Frauen im Ehrenamt: Sichtbar und gleichberechtigt?

Frau im Büro

Führungsrollen im Ehrenamt – Männer dominieren weiterhin

Die Geschlechtergerechtigkeit im Ehrenamt bleibt eine Herausforderung, obwohl sich die Engagementquoten von Frauen und Männern angeglichen haben. Frauen engagieren sich vor allem im sozialen, kulturellen und bildungsbezogenen Bereich, während Männer häufiger in Sport, Feuerwehr oder politischen Gremien aktiv sind.

Führungspositionen im Ehrenamt sind weiterhin überwiegend männlich besetzt. Zudem tragen Frauen neben Beruf oft eine hohe Last an unbezahlter Sorgearbeit, was ihr ehrenamtliches Engagement erschwert.

Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Parlamentarische Anfrage hervor.

Unterschiedliche Engagementfelder und Rollenverteilung

Frauen sind vor allem in sozialen und organisatorischen Aufgaben engagiert, oft ohne die Sichtbarkeit, die Männer durch Tätigkeiten in populären Bereichen genießen. Männer übernehmen häufiger Führungsrollen, etwa in Sportvereinen oder Rettungsdiensten.

Besonders in ländlichen Regionen, wo Vereinsstrukturen konservativer sind und familienfreundliche Angebote fehlen, liegt der Anteil engagierter Frauen bis zu zehn Prozentpunkte unter dem der Männer.

Zeitliche Belastungen durch Sorgearbeit

Statistisch leisten Frauen im Durchschnitt 29,8 Stunden wöchentlich unbezahlte Sorgearbeit, Männer dagegen 20,7 Stunden. Diese zeitliche Mehrbelastung erschwert es vielen Frauen, sich in zeitintensiven Ehrenamtsfunktionen zu engagieren.

Auch der Gender Care Gap, die Differenz in der familiären Sorgearbeit, beträgt laut Statistik mehr als neun Stunden pro Woche zugunsten der Frauen. Die Doppelbelastung durch Beruf und Sorgearbeit bleibt ein zentraler Hemmfaktor.

Führungspositionen und strukturelle Barrieren

Frauen sind in Führungspositionen im Ehrenamt deutlich unterrepräsentiert. Nur knapp unter 25 Prozent der unter 50-jährigen Engagierten sind in Leitungsfunktionen aktiv, während es bei über 50-Jährigen fast 30 Prozent sind, was auf traditionellere Rollenmuster bei Älteren hindeutet.

Die Bundesregierung bewertet diese Ungleichheit als Folge der gesamtgesellschaftlichen Rollenmuster und sieht den Schlüssel in politischen Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Ehrenamt.

Politische Maßnahmen und Zukunftspakt Ehrenamt

Die Bundesregierung arbeitet an der Verbesserung der Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement, vor allem für Frauen. Dazu gehören der Ausbau der Betreuungsinfrastruktur, die Förderung einer familienfreundlichen Arbeitswelt und die Entbürokratisierung des Ehrenamts durch den »Zukunftspakt Ehrenamt«. Außerdem sollen die Übungsleiter- und Ehrenamtspauschalen angehoben werden, um die finanzielle Anerkennung zu stärken.

Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt setzt sich zudem gezielt für mehr Frauen in Führungsrollen sowie für Vielfalt und gleichberechtigte Teilhabe ein.

Anerkennung informeller Engagementformen

Die Bundesregierung erkennt auch informelle, nicht institutionell gebundene Engagementformen wie Angehörigenpflege oder Kinderbegleitung an. Eine systematische Erfassung dieser vielfältigen Engagementformen ohne Organisationsanbindung wird jedoch als schwierig eingeschätzt. Dennoch sollen diese Formen in Anerkennungs- und Förderstrukturen berücksichtigt werden. 


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