Gender Pay Gap 2025: Stagnation auf hohem Niveau

Themenkreis Frauen in Beruf und Karriere (Symbolbild)

Teilzeitfalle und Stundenlohn: Die Treiber der geschlechtsspezifischen Verdienstlücke

Der Gender Pay Gap in Deutschland verharrt auf einem stabilen Niveau. Wie aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes anlässlich des »Equal Pay Day« am 27. Februar 2026 belegen, lag der »Gender Gap Arbeitsmarkt« im Jahr 2025 unverändert bei 37 Prozent.

Dieser Indikator bildet die erweiterte Verdienstungleichheit ab, indem er neben den Lohnunterschieden pro Stunde auch Differenzen in der Arbeitszeit sowie der allgemeinen Erwerbsbeteiligung zwischen Frauen und Männern zusammenfasst.

Nachdem im Vorjahr noch ein Rückgang verzeichnet wurde, deutet der aktuelle Wert auf eine Phase der Stagnation hin.

Zusammensetzung und Ursachen der Differenz

Die kumulierte Ungleichheit ergibt sich aus drei zentralen Faktoren. Der unbereinigte »Gender Pay Gap«, welcher den reinen Bruttostundenverdienst vergleicht, betrug im Berichtsjahr 16 Prozent. Ein Großteil dieser Differenz lässt sich durch strukturelle Merkmale erklären, während der bereinigte Wert – also der Unterschied bei vergleichbarer Tätigkeit und Qualifikation – bei 6 Prozent liegt.

Einen wesentlichen Einfluss übt zudem der »Gender Hours Gap« aus. Frauen leisten im Durchschnitt 18 Prozent weniger bezahlte Arbeitsstunden als Männer, was primär auf eine höhere Teilzeitquote zurückzuführen ist. Während Männer durchschnittlich 34 Stunden pro Woche erwerbstätig sind, beläuft sich die Arbeitszeit bei Frauen auf knapp 28 Stunden.

Zusätzlich beeinflusst der »Gender Employment Gap« das Gesamtergebnis. Dieser beschreibt die Differenz in der Erwerbsbeteiligung. Im Jahr 2024 gingen 74 Prozent der Frauen einer bezahlten Arbeit nach, gegenüber 81 Prozent der Männer. Trotz der allgemeinen Stagnation verringerte sich dieser spezifische Abstand im Vergleich zum Vorjahr um einen Prozentpunkt auf nunmehr 8 Prozent.

Regionale Disparitäten und strukturelle Hintergründe

Innerhalb Deutschlands zeigt sich weiterhin ein deutliches Gefälle zwischen den Bundesländern. In Ostdeutschland fällt die erweiterte Verdienstungleichheit mit 22 Prozent signifikant geringer aus als in den westlichen Bundesländern, wo der Wert 39 Prozent erreicht. Die niedrigsten Differenzen wurden in Mecklenburg-Vorpommern mit 17 Prozent registriert, während Baden-Württemberg und Bayern mit jeweils 41 Prozent die höchsten Werte aufweisen.

Diese regionalen Unterschiede sind primär strukturell und historisch begründet. In den östlichen Bundesländern ist die Erwerbsbeteiligung von Frauen traditionell höher und der Anteil an Vollzeitbeschäftigung ausgeprägter. Dies führt dazu, dass sowohl die Lohnlücke als auch die Unterschiede in der Arbeitszeit dort geringer ausfallen. Der »Gender Gap Arbeitsmarkt« dient somit als umfassendes Instrument, um die komplexen Ursachen von Verdienstunterschieden im Zeitverlauf und im regionalen Vergleich transparent zu machen und bildungspolitische sowie gesellschaftliche Handlungsfelder aufzuzeigen.

Zur Methodik
Der unbereinigte und der bereinigte Gender Pay Gap haben eine unterschiedliche Aussagekraft. Der unbereinigte Wert stellt die durchschnittlichen Bruttostundenverdienste von Frauen und Männern ohne Anpassungen gegenüber. Damit spiegelt er auch strukturelle Unterschiede und Zugangshürden von Frauen auf dem Arbeitsmarkt wieder.

Beim bereinigten Gender Pay Gap können die verschiedenen Ursachen für die unterschiedlichen Verdienste herausgestellt werden.

Untersuchungen der ursächlichen Faktoren des Gender Pay Gap sind seit 2022 jährlich auf Basis der Verdiensterhebung möglich. Bis zum Berichtsjahr 2021 wurden Ergebnisse zum Gender Pay Gap basierend auf der vierjährlichen Verdienststrukturerhebung berechnet, die letztmalig für das Berichtsjahr 2018 durchgeführt und anschließend fortgeschrieben wurde.

Ab dem Berichtsjahr 2022 wurde die vierjährliche Verdienststrukturerhebung durch die monatliche Verdiensterhebung abgelöst. Zwischen den Berichtsjahren 2021 und 2022 ist daher ein Zeitreihenbruch entstanden.


Ähnliche Themen in dieser Kategorie

08.03.2026

Die Rolle der Betriebe bei der geschlechtsspezifischen Entlohnung Die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern werden zu etwa einem Drittel durch die spezifische Vergütungspraxis von Unternehmen beeinflusst. Eine internationale Datenanalyse für den Zeitraum von 2010 bis …

24.02.2026

Zwischen Fortschritt und Stillstand: Der Gender Pay Gap im Regionalvergleich Vollzeitbeschäftigte Frauen in Deutschland verdienten im Jahr 2024 durchschnittlich 17,2 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen in identischer Beschäftigungsform. Obwohl die bundesweite …

16.12.2025

Unbereinigte Lohnlücke bleibt konstant: Frauen verdienen 16 Prozent weniger als Männer Der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen in Deutschland lag im Jahr 2025 um 16 Prozent unter dem von Männern. Dies teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) mit. …

05.11.2025

IAB-Studie: Frauen fehlt Einblick in Gehaltsstrukturen Frauen wissen seltener als Männer, was ihre Kolleginnen verdienen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Damit verstetigt sich ein Muster, das für die Gleichstellung …

.
Oft gelesen...
TIPP