CHECK Studienfinanzierung 2026: Der schleichende Abschied vom staatlichen Fördersystem
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Krise der staatlichen Studienunterstützung: Nur jede siebte Person nutzt öffentliche Fördermittel
Staatliche Instrumente zur Studienfinanzierung verlieren in Deutschland massiv an Bedeutung. Wie die eine CHE-Auswertung (»CHECK Studienfinanzierung 2026«) belegt, nehmen derzeit nur noch 15,1 Prozent der Studierenden Leistungen wie BAföG, staatliche Stipendien oder Studienkredite in Anspruch.
Damit ist die Quote im Vergleich zum Vorjahr erneut um 1,7 Prozentpunkte gesunken. Die große Mehrheit von rund 85 Prozent der Studierenden ist somit auf private Quellen wie die Unterstützung durch Eltern, eigene Erwerbstätigkeit oder Ersparnisse angewiesen.
Struktureller Bedeutungsverlust des BAföG
Das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) bleibt zwar das wichtigste staatliche Instrument, erreicht jedoch einen historischen Tiefpunkt in seiner Reichweite. Trotz punktueller Reformen liegt die Förderquote in vielen Bundesländern im einstelligen Bereich.
Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend in Thüringen, wo etwa neun von zehn Studierenden ihre akademische Ausbildung ohne staatliche Hilfe finanzieren. Experten des CHE führen dies auf eine unzureichende Anpassung der Bedarfssätze und Einkommensfreibeträge an die Inflationsentwicklung sowie auf eine mangelnde Flexibilität des Systems gegenüber modernen Studienformen wie dem Teilzeitstudium zurück.
Kollaps des Studienkreditmarktes und regionale Disparitäten
Parallel dazu ist die Nachfrage nach Studienkrediten auf einen absoluten Tiefststand gesunken. Im Jahr 2024 wurden bundesweit lediglich 16.564 Neuverträge abgeschlossen. Als Hauptursache gelten die drastisch gestiegenen Zinssätze, die insbesondere beim KfW-Studienkredit zeitweise die Marke von 9 Prozent überschritten. Diese Entwicklung führt dazu, dass Kredite als Finanzierungsweg für viele Studierende aufgrund des hohen Verschuldungsrisikos unattraktiv geworden sind.
Zudem offenbart die Untersuchung erhebliche regionale Unterschiede. Während in Sachsen vergleichsweise hohe Förderquoten verzeichnet werden, markieren Bundesländer wie das Saarland oder Hamburg das untere Ende der Skala. Diese Disparitäten verdeutlichen, dass der Zugang zu Bildung zunehmend von der individuellen Herkunft und dem Wohnort abhängt, was die soziale Selektivität im Hochschulsystem verstärkt.
Forderungen nach einer grundlegenden Systemreform
Angesichts dieser Befunde sieht das CHE dringenden Handlungsbedarf für die Bildungspolitik. Das aktuelle System der Studienfinanzierung wird als nicht mehr zeitgemäß eingestuft.
Gefordert wird eine grundlegende Reform und Bündelung der Förderangebote, um die finanzielle Hürde für ein Studium dauerhaft zu senken. Insbesondere eine Automatisierung der Bedarfsanpassung sowie die Einbeziehung privater Hochschulen und flexiblerer Studienmodelle werden als notwendige Schritte angeführt, um die staatliche Unterstützung wieder zu einem verlässlichen Pfeiler der Chancengerechtigkeit zu machen.
Hintergrund
Der vorliegende CHECK Studienfinanzierung bietet einen schnellen Überblick über die verschiedenen Fördermittel und deren faktische Bedeutung für die Studienfinanzierung in Deutschland und einzelne Bundesländer. Die Publikation verdeutlicht die Auswirkung für Studierende und zeigt alternative Finanzierungsmodelle auf. Für den aktuellen CHECK wurden die aktuellen Daten in Deutschland aus dem Jahr 2024 aus verschiedenen Quellen zusammengestellt.
Autor der Publikation »CHECK – Studienfinanzierung in Deutschland – Update 2026« ist Ulrich Müller.
VERWEISE
- CHECK - Studienfinanzierung in Deutschland - Update Januar 2026 ...
- vgl.: »CHECK Studienfinanzierung 2024: Nur jede*r sechste Studierende mit staatlicher Unterstützung« ...
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