Ausbildung und Weiterbildung in Rheinland-Pfalz: Knappes Engagement, volle Lücken

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Ausbildung und Weiterbildung als Antwort auf den Fachkräftemangel

Rheinland-Pfalz hat ein Fachkräfteproblem – das ist keine neue Erkenntnis. Doch wie gut sind die Betriebe im Land aufgestellt, wenn es darum geht, dem Engpass mit eigenen Mitteln zu begegnen?

Eine aktuelle Auswertung des IAB-Betriebspanels für das Jahr 2024, erstellt von der Forschungsgruppe WifoS im Auftrag des Landesministeriums für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung, liefert differenzierte Antworten – und zeigt, dass das Engagement je nach Betriebsgröße und Branche erheblich variiert.

Nur ein Drittel der Betriebe bildet aktiv aus

Von den rund 102.500 sozialversicherungspflichtigen Betrieben in Rheinland-Pfalz erfüllten im Jahr 2024 lediglich 59 Prozent die gesetzlichen Voraussetzungen zur Berufsausbildung. Von diesen ausbildungsberechtigten Betrieben waren wiederum nur 56 Prozent tatsächlich aktiv – bezogen auf alle Betriebe bedeutet das: Nur ein Drittel (33 Prozent) nutzt das Instrument der betrieblichen Ausbildung zur Fachkräftesicherung.

Als häufigster Grund für den Verzicht trotz vorhandener Berechtigung nennen die Betriebe fehlende personelle Kapazitäten (36 Prozent). Dahinter folgt der Mangel an geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern (27 Prozent), und für 18 Prozent spielen negative Erfahrungen aus der Vergangenheit eine Rolle. Damit wird ein fataler Kreislauf sichtbar: Fachkräfteengpässe schwächen die betrieblichen Ressourcen, die für die Ausbildung neuer Fachkräfte benötigt werden.

Besonders Kleinstbetriebe – sie stellen 64 Prozent aller rheinland-pfälzischen Betriebe – sind strukturell benachteiligt: Nur 43 Prozent sind zur Ausbildung berechtigt, und nur gut zwei Fünftel davon nutzen diese Möglichkeit aktiv. Im Baugewerbe und im Verarbeitenden Gewerbe ist die Ausbildungsbeteiligung deutlich höher, im Dienstleistungsbereich dagegen unterdurchschnittlich.

Ein Drittel der Ausbildungsplätze bleibt unbesetzt

Auch jene Betriebe, die aktiv ausbilden, kämpfen mit der Besetzung ihrer Stellen. Für das Ausbildungsjahr 2023/2024 wurden landesweit rund 46.900 Ausbildungsplätze angeboten – 34 Prozent davon blieben unbesetzt. Während die Hälfte der ausbildenden Betriebe alle Plätze besetzen konnte, verzeichneten 36 Prozent keinerlei Besetzungserfolg. Kleinstbetriebe sind hiervon besonders betroffen: Bei ihnen blieben 54 Prozent aller angebotenen Ausbildungsplätze vakant.

Ein interessanter Befund betrifft Jugendliche ohne Schulabschluss: Fast die Hälfte der ausbildungsberechtigten Betriebe (47 Prozent) erklärt sich unter bestimmten Bedingungen zur Berücksichtigung dieser Bewerbergruppe bereit. Entscheidend sind dabei vor allem ein guter persönlicher Eindruck (36 Prozent) und ein erfolgreiches Praktikum (37 Prozent). Dieser pragmatische Umgang mit formalen Abschlüssen kann die Ausbildungschancen für benachteiligte Jugendliche spürbar verbessern.

Weiterbildung: Jeder zweite Betrieb engagiert sich – mit Lücken

Parallel zur Ausbildung bietet die betriebliche Weiterbildung einen weiteren Hebel zur Fachkräftesicherung. Im ersten Halbjahr 2024 förderten 45 Prozent aller rheinland-pfälzischen Betriebe entsprechende Maßnahmen. Insgesamt wurden dabei rund 528.500 Beschäftigte weitergebildet – das entspricht einer Weiterbildungsquote von 27 Prozent gemessen an knapp zwei Millionen Beschäftigten im Land.

Auffällig ist, dass qualifizierte Tätigkeiten im Mittelpunkt stehen: Ihre Weiterbildungsquote lag bei 34 Prozent, während Beschäftigte für einfache Tätigkeiten nur auf 15 Prozent kamen. Das Gesundheits- und Sozialwesen sowie der Öffentliche Bereich lagen mit 42 bzw. 26 Prozent über dem Landesschnitt; das Baugewerbe blieb mit 22 Prozent deutlich darunter.

Beliebteste Maßnahmen sind externe Kurse, Lehrgänge und Seminare (87 Prozent der weiterbildungsaktiven Betriebe) sowie Weiterbildung am Arbeitsplatz (66 Prozent). Großbetriebe nutzen das gesamte Spektrum – von internen Schulungen bis hin zu Fachtagungen –, während Kleinstbetriebe sich stärker auf arbeitsplatznahes Lernen konzentrieren.

Strukturelle Grenzen einer zentralen Zukunftsinvestition

Die Befunde des IAB-Betriebspanels machen eines deutlich: Betriebliche Aus- und Weiterbildung sind unverzichtbare Säulen der Fachkräftesicherung – aber keine Selbstläufer. Vor allem kleinere Betriebe stoßen an strukturelle Grenzen, die politische Unterstützung und gezielte Entlastungsangebote erforderlich machen.

Die Weiterbildungslücke bei Geringqualifizierten ist dabei ebenso problematisch wie die weiterhin hohe Zahl unbesetzter Ausbildungsplätze. Beide Befunde signalisieren Handlungsbedarf – für Betriebe, Intermediäre und die Bildungspolitik gleichermaßen. 


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