Frauenanteil in DAX-Vorständen: Fortschritte, aber weiterhin große Lücken

DAX (Symbolbild)

Frauen in DAX-Führungsetagen weiter unterrepräsentiert

Die aktuelle Auswertung der neuen Nachhaltigkeitsberichte nach CSRD-Standard zeigt: In den Führungsetagen der DAX-Unternehmen sind Frauen weiterhin deutlich unterrepräsentiert.

Über alle berichtenden DAX-Konzerne hinweg liegt der Anteil von Frauen in der obersten Führungsebene bei 28,5 Prozent. Zum Vergleich: In der Gesamtbelegschaft dieser Unternehmen sind durchschnittlich 33,1 Prozent Frauen beschäftigt.

Als oberste Führungsebene gilt meist eine oder zwei Ebenen unterhalb des Vorstands oder Aufsichtsrats. In fast zwei Dritteln der Unternehmen ist der Frauenanteil in der Führung mindestens fünf Prozentpunkte niedriger als im gesamten Unternehmen – ein klares Zeichen für strukturelle Barrieren beim Aufstieg von Frauen.

Auffällige Unterschiede zwischen Branchen und Unternehmen

Die Diskrepanz zwischen Gesamtbelegschaft und Führungsebene variiert stark: Beim Gesundheitsdienstleister Fresenius beträgt der Frauenanteil in der Belegschaft 67,4 Prozent, in der Führung jedoch nur 28,2 Prozent – eine Differenz von 39,2 Prozentpunkten.

Umgekehrt liegt der Frauenanteil bei RWE in der Belegschaft bei nur 20,8 Prozent, in der Führung aber bei 33,3 Prozent. Auch bei Heidelberg Materials, BMW und Airbus ist der Frauenanteil im Management leicht höher als in der Gesamtbelegschaft, was jedoch vor allem auf einen sehr niedrigen Frauenanteil insgesamt zurückzuführen ist.

Entwicklung der Frauenquote: Stagnation und Rückschritte

Seit 2021 ist der Frauenanteil an der Gesamtbelegschaft sogar leicht gesunken – von 34,1 auf 33,1 Prozent. Nur fünf Unternehmen konnten den Frauenanteil steigern, bei 26 Unternehmen ging er zurück, bei zwei blieb er konstant.

Die Programme zur Förderung weiblicher Beschäftigter zeigen laut Analyse bislang wenig Wirkung. Janine Bartsch von EY-Parthenon betont, dass die bisherigen Maßnahmen oft nicht ausreichen und verweist auf strukturelle Hindernisse wie fehlende Netzwerke, mangelnde Vorbilder und eine Unternehmenskultur, die Vielfalt nicht ausreichend fördert. Auch gesellschaftliche Faktoren wie Kinderbetreuung und traditionelle Rollenbilder spielen eine Rolle.

Gender Pay Gap: Männer verdienen weiterhin mehr

Die DAX-Unternehmen berichten erstmals im Rahmen der CSRD auch über den unbereinigten Gender Pay Gap.

Im Durchschnitt verdienen Männer 13,9 Prozent mehr als Frauen – deutschlandweit liegt der Unterschied bei 16 Prozent. In vier DAX-Unternehmen (Daimler Truck, BMW, DHL Group und Vonovia) verdienen Frauen im Schnitt sogar mehr als Männer. In der Finanzbranche hingegen sind die Unterschiede besonders groß: Bei der Deutschen Bank beträgt der Gender Pay Gap fast 39 Prozent, bei der Commerzbank 30,5 Prozent.

Die Zahlen sind unbereinigt, berücksichtigen also weder Tätigkeiten noch Qualifikationen. Gründe für die Unterschiede sind unter anderem der höhere Anteil von Frauen in Teilzeit und niedrigeren Positionen.

Transparenz als Chance

Die erstmalige Veröffentlichung der CSRD-Berichte wird von EY-Parthenon als wichtiger Schritt zu mehr Transparenz bewertet. Sie ermögliche Unternehmen, ihre Position im Vergleich zu anderen zu analysieren und biete einen Anreiz, gezielt an Verbesserungen zu arbeiten.

Janine Bartsch sieht in der Transparenz eine Chance, soziale Nachhaltigkeit und Gleichstellung stärker in den Fokus zu rücken. Zudem könnten Unternehmen von einer geringeren Fluktuation, höherer Produktivität und besserer Reputation profitieren, wenn sie gezielt in Gleichstellung investieren.


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