Vier von zehn aller Vizeposten an staatlichen deutschen Hochschulen haben Frauen inne

Alma mater

Frauenanteil auf der zweiten Führungsebene deutlich höher als bei Hochschulleitungen

39 Prozent aller Vizeposten an staatlichen deutschen Hochschulen haben Frauen inne. Die meisten von ihnen verantworten Ressorts aus den Bereichen Diversität, Nachhaltigkeit oder Internationales. Männliche Prorektoren oder Vizepräsidenten sind dagegen stärker in den Bereichen Digitalisierung oder Forschung vertreten. Zu den häufigsten Ressorts gehören Forschung, Lehre, Studium, Internationales und Transfer.

Dies zeigt eine Auswertung des CHE Centrum für Hochschulentwicklung.

Vizepräsident*innen und Prorektor*innen an deutschen Hochschulen sind wichtige Akteure in der Organisation und Leitung von Hochschulen. Ihre Ressorts sind je nach Hochschule unterschiedlich zugeschnitten und spiegeln durch wachsende Differenzierung zunehmend Schwerpunkte und Profile der jeweiligen Hochschule wider. Für einen CHECK des CHE Centrum für Hochschulentwicklung hat Isabel Roessler nun die Ressortzuschnitte von 188 staatlichen Hochschulen ausgewertet.

Aktuell sind an den 188 Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) 217 Vizepräsidentinnen, Pro- oder Konrektorinnen im Amt. Der Frauenanteil auf der zweiten Führungsebene an staatlichen deutschen Hochschulen liegt damit bei 39 Prozent. Die Frauenquote liegt bei den Vizeleitungen somit deutlich höher als bei den Hochschulleitungen, wo der Anteil nur 29 Prozent entspricht. Die höchsten Anteile weiblicher Vizestellen im Ländervergleich finden sich mit 67 Prozent in Bremen, Hamburg und Sachsen-Anhalt.

Bei der Geschlechterverteilung der stellvertretenden Hochschulleitungen nach Ressort zeigt die CHE-Analyse klare Muster. Die höchsten Männerquoten finden sich bei beiden Hochschultypen in den Bereichen Digitalisierung und Forschung. Das Ressort Weiterbildung an Universitäten ist sogar in fast neun von zehn Fällen mit einem Vizepräsidenten bzw. Prorektor besetzt. Die höchsten Frauenquoten finden sich dagegen sowohl bei Universitäten als auch an HAW in den Bereichen Diversität, Nachhaltigkeit und Internationales.

Geschlechterverteilung über ausgewählte, häufig vorhandene Ressorts

Neben der dominierenden Kombination »Studium und Lehre« an beiden Hochschultypen ist der Forschungsbereich an Universitäten im Präsidium ganz unterschiedlich zugeschnitten. Die Bandbreite reicht von »Forschung und wissenschaftlicher Nachwuchs« an fünfzehn Universitäten bis zum einzigartigen Bereich »Forschung, gesellschaftlicher Dialog und Transfer« an einer Hochschule.

Zu den häufigsten fünf Ressorts an beiden Hochschultypen gehören die Bereich Forschung, Lehre, Studium, Internationales und Transfer

»Das Thema Transfer hat für viele Hochschulen in den vergangenen Jahren an Relevanz gewonnen, dies zeigt sich auch in der starken Ressortverantwortung auf der Leitungsebene. Bei zwei Dritteln der HAW ist Transfer mittlerweile auf Leitungsebene angesiedelt«, so Roessler. Lediglich in Sachsen gibt es noch Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, bei denen sich kein Präsidiumsmitglied explizit um Transferangelegenheiten kümmert.

Hintergrund
Isabel Roessler ist die Autorin des »CHECK- Ressortzuschnitte der Vizepräsident*innen und Prorektor*innen an deutschen Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften«. Berücksichtigt wurden die im Netz veröffentlichten Angaben zu den Präsidien und Rektoraten von 188 staatlichen Hochschulen in Deutschland (Stand April bzw. August 2023).


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