Neue Wege zum Lehramt?

 Schülerin und Lehrerin beim Chemieunterricht

Studie weist auf strukturelle Defizite im System der Lehrerbildung hin

Um den Herausforderungen eines eklatanten und anhaltenden Lehrkräftemangels in Deutschland zu begegnen, bedarf es mutiger Reformen in der Lehramtsausbildung: Das universitäre Privileg in der Lehramtsausbildung muss zugunsten der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften beendet werden.

Die zersplitterte Lehramtsausbildung braucht erheblich mehr Steuerung auf allen Ebenen. Die Zweigleisigkeit einer Ausbildung mit Staatsexamen und einer Ausbildung nach dem Bachelor-Master-Modell sollte zugunsten des letzteren aufgelöst werden. Die Lehramtsstudiengänge sollten sich nicht mehr an Schularten, sondern an den Schulstufen orientieren. Die Vorgaben der Kultusministerkonferenz (KMK) für die Fachwissenschaften und Fachdidaktiken sind so zu ändern, dass grundsätzlich lehramtsbezogene Lehrveranstaltungen die Regel sind.

Diese und weitere Handlungsempfehlungen sind das Ergebnis einer Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung, die heute vorgestellt wurde. Vor dem Hintergrund des sich verschärfenden Lehrermangels und der wachsenden Kritik an der Bildungspolitik von Bund und Ländern hat Autor Mark Rackles nicht nur sechs konkrete Problemfelder identifiziert, in denen er dringenden Veränderungsbedarf sieht, sondern auch zehn konkrete Handlungsempfehlungen formuliert und ein visionäres Modell der Lehrkräftebildung beschrieben.

»Ein Hauptproblem ist die fehlende ländereinheitliche universitäre Lehrkräfteausbildung in Deutschland«, kommentiert Mark Rackles. Dies führe zu deutlichen Unterschieden in den Anforderungen und im Curricula. Dabei könnte der Bildungsföderalismus laut Studie durchaus auch Chancen bieten. »Dazu müssten aber die dokumentierten Sonderentwicklungen in den Ländern für die notwendige Reform der Lehrkräftebildung nutzbar gemacht werden.«

Rackles verweist auch auf die zu geringe Studienerfolgsquote, obwohl die Zahl der Lehramtsstudierenden in den letzten zehn Jahren um 14 Prozent gestiegen sei und auch der Anteil an allen Studierenden insgesamt stabil bei 13 Prozent liege. So liege die Studienerfolgsquote in einzelnen Bundesländern wie Niedersachen teilweise unter 50 Prozent.


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