PIAAC 2023: Ergebnisse für Deutschland und im internationalen Vergleich

PIAAC

Bildung und soziale Faktoren prägen Grundkompetenzen

Die OECD hat am 10. Dezember 2024 die Ergebnisse der Studie PIAAC 2023 veröffentlicht, welche die Grundkompetenzen Erwachsener in den Bereichen Lesen, Mathematik und adaptives Problemlösen untersucht. Deutschland liegt in allen getesteten Bereichen über dem OECD-Durchschnitt.

Deutsche Ergebnisse im internationalen Vergleich

In der Lesekompetenz erreichten deutsche Erwachsene durchschnittlich 266 Punkte, der OECD-Durchschnitt lag bei 259 Punkten. In der mathematischen Grundbildung erreichten sie 273 Punkte gegenüber einem OECD-Durchschnitt von 266 Punkten. Beim adaptiven Problemlösen erreichten sie 261 Punkte gegenüber 252 Punkten im OECD-Durchschnitt.

Defizite trotz guter Platzierung

Trotz dieser überdurchschnittlichen Ergebnisse weist die Studie auch auf Schwächen hin: 22 Prozent der deutschen Erwachsenen erreichen im Lesen nur die niedrigste Kompetenzstufe, während 14 Prozent die höchste Kompetenzstufe erreichen. Ähnliche Unterschiede zeigen sich in Mathematik und beim Problemlösen.

Alters- und Generationenunterschiede

Jüngere Erwachsene zwischen 16 und 24 Jahren schneiden deutlich besser ab als die Altersgruppe der 55- bis 65-Jährigen. Der Unterschied in der Lesekompetenz beträgt 20 Punkte. Darüber hinaus schneiden junge Erwachsene im Jahr 2023 besser ab als ihre Altersgenossen im Jahr 2012, während ältere Generationen einen Leistungsrückgang verzeichnen.

Einfluss von Bildung, Geschlecht und Migrationshintergrund

Das Bildungsniveau spielt eine entscheidende Rolle: Absolvent*innen des Tertiärbereichs erzielen in der Lesekompetenz durchschnittlich 36 Punkte mehr als Personen mit einem Abschluss der Sekundarstufe II. Männer schneiden in Mathematik um 13 Punkte besser ab als Frauen, während Frauen im Lesen um 4 Punkte besser abschneiden.

Erwachsene mit Migrationshintergrund weisen geringere Kompetenzen auf; nach Berücksichtigung soziodemografischer Faktoren reduziert sich der Unterschied in der Lesekompetenz von 75 auf 37 Punkte.

Zusammenhang von Kompetenzen und Arbeitsmarkt

Höhere Kompetenzen verbessern die Beschäftigungschancen signifikant: Erwachsene mit hohen mathematischen Kompetenzen haben eine um 5 Prozent höhere Erwerbsbeteiligung. Zudem sinkt das Arbeitslosigkeitsrisiko und die Löhne steigen im Durchschnitt um 14 Prozent.

Allerdings gibt es Diskrepanzen zwischen Kompetenzen und Arbeitsplatzanforderungen: 28 Prozent der Beschäftigten in Deutschland sind überqualifiziert, 7 Prozent unterqualifiziert. Bei 33 Prozent der Befragten besteht eine Diskrepanz zwischen der Fachrichtung ihrer Ausbildung und ihrer aktuellen Tätigkeit.

Gesellschaftliche Auswirkungen von Kompetenzen

Kompetenzen beeinflussen auch das individuelle Wohlbefinden und das bürgerschaftliche Engagement. Erwachsene mit hohen Kompetenzen geben häufiger eine hohe Lebenszufriedenheit, einen guten Gesundheitszustand und freiwilliges Engagement an.


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