Karriere-Check: Warum der Einstieg in KI-Rollen für Frauen schwerer ist

Themenkreis Frauen in Beruf und Karriere (Symbolbild)

Paradoxe Entwicklung: Frauenanteil in IT-Berufen sinkt europaweit

In Europa zeigt sich im Technologiesektor eine zunehmende Diskrepanz zwischen akademischer Qualifikation und beruflicher Realität von Frauen. Trotz steigender Abschlusszahlen in den MINT-Fächern sinkt der Frauenanteil in technischen Rollen, während die Nachfrage nach Talenten im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) rasant wächst.

Rückläufige Repräsentanz trotz Qualifikationsoffensive

Eine aktuelle McKinsey-Studie belegt eine strukturelle Regression innerhalb der europäischen Tech-Belegschaft. Der Anteil von Frauen in technischen Rollen reduzierte sich innerhalb der letzten drei Jahre von 22 auf 19 Prozent.

Dieser Rückgang steht im Gegensatz zu den Bildungserfolgen, da der Frauenanteil bei den MINT-Abschlüssen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) im Bachelor-Bereich bei 33 Prozent und auf Promotionsebene bei 39 Prozent liegt. Offenbar gelingt die Überführung dieser akademischen Talente in den Arbeitsmarkt nur unzureichend.

Die Rolle der Künstlichen Intelligenz als Selektionsfaktor

Die fortschreitende Automatisierung durch KI verändert die Jobprofile grundlegend. Während Einstiegspositionen in der Softwareentwicklung oder im Produktmanagement rückläufig sind, verzeichnet das Segment »KI, Daten und Analytics« einen deutlichen Zuwachs. Von dieser Entwicklung profitieren bisher primär männliche Fachkräfte, deren Anteil in diesen Wachstumsbereichen mit elf Prozent stärker steigt als der der Frauen mit sieben Prozent.

Damit droht die technologische Transformation die bestehende Geschlechterlücke weiter zu vertiefen, anstatt sie als Modernisierungskatalysator zu schließen.

Strukturelle Barrieren und Karrierehindernisse

Ein wesentlicher Faktor für die geringe Präsenz in Führungspositionen – nur 13 Prozent im Management und acht Prozent auf Senior-Ebene sind weiblich besetzt – liegt in den sogenannten brüchigen Karriereleitern.

Der stärkste Verlust an weiblichen Talenten findet beim Übergang vom Berufseinstieg zur ersten Führungsebene statt. Zudem erschweren kulturelle Aspekte den Aufstieg: Berichte über geschlechtsspezifische Benachteiligungen und eine hohe Belastung durch karriereneutrale Zusatzaufgaben prägen den Arbeitsalltag vieler Expertinnen.

Strategische Hebel zur Talentaktivierung

Durch gezielte Maßnahmen ließen sich laut Analyse bis zu 200.000 zusätzliche Fachfrauen für den Tech-Sektor gewinnen. Hierzu zählen die Etablierung von Mentoring-Programmen, die Standardisierung von Beförderungsprozessen sowie der Ausbau von Wiedereinstiegsmodellen.

Eine konsequente Ausrichtung der Unternehmensführung auf messbare Ziele in der Personalentwicklung gilt als Voraussetzung, um die Wettbewerbsfähigkeit Europas im globalen KI-Wettlauf sicherzustellen. 


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