In der Diskussion: Berufsbildungsbericht 2023

Der Parlamentarische Staatssekretär im BMBF, Jens Brandenburg, legte gestern dem Bundestagsausschuss für Bildung, Forschung und Technologiefolgenabschätzung den Berufsbildungsbericht 2023 vor und betonte die zentrale Bedeutung von Aus- und Weiterbildung angesichts des Fachkräftemangels.
Er verwies auf das BMBF-Programm »Startchancen« und die erneuerte Allianz für Aus- und Weiterbildung. Trotz dieser Maßnahmen bleibt der Ausbildungsmarkt nach der Pandemie in einer Krisensituation.
Obwohl die Zahl der im Jahr 2022 abgeschlossenen Ausbildungsverträge einen leichten Anstieg von 0,4 Prozent auf 475.000 verzeichnete, blieb die Anzahl der Ausbildungsanfänger im Vergleich zum Vorjahr konstant, so Brandenburg. Acht Prozent der Bewerber blieben unversorgt. Parallel dazu stieg die Anzahl der nicht besetzten Ausbildungsplätze auf 68.900, was einem Anstieg von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr und fast 30 Prozent gegenüber 2019 entspricht.
Trotz der hohen Anzahl an unbesetzten Ausbildungsstellen gelang es nicht allen Interessierten, in das duale System einzusteigen. Die Regierung sei besonders besorgt über den seit Jahren ansteigenden Anteil der 20- bis 34-Jährigen ohne formalen Berufsabschluss. Derzeit sind 2,6 Millionen junge Erwachsene von dieser Situation betroffen.
Die SPD-Fraktion äußerte Besorgnis über die anhaltende Lücke auf dem Ausbildungsmarkt seit der Corona-Pandemie und den Anstieg der jungen Menschen ohne Ausbildung. Die Sozialdemokraten fordern ein Ausbildungssystem, das jeden Jugendlichen erreicht, und eine Ausbildungsgarantie für alle jungen Erwachsenen.
Die CDU/CSU-Fraktion betont die Notwendigkeit einer frühen Berufsorientierung und die Konzentration auf unterversorgte Regionen. Sie ist jedoch skeptisch gegenüber einer generellen Ausbildungsgarantie und möchte diese auf Bereiche mit regionalen Ausbildungsschwierigkeiten fokussieren.
Die Grünen-Bundestagsfraktion sieht einen klaren Handlungsauftrag für das BMBF, angesichts von 2,6 Millionen jungen Menschen im Alter zwischen 20 und 34 Jahren ohne Berufsabschluss. Sie fordern auch, die Eltern stärker in die Berufsorientierung einzubeziehen und diese bereits im Kindergarten zu beginnen.
Die FDP-Fraktion betont die positiven Aspekte des Ausbildungsmarktes, wie beispielsweise "enorme Innovationen" an der Basis. Sie ruft alle Beteiligten, einschließlich der Bundesländer und der Sozialpartner, auf, um den Ausbildungsrückgang wirksam zu stoppen.
Die AfD-Fraktion kritisiert die Bundesregierung und wirft ihr vor, die bekannten Probleme auf dem Ausbildungsmarkt nicht gelöst zu haben. Sie fordern eine kostenfreie Ausbildung und stellen die Effektivität der Allianz für Aus- und Weiterbildung in Frage.
Die Fraktion Die Linke betont die Krise des Ausbildungssystems und stellt in Frage, ob sich Deutschland ein solches System angesichts des Fachkräftemangels leisten kann. Sie kritisieren auch, dass nur 19 Prozent der Betriebe ausbildungsbereit sind, und fordern eine umlagefinanzierte Ausbildung.
Ähnliche Themen in dieser Kategorie
Nachhaltige Integration durch gezielte Weiterbildung: Die Bilanz der Bildungsgutscheine Die Vergabe von Bildungsgutscheinen stellt ein zentrales Instrument der aktiven Arbeitsförderung dar, um die berufliche Eingliederung nachhaltig zu stärken. Das geht aus einer …
Strategische Defizite in der betrieblichen Weiterbildung trotz steigendem KI-Bedarf In deutschen Unternehmen genießt die berufliche Qualifizierung zwar einen hohen Stellenwert, allerdings mangelt es häufig an einer systematischen Planung. Während ein Großteil der Betriebe …
Soziale Herkunft bremst weiterhin den Bildungsweg In Deutschland entscheidet noch immer oft das Elternhaus über den schulischen Erfolg der Kinder. Aktuelle Zahlen aus dem »ifo Chancenmonitor« machen deutlich, dass Jugendliche aus akademischen Familien weitaus häufiger ein …
Berufliche Weiterbildung lohnt sich - und zahlt sich auch aus Die Investition in eine berufliche Fortbildung zahlt sich für die überwiegende Mehrheit der Fachkräfte in Deutschland unmittelbar aus. Erhebungen der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) aus dem Januar 2026 …
