Neue Arbeitszeiten: Vorschläge werden heftig diskutiert

Die Vorschläge von Linken und Grünen zur Reduzierung der Wochenhöchstarbeitszeit und zur Einführung von Wahlarbeitszeiten stoßen bei Arbeitgeberverbänden auf deutliche Kritik. Das wurde in einer Öffentlichen Anhörung des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales am Montagnachmittag deutlich. Gegenstand der Anhörung war ein Antrag der Fraktion Die Linke, der unter anderem eine Reduzierung der wöchentlich zulässigen Arbeitszeit von 48 auf 40 Stunden fordert. Ebenfalls zur Diskussion stand ein Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, in dem sich die Fraktion unter anderem für einen Wahlarbeitszeitkorridor von 30 bis 40 Stunden ausspricht, in dessen Rahmen die Beschäftigten ihre Arbeitszeiten nach oben oder unten anpassen können.
Als »vollkommen falsch« bezeichnete der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) die These, dass das Arbeitszeitrecht derzeit einseitig an den Interessen der Arbeitgeber ausgerichtet sei. In seiner schriftlichen Stellungnahme bezeichnet der Verband die tägliche Höchstarbeitszeit von regelmäßig acht Stunden als »nicht mehr zeitgemäß« und plädiert dafür, eine wöchentliche Höchstarbeitszeit zu definieren. Diese jedoch auf 40 Stunden zu reduzieren, würde es den Unternehmen unmöglich machen, auf schwankenden Arbeitsanfall reagieren zu können.
Ähnlich argumentiert der Zentralverband des Deutschen Handwerks in seiner Stellungnahme. Dort heißt es, der Vorschlag der Linken würde bedeuten, dass an jedem Werktag nur noch 6,6 Stunden gearbeitet werden dürfte. Das entspreche weder der Realität noch den betrieblichen Notwendigkeiten. Nötig sei vielmehr, eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden zu etablieren, schreibt der Verband.
Die Gewerkschaften und auch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) äußerten sich dagegen zustimmend zu den Anträgen. So betont die ver.di-Bundesverwaltung in ihrer Stellungnahme, eine Reduzierung der wöchentlichen Höchstarbeitszeit sei eine angemessene Reaktion auf die zunehmende psychische und physische Belastung der Beschäftigten im Rahmen ihrer Erwerbsarbeit. Eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit könne außerdem zum Abbau von Arbeitslosigkeit beitragen und Entlassungen verhindern, so ver.di.
Die BAuA verweist in ihrer Stellungnahme darauf, dass die Arbeitszeitgestaltung eine zentrale Rolle für die Gesundheit und die Work-Life-Balance von Beschäftigten spiele. Insbesondere Arbeitszeiten, die ausreichende Erholung verhindern oder erschweren oder sozial wertvolle Zeiten (Wochenende, Abende) besetzen, sollten demnach vermieden werden, betont die BAuA.
VERWEISE
Ähnliche Themen in dieser Kategorie
Alltag und Erwerbsarbeit Der Übergang von der Betriebsversammlung zur Abholung der Kinder am frühen Nachmittag prägt den Alltag vieler Erwerbstätiger. Während in den Chefetagen die Debatte über den Fachkräftemangel läuft, organisieren Familien den Spagat zwischen Job und …
Arbeitszeitverkürzung durch Zeitumstellung für Millionen Nachtarbeiter*innen Die bevorstehende Umstellung auf die Sommerzeit am 29. März 2026 führt für Erwerbstätige in der Nachtschicht zu einer Reduzierung der Arbeitszeit um eine Stunde. Betroffen von dieser gesetzlichen …
Arbeitszeitumfang als entscheidender Faktor für das Armutsrisiko Trotz der Anpassung des gesetzlichen Mindestlohns auf 13,90 Euro bleibt der Niedriglohnsektor in Deutschland ein strukturelles Phänomen, das die soziale Absicherung vor große Herausforderungen stellt. Aktuelle …
Arbeitsmarkt in Deutschland 2025: Rekordniveau bei Teilzeitquote und Arbeitsstunden im Jahr 2025 Die zeitliche Beteiligung am Erwerbsleben in Deutschland unterliegt einem strukturellen Wandel. Wie die aktuelle Arbeitszeitrechnung des Instituts für Arbeitsmarkt- und …
