Handlungsfähigkeit sichern: KI-Steuerung in der akademischen Lehre

Themenkreis Wissenschaft und Forschung (Symbolbild)

Managementaufgabe Künstliche Intelligenz: Strategische Orientierung für Hochschulen

Die Einbindung generativer KI-Systeme in Studium und Lehre verlangt von Hochschulen eine klare strategische Steuerung. Es geht nicht nur um neue Tools oder didaktische Experimente. Gefordert ist eine institutionelle Gesamtstrategie.

Ein Arbeitspapier des Hochschulforum Digitalisierung (HFD) ordnet den Umgang mit KI deshalb als zentrale Managementaufgabe ein. Auf Grundlage qualitativer Interviews zeigt die Analyse, wie Hochschulen in Phasen hoher Unsicherheit handlungsfähig bleiben und informelle Initiativen schrittweise in tragfähige Strukturen überführen. 

Anpassungsdruck durch generative Anwendungen

Seit generative KI-Werkzeuge breit verfügbar sind, stehen Hochschulen unter erheblichem Veränderungsdruck. Systeme zur Text-, Bild- und Datenanalyse greifen tief in akademische Kernprozesse ein. Sie verändern Lernformen, Prüfungsdesigns und Bewertungsmaßstäbe.

Damit berühren sie einen sensiblen Bereich: die Bestimmung eigenständiger wissenschaftlicher Leistung. Wenn KI Inhalte erzeugt oder analysiert, stellt sich neu die Frage, was als individuelle Leistung gilt und wie diese bewertet wird. Einzelne, fachbezogene Lösungen reichen hier nicht aus. Nötig ist eine abgestimmte Verbindung von technischer Infrastruktur, Qualifizierungsangeboten und strategischer Ausrichtung.

Organisationale Sinnbildung als Steuerungsprinzip

Hochschulen reagieren bislang mit unterschiedlichen Maßnahmen. Sie richten Arbeitsgruppen ein, formulieren Leitlinien oder bieten Weiterbildungen an. Gleichzeitig entstehen im Alltag vieler Lehrender und Studierender informelle Praktiken im Umgang mit KI.

Das Arbeitspapier »KI als Managementaufgabe der Hochschule. Den Umgang mit KI in sinnvolle Bahnen lenken« betont, diese dezentralen Aktivitäten müssten durch organisationale Sinnbildungsprozesse stabilisiert werden.

Dieses »Sensemaking« beschreibt die gemeinsame Entwicklung von Orientierung in einem dynamischen technologischen Umfeld. Gemeint ist ein kollektiver Verständigungsprozess darüber, welche Bedeutung KI für Lehre, Forschung und institutionelles Profil haben soll.

Heuristik für eine integrierte Steuerung

Um die langfristige Handlungsfähigkeit zu sichern, empfiehlt die Studie eine ganzheitliche Heuristik. Eine Heuristik dient als analytische Orientierungshilfe. Sie macht komplexe Zusammenhänge sichtbar und unterstützt strukturierte Entscheidungen unter Unsicherheit.

Ziel ist es, verschiedene Ebenen – von der konkreten Lehrpraxis bis zur strategischen Profilbildung – systematisch zu verknüpfen. Besonders wirksam erscheint ein kontinuierlicher Austausch zwischen Praxis und Leitungsebene. Erfahrungen aus Seminaren und Prüfungen sollten direkt in Infrastrukturplanung und Strategieentwicklung einfließen.

So lassen sich strukturelle Grenzen erkennen und gezielt Steuerungsoptionen nutzen. Auf diese Weise kann KI nicht nur reaktiv reguliert, sondern aktiv in eine nachhaltige institutionelle Entwicklung eingebettet werden.

Bibliographie
Tobor, Jens: KI als Managementaufgabe der Hochschulen. Den Umgang mit KI "in sensitive Bahnen lenken" - eine Heuristik zur Sinnbildung und organisationalen Verankerung in Studium und Lehre, 2026. Berlin, Hochschulforum Digitalisierung, Arbeitspapier Nr. 92, 79 Seiten 


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