszentren.

Gesellschaftliche Folgen und bildungspolitische Relevanz

Die fortbestehende Entgeltungleichheit hat weitreichende Konsequenzen für die soziale Absicherung und die Bildungsplanung. Eine geringere Entlohnung während der Erwerbsphase führt systematisch zu niedrigeren Rentenansprüchen und erhöht das Risiko für Altersarmut bei Frauen.

Aus bildungspolitischer Sicht unterstreichen die Daten die Notwendigkeit, Geschlechterstereotype bei der Berufswahl weiter abzubauen. Eine verstärkte Förderung von Frauen in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) sowie eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleiben entscheidende Hebel, um die strukturelle Benachteiligung langfristig zu überwinden.

Der uneinheitliche Trend in den Kreisen zeigt zudem, dass lokale Rahmenbedingungen und die gezielte Ansiedlung zukunftsorientierter Branchen wesentliche Faktoren für die Entgeltgerechtigkeit vor Ort darstellen. 


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