Arbeitsplatzsicherheit in Deutschland: Zuversicht trotz wirtschaftlicher Schwäche

Deutsche Erwerbstätige zwischen Arbeitsplatzsicherheit, fairer Bezahlung und dem Einsatz von künstlicher Intelligenz
In kaum einem anderen Land weltweit empfinden Erwerbstätige ihre Arbeitsplätze als so sicher wie in Deutschland.
Laut einer PwC-Studie, die unter dem Titel »Hopes and Fears« veröffentlicht wurde, sind 73 Prozent der Beschäftigten hierzulande überzeugt, dass ihr Job in den nächsten zwölf Monaten sicher ist.
Im internationalen Vergleich belegt Deutschland damit einen der Spitzenplätze und liegt knapp hinter Katar (74 Prozent) und vor China (72 Prozent).
Öffentlicher Dienst und Gesundheitswesen besonders sicher
Besonders sicher fühlen sich die Beschäftigten im öffentlichen Dienst (82 Prozent) und im Gesundheitswesen (79 Prozent). Deutlich weniger sicher fühlen sich Arbeitnehmer in der Energie-, Versorgungs- und Ressourcenbranche, wo nur 65 Prozent ihre Arbeitsplätze als sicher einschätzen.
Arbeitszufriedenheit im Mittelfeld
Die Studie, für die 56.600 Arbeitnehmer in 50 Ländern weltweit – darunter 2.050 in Deutschland – befragt wurden, zeigt auch, dass Erwerbstätige in Deutschland im Großen und Ganzen mit ihrer Arbeit zufrieden sind. Sechs von zehn Beschäftigten geben an, glücklich beschäftigt zu sein. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei der Arbeitszufriedenheit im Mittelfeld.
Gehalt und Work-Life-Balance als zentrale Anliegen
Beim Thema Jobanforderungen steht für die deutschen Erwerbstätigen das Gehalt an erster Stelle. 87 Prozent halten diesen Aspekt für wichtig, allerdings fühlen sich nur 71 Prozent fair bezahlt. 52 Prozent der Befragten wünschen sich eine Vergütung, die ihre Leistung stärker widerspiegelt.
Eine bessere Work-Life-Balance steht für 41 Prozent der Beschäftigten im Vordergrund. Zudem planen 42 Prozent, in den nächsten zwölf Monaten eine Gehaltserhöhung anzusprechen, während 27 Prozent einen Jobwechsel in Betracht ziehen.
Homeoffice und Flexibilität
Die räumliche und zeitliche Flexibilität ist für 65 Prozent der Befragten von großer Bedeutung. Fast die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer (48 Prozent) kann inzwischen von zu Hause oder unterwegs arbeiten. Besonders verbreitet ist Homeoffice in der Technologie-, Medien- und Telekommunikationsbranche (78 Prozent). Im Gesundheitswesen hingegen liegt der Anteil bei lediglich 24 Prozent. Die meisten, die remote arbeiten können, nutzen eine Mischung aus Präsenz- und Remote-Arbeit (60 Prozent). Vollständig remote arbeiten 26 Prozent, wobei der Anteil in der Generation Z mit 34 Prozent höher ist.
Technologische Anpassung und KI-Nutzung
Auch der technologische Wandel beeinflusst die Arbeitswelt stark. 37 Prozent der Beschäftigten mussten neue Tools oder Technologien erlernen. Die Bereitschaft zur Anpassung ist hoch: 78 Prozent sind offen für neue Arbeitsweisen. 22 Prozent der Befragten nutzen mindestens einmal pro Woche generative KI-Tools wie ChatGPT oder DALL-E.
Besonders in der Technologie-, Medien- und Telekommunikationsbranche ist dies weit verbreitet (41 Prozent). Im internationalen Vergleich ist die Nutzung solcher Tools in Deutschland jedoch noch weniger verbreitet. Diejenigen, die KI nutzen, erhoffen sich vor allem Effizienzgewinne (63 Prozent) und eine geringere Arbeitsbelastung (57 Prozent).
Barrieren bei der KI-Nutzung
Viele nutzen KI-Tools noch nicht, weil ihnen die Anwendungsmöglichkeiten fehlen (32 Prozent) oder sie nicht wissen, wie sie diese einsetzen sollen (15 Prozent). In einigen Fällen (11 Prozent) verbietet der Arbeitgeber sogar den Einsatz solcher Technologien.
Hintergrund
Die internationale Studie »Hopes and Fears« basiert auf einer Online-Befragung von 56.600 Erwerbstätigen aus 50 Ländern weltweit. In Deutschland wurden 2.050 Erwerbstätige befragt. Die Umfrage wurde im März 2024 durchgeführt.
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