Promotionen im Fächercheck: Naturwissenschaften behaupten Spitzenpositionen

Themenkreis Wissenschaft und Forschung (Symbolbild)

Beständigkeit im höchsten akademischen Grad: Promotionsgeschehen in Deutschland 2022 bis 2024

Die Anzahl der jährlichen Promotionen an deutschen Hochschulen verharrt trotz eines massiven Anstiegs bei den Studienanfängen seit der Jahrtausendwende auf einem weitgehend stabilen Niveau.

Zwischen 24.000 und 29.000 Abschlüsse werden pro Jahr verzeichnet, wobei das Fach Medizin mit durchschnittlich über 7.300 Promotionen jährlich die quantitative Spitze bildet.

In der Relation zum Master- oder Staatsexamensniveau zeigt sich jedoch die Chemie mit einer Quote von 80 Prozent als das promotionsstärkste Fach.

Stagnation trotz steigender Studierendenzahlen

Obwohl die Zahl der Erstsemester insbesondere bis zum Jahr 2011 um knapp 200.000 Personen zunahm und seither auf diesem hohen Level verblieb, spiegelte sich diese Entwicklung nicht proportional in den Promotionszahlen wider. Fachleute vermuten hier einen »Deckeneffekt«. Dieser Begriff beschreibt eine Begrenzung durch verfügbare Ressourcen wie Finanzierungsmöglichkeiten, Stipendien oder Projektstellen, die nicht im gleichen Maße wie die Studierendenzahlen gewachsen sind. Zudem wird auf die lange Gesamtdauer von Studium und Promotion verwiesen.

Angesichts eines Durchschnittsalters von 31 Jahren bei Abschluss und steigender Zahlen aktuell eingeschriebener Promovierender – Ende 2024 waren dies rund 212.400 Personen – könnte ein zeitlich versetzter Anstieg der Absolventenzahlen noch bevorstehen.

Disziplinspezifische Unterschiede und Geschlechterverteilung

Über die Hälfte des gesamten Promotionsaufkommens konzentriert sich auf die fünf Disziplinen Medizin, Biologie, Chemie, Physik und Maschinenbau. Während die Medizin absolut führt, dominieren die Naturwissenschaften bei der Betrachtung der Promotionsquote. In der Chemie promovieren acht von zehn Masterabsolventinnen und -absolventen. Die Biologie und Medizin folgen mit jeweils 71 Prozent. In den Ingenieurwissenschaften liegt die Quote hingegen bei etwa 21 bis 24 Prozent.

Hinsichtlich der Geschlechterverteilung zeigt sich ein differenziertes Bild: Über alle Fächer hinweg beträgt der Frauenanteil an den Promovierenden knapp die Hälfte. In den Ingenieurwissenschaften sind jedoch drei Viertel der Promovierenden männlich, während in der Kunst und Kunstwissenschaft Frauen einen Anteil von 67 Prozent stellen.

Strukturwandel und bildungspolitische Einordnung

Die Promotion dient nicht nur als Nachweis der Befähigung zu eigenständiger wissenschaftlicher Arbeit, sondern fungiert auch als Indikator für die Forschungsaktivität einzelner Standorte.

Ein bedeutender Trend im Bereich der Bildungspolitik ist die Ausweitung des Promotionsrechts. Inzwischen ermöglichen drei Viertel der Bundesländer auch Promotionen an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW), was die strukturelle Vielfalt des deutschen Wissenschaftssystems erhöht und neue Qualifizierungswege eröffnet.

Hintergrund
Der DatenCHECK untersucht die Anzahl der Promotionen in Deutschland 2022-2024 in den verschiedenen Fächern an Universitäten, basierend auf den Angaben des Statistischen Bundesamtes. Cort-Denis Hachmeister ist Autor des DatenCHECKs 2/2026 »Promotionen an deutschen Hochschulen 2022 bis 2024«.


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