Berufsausbildung fördert Wachstum und bereitet junge Menschen auf digitale Transformation vor

OECD6

Pressemitteilung der OECD zur Ausgabe des Berichts »Bildung auf einen Blick 2023«

Die Förderung des Zugangs zu beruflicher Ausbildung ist für die wirtschaftliche Entwicklung und das Wachstum unerlässlich

Eine gute Berufsausbildung trägt wesentlich dazu bei, dass junge Menschen die nötigen Kompetenzen zur Deckung des steigenden Fachkräftebedarfs besitzen, sich an die tiefgreifenden Veränderungen der ökologischen und digitalen Transformation anpassen können und die damit verbundenen Chancen nutzen.

Laut der neuen OECD-Studie Bildung auf einen Blick 2023 absolvieren 44 Prozent aller Schüler:innen des Sekundarbereichs II OECD-weit eine berufliche Ausbildung. Trotz dieses hohen Anteils werden Berufsbildungsgänge in vielen Ländern noch immer zu Unrecht als Notlösung angesehen.

Die Berufsausbildung kann dazu beitragen, den Übergang von der Schule zum Erwerbsleben zu erleichtern und die Lernergebnisse zu verbessern, indem Kompetenzen vermittelt werden, die sich am besten am Arbeitsplatz erwerben lassen, so die Studie. Vor diesem Hintergrund gilt es vor allem, die Wirtschaft stärker einzubinden, denn derzeit erhält mehr als die Hälfte aller Teilnehmer:innen an beruflichen Bildungsgängen des Sekundarbereichs II im OECD-Mittel keinerlei Ausbildung am Arbeitsplatz.

»Der Zugang zu hochwertiger allgemeinbildender oder auch beruflicher Bildung trägt dazu bei, das Versprechen leistungsorientierter sozialer Mobilität und der Chancengleichheit in demokratischen Ländern einzulösen«, erklärte OECD-Generalsekretär Mathias Cormann. »Wir müssen sicherstellen, dass junge Menschen in allen Ländern der Welt die passenden Möglichkeiten erhalten, an Wirtschaftsentwicklung und -wachstum teilzuhaben und davon zu profitieren.«

Eine Verbesserung der Durchlässigkeit zwischen der beruflichen Bildung und anderen Bildungsbereichen ist ebenso wichtig. Im Durchschnitt der OECD-Länder ist ein Viertel der Auszubildenden in Berufsbildungsgängen des Sekundarbereichs II eingeschrieben, die keinen direkten Zugang zur Tertiärbildung bieten. Berufliche Bildungsprogramme müssen die notwendigen Qualifikationen für die anschließende Aufnahme eines Hochschulstudiums vermitteln. Zugleich müssen mehr tertiäre Bildungsgänge eingerichtet werden, die auf den Kompetenzen der Absolvent:innen berufsbildender Bildungsgänge aufbauen.

In diesem Kontext sind die Qualität und der Zeitpunkt einer Bildungs- und Berufsberatung ein ganz entscheidender Faktor: Junge Menschen müssen frühzeitiger und effektiver beraten werden, damit sie bereits früh dazu ermutigt werden, sich mit einer größeren Bandbreite an Beschäftigungsmöglichkeiten auseinanderzusetzen. Schüler:innen sollten auch die Möglichkeit erhalten, Betriebe zu besuchen und mit Arbeitnehmer:innen in verschiedenen Bereichen zu sprechen, bevor sie eine endgültige Entscheidung treffen müssen.

In der diesjährigen Ausgabe von Bildung auf einen Blick werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie die Rolle von Bildungssystemen gestärkt werden kann, um junge Menschen mit dem nötigen Rüstzeug für eine erfolgreiche Karriere auszustatten und leistungsorientierte Chancengleichheit zu gewährleisten. Die Zahl der jungen Erwachsenen (25 bis 34 Jahre) mit einem Abschluss im Sekundarbereich II ist im OECD-Raum zwischen 2015 und 2022 von 82 Prozent auf 86 Prozent gestiegen. In einigen Ländern, wie Mexiko, Portugal und Türkiye, legte ihr Anteil um mehr als 10 Prozentpunkte zu.

Gleichzeitig ist aber zu beobachten, dass junge Menschen mit ungünstigem sozioökonomischem Hintergrund nach wie vor in Rückstand geraten. Bildungssysteme müssen sich zum Ziel setzen, Bildungslücken zu schließen und sowohl benachteiligte Schüler:innen als auch die Schulen besser zu unterstützen, damit mehr junge Menschen die Chance bekommen, eine produktive Berufslaufbahn mit guten Verdienstmöglichkeiten und Karriereaussichten einzuschlagen.

Ein starkes Bildungssystem braucht gut qualifizierte und motivierte Lehrkräfte, so die Studie. Zu viele Länder setzen weiterhin vor allem auf kleinere Klassen, obwohl es insbesondere angesichts des akuten Lehrkräftemangels in zahlreichen OECD-Ländern wichtiger wäre, stärker auf die Qualität des Lehrpersonals zu achten und die Attraktivität des Lehrerberufs zu steigern. Im Primarbereich liegen die Gehälter im Durchschnitt um 13 Prozent unter denen anderer Beschäftigter mit Tertiärbildung. Selbst bei Lehrkräften im Sekundarbereich II besteht noch eine Gehaltslücke von 5 Prozent.

Im OECD-Durchschnitt sind die gesetzlich festgelegten Gehälter der Lehrkräfte im Primar- und Sekundarbereich seit 2015 in realer Rechnung um weniger als 1 Prozent gestiegen und in nahezu der Hälfte der OECD-Länder, für die Daten zur Verfügung stehen, kam es sogar zu einem Rückgang. In Luxemburg sind die Reallöhne von Lehrkräften im Sekundarbereich II seit 2015 beispielsweise um 11 Prozent gefallen, in Ungarn betrug der Rückgang im selben Zeitraum 7 Prozent. Laut Studie dürfte sich die Situation in Anbetracht der Inflation der vergangenen zwölf Monate in vielen Ländern weiter zuspitzen.

Die Länder sollten die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten erweitern, den Verwaltungsaufwand für die Lehrkräfte reduzieren, das Image des Lehrerberufs verbessern und die Gehälter anheben, um hochwertige Lehrkräfte zu gewinnen.

Hintergrund
Die OECD ist ein globales Forum, das mit über 100 Ländern zusammenarbeitet. Sie tritt ein für eine Politik, die die individuellen Freiheiten wahrt und das wirtschaftliche und soziale Wohlergehen der Menschen weltweit fördert.

Bildung auf einen Blick bietet vergleichbare nationale Statistiken zur weltweiten Bildungssituation. Analysiert werden die Bildungssysteme der 38 OECD-Mitgliedsländer sowie von Argentinien, Brasilien, Bulgarien, China, Kroatien, Indien, Indonesien, Peru, Rumänien, Saudi-Arabien und Südafrika.


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