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Studienkredite: Zahl der Neuverträge wieder auf Vor-Corona-Niveau gesunken

Stipendium (Symbolbild)Quelle: Adobe Stock

Zahl der neu abgeschlossenen Studienkredite in 2021 im Vergleich zum Vorjahr in Deutschland deutlich gesunken

Zeitweilig war der KfW-Studienkredit als Corona-Nothilfe für internationale Studierende geöffnet worden. Nach dem Ende dieser Ausnahmeregelung fiel die Zahl der Neuverträge im Vergleich zum Vorjahr um 37 Prozent.

Dies zeigt die jährliche Auswertung im Rahmen des CHE Studienkredit-Tests 2022.

Rund 76.000 Studierende in Deutschland erhalten aktuell Geld aus einem Studienkredit oder Bildungsfonds. Insgesamt werden monatlich rund 41 Millionen an Studierende ausgezahlt, durchschnittlich 532 Euro pro Kopf.

Während zwischen 2014 und 2019 die Zahl der Neuverträge kontinuierlich gesunken war, stieg sie 2020 sprunghaft um 60 Prozentpunkte auf über 52.000 Neukund*innen an. Gründe waren die geänderten Vertragsmodalitäten des staatlichen Angebotes, die im Zuge der Corona-Nothilfe der Bundesregierung im Sommer 2020 eingeführt wurden. Hierzu gehörte u.a., dass der KfW-Studienkredit befristet zinsfrei gestellt wurde und auch von Ausländer*innen in Anspruch genommen werden konnte.

»Der Corona-Effekt beim KfW-Studienkredit, den die damalige Bundesbildungsministerin Anja Karliczek initiiert hatte, war nicht mehr als ein Strohfeuer«, bilanziert Ulrich Müller. »Nach dem Auslaufen der Sonderkonditionen für internationale Studierende fiel die Nachfrage nach Studienkrediten prompt wieder auf Vor-Corona-Niveau«, so der Leiter politische Analysen beim CHE Centrum für Hochschulentwicklung. Insgesamt sank die Zahl der Neuverträge 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 37 Prozent auf rund 33.000.

Neben dem KfW-Studienkredit verliert das zweite staatliche Angebot, der Bildungskredit des Bundesverwaltungsamtes, weiter massiv an Bedeutung. Hier fiel die Zahl der neu abgeschlossenen Kreditverträge von 2010 bis 2021 von 20.000 auf aktuell unter 6.000.

»Beide staatlichen Angebote, die immerhin mehr als 90 Prozent aller aktuellen Studienkreditangebote in Deutschland ausmachen, bieten keine optimalen Bedingungen und werden immer seltener nachgefragt. Ein grundlegender Neustart der Studienfinanzierung in Deutschland ist überfällig – dabei müssen die staatlichen Kreditangebote unbedingt mit einer Reform des BAföG zusammengedacht werden«
Ulrich Müller, Experte für Studienfinanzierung beim CHE

Aktuell befinden sich rund 190.000 Kreditnehmer*innen in der Rückzahlungsphase ihres Studienkredits – mit zum Teil steigender Schuldenlast. Denn die jährliche Anbieter-Befragung durch das CHE zeigt steigende Zinssätze bei der Rückzahlung in den Bedingungen vieler Anbieter.

Absolvent*innen, die aufgrund der Inflation und der Preiserhöhungen insbesondere bei ihren Energiekosten fürchten, die Raten ihres Studienkredits nicht mehr stemmen zu können, rät CHE Finanzexperte Müller, rechtzeitig den Kontakt mit ihren Kreditanbietern zu suchen und ggf. eine Anpassung oder eine kurzzeitige Aussetzung der Raten zu vereinbaren.

Neu im Markt der Anbieter ist das Startup Lendorse, das u.a. gezielt Kredite für Nicht-EU-Studierende anbietet. Dieser Gruppe war bisher die Möglichkeit eines Studienkredits in Deutschland verwehrt.

Unter den 53 untersuchten Studienkrediten, Studiendarlehen und Bildungsfonds im diesjährigen CHE Studienkredit-Test 2022 erreichten viele Spitzenergebnisse in mehreren der fünf Bewertungskategorien (Zugang, Kapazität, Kosten, Risikobegrenzung und Flexibilität).

 

Hintergrund 
Der CHE-Studienkredit-Test 2022 entstand in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt und erscheint in diesem Jahr in seiner 17. Auflage. Er bewertet anhand von 21 Einzelkriterien Vor- und Nachteile von 53 aktuell verfügbaren Studienkreditangeboten. Datenbasis sind Selbstauskünfte der Anbieter. Mit seinen zahlreichen Detailinformationen bietet er eine transparente Marktübersicht für Studierende und Studieninteressierte. Zusätzlich kann man anhand von Tabellen eine eigene Bedarfskalkulation erstellen.

 

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