Unternehmerisches Denken junger Menschen braucht echte Gestaltungsräume
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Junge Menschen wollen gestalten: Warum das Bildungssystem nachziehen muss
Junge Menschen in Deutschland blicken mit bemerkenswerter Zuversicht auf ihre berufliche Zukunft und bringen eine ausgeprägte unternehmerische Haltung mit.
Eine neue repräsentative Befragung der Bertelsmann Stiftung und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung zeigt jedoch, dass ihnen die notwendigen Gestaltungsräume im Bildungssystem fehlen. Diese Lücke zwischen Potenzial und Realität gilt als entscheidende Herausforderung für Schulen, Ausbildungsbetriebe und Hochschulen.
Junge Generation zeigt starkes unternehmerisches Mindset
Die Befragung von 1.001 Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 14 bis 21 Jahren macht deutlich, dass unternehmerische Denk- und Handlungsmuster weit verbreitet sind.
Drei Viertel der Befragten sind überzeugt, ihren beruflichen Weg erfolgreich gestalten zu können. Ebenso viele bevorzugen es, Entscheidungen eigenständig zu treffen. Rund 70 Prozent geben an, neue Wege auszuprobieren, auch wenn ein Scheitern möglich ist.
Diese Kombination aus Zuversicht, Risikobereitschaft und Selbstständigkeit bildet eine stabile Grundlage für zukunftsorientiertes Lernen.
Hoher Wunsch nach relevanten Zukunftskompetenzen
Die Studie zeigt zudem, dass junge Menschen unternehmerische Kompetenzen als zentral für ihre berufliche Entwicklung betrachten. Sie bewerten Kenntnisse über »unternehmerisches Denken« auf einem Niveau mit etablierten Lernbereichen wie Fremdsprachen oder MINT-Fächern.
Besonders gefragt sind Fähigkeiten zur Planung und Umsetzung eigener Projekte, was 85 Prozent der Befragten als wichtig oder sehr wichtig einstufen. Diese Ergebnisse unterstreichen die wachsende Bedeutung von Entrepreneurship Education im deutschen Bildungssystem.
Fehlende Freiräume bremsen Engagement
Trotz der hohen Motivation erleben viele junge Menschen das Bildungssystem als wenig offen für eigene Impulse. Nur rund die Hälfte fühlt sich ermutigt, Projekte anzustoßen, Entscheidungen eigenständig zu treffen oder kreative Lösungswege einzubringen.
Die Folge: Lediglich 36 Prozent bringen regelmäßig eigene Ideen in Schule, Betrieb oder Hochschule ein. Damit bleibt ein erhebliches Potenzial ungenutzt.
Expertinnen und Experten sehen strukturelle Defizite
Die Autorinnen und Autoren der Studie verweisen darauf, dass nicht mangelnde Motivation das Problem sei, sondern fehlende strukturelle Voraussetzungen. Der Bertelsmann-Stiftung-Experte Ivo Andrade betone, die Einstellungen vieler junger Menschen erinnerten an unternehmerisches Verhalten und stellten eine wertvolle Ausgangsbasis für die Arbeitswelt dar. Dies zu fördern, sei Aufgabe aller Bildungseinrichtungen und der Zivilgesellschaft.
Auch die DKJS-Expertin Ellen Wallraff hebe hervor, junge Menschen wollten Ideen entwickeln und umsetzen. Dafür benötigten sie Zeit, Anleitung und Ermutigung. Wenn Bildungsinstitutionen echte Gestaltungsräume eröffneten, könne die junge Generation ihr Potenzial freisetzen – mit positiven Effekten für Gesellschaft und Wirtschaft.
Handlungsempfehlungen für mehr Gestaltungsspielräume
Um das vorhandene Potenzial zu erschließen, empfiehlt die Studie mehrere zentrale Maßnahmen:
- Verlässliche Ansprechpersonen, die Jugendliche begleiten.
- Freiräume für selbstbestimmtes Handeln ohne Angst vor Fehlern.
- Lernumgebungen, die Mut zum Experimentieren fördern.
- Klare Strukturen, die Vorschläge der Jugendlichen in konkrete Aktivitäten überführen.
Die systematische Verankerung von Entrepreneurship Education in Schulen, Betrieben, Hochschulen und außerschulischen Bildungsorten gilt als entscheidender Schritt.
Methodischer Rahmen
Die repräsentative Umfrage wurde vom Institut forsa durchgeführt. Sie basiert auf einer Online-Erhebung über das Panel forsa.omninet und fand zwischen dem 25. August und dem 17. September 2025 statt.
VERWEISE
- Zur Studie ...
- siehe auch: »Entrepreneurship: Jugendliche setzen auf Selbstverwirklichung und Innovation« ...
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