Wie die Aufnahme von Geflüchteten die Wirtschaft belebt

Themenkreis Arbeitswelt und Beruf (Symbolbild)

Impulse für lokales Gründungswesen und Beschäftigung

Der Zuzug von Geflüchteten wirkt als signifikanter Katalysator für die wirtschaftliche Aktivität in deutschen Landkreisen. Eine aktuelle Untersuchung des ifo Instituts belegt, dass eine steigende Zahl an Schutzsuchenden nicht nur die Anzahl der Gewerbeanmeldungen erhöht, sondern auch maßgeblich zur Schaffung neuer Arbeitsplätze beiträgt.

Überraschenderweise werden diese neuen Unternehmen primär von der lokalen Bevölkerung und weniger von den zugewanderten Personen selbst initiiert.

Mechanismen der wirtschaftlichen Belebung

Die ökonomischen Impulse lassen sich auf zwei wesentliche Faktoren zurückführen. Zum einen entsteht durch die Zunahme der Bevölkerung ein unmittelbarer Bedarf an spezifischen Dienstleistungen und Gütern.

Sebastian Schirner vom ifo Institut erläutert hierzu, dass vielerorts die Notwendigkeit für neue Geschäftsmodelle erkennbar sei, insbesondere in den Sektoren Gesundheit und Finanzdienstleistungen. Es sei jedoch zu berücksichtigen, dass dieser Effekt teilweise durch steuerfinanzierte Transferleistungen begünstigt werde.

Zum anderen verbessert der Zuzug mittelfristig das Angebot an Arbeitskräften. Diese Entwicklung steigert die Attraktivität für potenzielle Gewerbetreibende, da die Verfügbarkeit von Personal eine grundlegende Voraussetzung für unternehmerisches Wachstum darstellt.

Die Studie identifiziert vor allem die Bereiche Verkehr, das verarbeitende Gewerbe sowie das Gesundheitswesen als Schwerpunkte der Neugründungen.

Quantifizierbare Effekte auf den Arbeitsmarkt

Die statistische Auswertung verdeutlicht die Relevanz dieser Dynamik: Ein Zuwachs von 100 Geflüchteten pro 10.000 Einwohnende führt im Durchschnitt zu sieben zusätzlichen Gewerbeanmeldungen. Dies entspricht einer Steigerung der Gründungsaktivität um etwa 7,9 Prozent im Vergleich zum Mittelwert der Landkreise. Mit diesen Neugründungen entstehen unmittelbar 27 neue Arbeitsplätze.

Noch deutlicher zeigen sich die Auswirkungen auf die Gesamtbeschäftigung. Inklusive der bestehenden Unternehmen generiert der Zuzug von 100 Personen pro 10.000 Einwohnende insgesamt 109 zusätzliche Stellen. Rund drei Viertel dieser Beschäftigungsverhältnisse entstehen in bereits etablierten Betrieben, wobei es sich vorwiegend um sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen handelt.

Strukturelle Bedeutung

Diese Befunde unterstreichen die bildungspolitische und gesellschaftliche Notwendigkeit, Migration als strukturelle Chance für den Wirtschaftsstandort zu begreifen. Die erfolgreiche Integration fördert nicht nur die soziale Teilhabe, sondern stärkt über Synergieeffekte zwischen lokaler Bevölkerung und Zugewanderten die regionale Innovationskraft und Stabilität des Arbeitsmarktes. 

Hintergrund
Die Ergebnisse basieren auf einer detaillierten Analyse der »Gewerbeanzeigenstatistik« (amtliche Erfassung von Betriebsanmeldungen) für den Zeitraum von 2007 bis 2021. Um kausale Zusammenhänge zu isolieren, nutzten die Forschenden die offiziellen Zuteilungsquoten nach dem »Königsteiner Schlüssel« (Verfahren zur Verteilung von Geflüchteten auf die Bundesländer nach Steueraufkommen und Bevölkerungszahl).


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