Weiterbildung in Baden-Württemberg: Trotz Rückgang über Bundesdurchschnitt

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Ergebnisse des IAW Berichts »Betriebliche Fort- und Weiterbildung in Baden-Württemberg 2024«

Weiterbildung bleibt überdurchschnittlich stark

Die betriebliche Weiterbildungsaktivität in Baden-Württemberg ging im ersten Halbjahr 2024 gegenüber dem Vorjahr zurück, liegt aber weiterhin klar über dem Bundesdurchschnitt. 51 Prozent der Unternehmen förderten Fort- und Weiterbildung, bundesweit waren es 44 Prozent. Nach dem kräftigen Anstieg 2023 auf 56 Prozent ist damit eine moderate Normalisierung zu beobachten.

Auch Weiterbildungsquote und -intensität sanken leicht, signalisieren langfristig jedoch einen seit 2001 wachsenden Qualifizierungsbedarf. Analysen auf Basis des IAB-Betriebspanels Baden-Württemberg zeigen, dass Unternehmen Weiterbildung weiterhin als zentralen Faktor für Beschäftigungsfähigkeit und Arbeitgeberattraktivität bewerten.

Branchen und Betriebsgrößen: Ungleiche Verteilung

Große Unternehmen ab 250 Beschäftigten fördern Weiterbildung nahezu flächendeckend mit Quoten zwischen 94 und 97 Prozent. In Kleinstbetrieben mit bis zu 19 Beschäftigten liegt der Anteil mit 47 Prozent deutlich niedriger. Branchenübergreifend weisen das Gesundheits- und Sozialwesen mit 78 Prozent sowie der Öffentliche Dienst mit 74 Prozent die höchsten Anteile weiterbildender Betriebe auf.

Die Weiterbildungsquote lag 2024 in Baden-Württemberg bei 30,1 Prozent und damit über dem Bundesdurchschnitt von 27,0 Prozent. Besonders hohe Quoten verzeichneten erneut das Gesundheits- und Sozialwesen sowie der Öffentliche Dienst, während Handel und Teile des Verarbeitenden Gewerbes unterdurchschnittlich blieben.

Formen der Weiterbildung: Digitales Lernen gewinnt

Externe Kurse, Lehrgänge und Seminare dominieren weiterhin mit 88 Prozent. Weiterbildungen am Arbeitsplatz (70 Prozent) sowie die Teilnahme an Vorträgen, Fachtagungen und Messen (67 Prozent) spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.

Stark zugenommen hat das selbstgesteuerte Lernen mit Medien: Der Anteil stieg von 18 Prozent im Jahr 2019 auf 46 Prozent im Jahr 2024. In Großbetrieben sind nahezu alle Formate verbreitet, während kleinere Unternehmen stärker auf externe und arbeitsplatznahe Angebote setzen.

Teilnahme hängt stark von Qualifikation und Geschlecht ab

Geringqualifizierte nehmen weiterhin deutlich seltener an Weiterbildung teil. Ihr Anteil an den Teilnehmenden lag 2024 bei 13 Prozent, obwohl sie 23 Prozent der Belegschaften in weiterbildenden Betrieben stellen. Die qualifikationsspezifische Weiterbildungsquote betrug für Geringqualifizierte 16 Prozent, für beruflich Qualifizierte und Hochqualifizierte jeweils 37 Prozent.

Frauen beteiligen sich seit Jahren stärker an betrieblicher Weiterbildung als Männer. 2024 lag ihre Weiterbildungsquote bei 32 Prozent, gegenüber 29 Prozent bei Männern. Frauen stellten die Hälfte der Teilnehmenden und waren damit leicht überrepräsentiert, insbesondere in Branchen wie dem Gesundheits- und Sozialwesen.

Betriebliche Rahmenbedingungen entscheidend

Ökonometrische Analysen zeigen keinen signifikanten Zusammenhang zwischen akutem Fachkräftemangel und Weiterbildungsaktivität. Positiv wirken hingegen Tarifbindung, Betriebsräte, ein höherer Frauenanteil, Innovationsaktivitäten, neue technische Anlagen sowie Ausbildungstätigkeit und Investitionen.

Negativ korrelieren ein hoher Anteil einfacher Tätigkeiten und die Eigenständigkeit von Betrieben, da Einzelunternehmen seltener Weiterbildung fördern als Mehrbetriebsunternehmen.


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