Einkommen im Südwesten: Warum viele Mangelberufe unter dem Schnitt bleiben

Themenkreis Arbeitswelt und Beruf (Symbolbild)

Einkommensstrukturen in Mangelberufen: Diskrepanz zwischen Bedarf und Vergütung

Der ausgeprägte Bedarf an qualifiziertem Personal in Baden-Württemberg führt nicht zwangsläufig zu einer überdurchschnittlichen Entlohnung.

Aktuelle Daten des Statistischen Landesamtes aus dem März 2026 verdeutlichen, dass das monatliche Bruttoeinkommen in vielen sogenannten »Engpassberufen« deutlich unter dem landesweiten Medianwert liegt. Während spezialisierte Fachkräfte in der IT-Branche oder im medizinischen Sektor hohe Gehälter erzielen, bleibt die Vergütung in gesellschaftlich relevanten Bereichen wie der Pflege oder der Logistik oft hinter dem Durchschnitt zurück.

Diese Entwicklung stellt eine strukturelle Herausforderung für die Fachkräftesicherung dar, da monetäre Anreize eine wesentliche Rolle bei der Berufswahl spielen.

Die statistische Ausgangslage im Südwesten

Im Jahr 2023 belief sich das mittlere Bruttomonatseinkommen für Vollzeitbeschäftigte in Baden-Württemberg auf 4.124 Euro. Als Vergleichsmaßstab dient hierbei der Median, also jener Wert, der die Einkommensverteilung in zwei exakt gleich große Gruppen teilt.

Von den insgesamt 152 identifizierten Berufsattungen, in denen ein erheblicher Personalmangel herrscht, weisen rund 72 Prozent ein Lohnniveau auf, das unter diesem Gesamtschnitt liegt. Dies betrifft insbesondere Berufe, für die eine Berufsausbildung oder eine Helfertätigkeit vorausgesetzt wird.

Varianz der Entlohnung nach Branchen

Die Spannweite der Verdienste innerhalb der Mangelberufe ist beachtlich. Am unteren Ende der Skala finden sich Reinigungskräfte mit einem mittleren Einkommen von etwa 2.400 Euro sowie Beschäftigte in der Gastronomie mit rund 2.600 Euro. Auch in der Landwirtschaft liegt die Vergütung mit 2.700 Euro signifikant unter dem Landesdurchschnitt.

Im Gegensatz dazu stehen akademisch geprägte »Engpassberufe«. In der Softwareentwicklung sowie in der Informationstechnik werden durchschnittlich 6.100 Euro erreicht, während in der Humanmedizin Werte von bis zu 6.700 Euro erzielt werden.

Diese Differenzierung zeigt, dass der Marktwert einer Tätigkeit nicht allein durch die Knappheit des Personals, sondern maßgeblich durch die Wertschöpfungstiefe und die Qualifikationsebene bestimmt wird. In der Altenpflege, einem Sektor mit chronischem Personalmangel, liegt das mittlere Gehalt bei etwa 3.800 Euro und damit näher am allgemeinen Durchschnitt, jedoch weiterhin darunter.

Geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede

Ein weiterer Fokus der Erhebung liegt auf dem sogenannten »Gender Pay Gap«, dem unbereinigten Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern. Landesweit verdienen Frauen im Median 17 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

In den betrachteten Mangelberufen zeigt sich ein heterogenes Bild: Während die Differenz in technischen Berufen teilweise geringer ausfällt, ist sie in anderen Bereichen weiterhin stark ausgeprägt. Die Behörde führt an, dass diese Unterschiede oft mit Erwerbsbiografien und der Branchenwahl zusammenhängen, aber auch innerhalb identischer Berufsgruppen bestehen bleiben.

Impulse für die künftige Personalentwicklung

Die vorliegenden Zahlen legen nahe, dass die bloße Existenz eines Fachkräftemangels nicht automatisch eine Lohnsteigerung induziert, die über das Marktniveau hinausgeht. Für eine nachhaltige Gewinnung von Personal scheint eine Anpassung der Rahmenbedingungen unerlässlich.

Neben einer attraktiven Vergütung gewinnen weiche Faktoren und strukturelle Aufstiegschancen an Bedeutung, um die Attraktivität von Berufen mit hoher Nachfrage langfristig zu steigern und die bestehenden Lohnlücken zu schließen.

Kurz-Zusammenfassung

  • In 72 Prozent der baden-württembergischen Engpassberufe liegt das Gehalt unter dem Landesdurchschnitt.
  • Der Medianwert für Vollzeitbeschäftigte im Südwesten beträgt 4.124 Euro brutto.
  • Große Gehaltssprünge zeigen sich vor allem in akademischen Berufen wie IT und Medizin.
  • Sektoren wie Reinigung, Gastronomie und Landwirtschaft bilden das untere Ende der Einkommensskala.
  • Der unbereinigte »Gender Pay Gap« im Land beträgt weiterhin 17 Prozent.
  • Hoher Personalbedarf führt nicht zwangsläufig zu einer überdurchschnittlichen Entlohnung. 

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