Gründungsmonitor Migration: Hohe Bereitschaft trifft auf soziale Barrieren

Themenkreis Arbeitswelt und Beruf (Symbolbild)

Ungenutzte Chancen: Das Gründungspotenzial von Menschen mit Migrationshintergrund

Personen mit Einwanderungsgeschichte leisten einen überproportionalen Beitrag zum Gründungsgeschehen in Deutschland, schöpfen ihr volles Potenzial jedoch noch nicht aus.

Eine aktuelle Kurzstudie von KfW Research belegt, dass die Bereitschaft zur beruflichen Selbstständigkeit in dieser Gruppe deutlich ausgeprägter ist als in der restlichen Bevölkerung. Während sich im langjährigen Durchschnitt lediglich 30 Prozent der Personen ohne Gründungserfahrung den Schritt in die Selbstständigkeit vorstellen können, liegt dieser Wert bei Menschen mit Migrationshintergrund bei 44 Prozent.

Dennoch wird dieser Gründungswille häufig durch das gesellschaftliche Image der Selbstständigkeit gebremst, das im Vergleich zu einer Festanstellung als weniger prestigeträchtig wahrgenommen wird.

Gesellschaftliche Wahrnehmung als zentrale Barriere

Obwohl klassische Hindernisse wie finanzielle Risiken, bürokratische Lasten und die Sorge um die Arbeitsplatzsicherheit grundsätzlich schwerer wiegen, zeigt sich beim Ansehen der Selbstständigkeit eine signifikante Diskrepanz.

Die Wahrnehmung eines geringen gesellschaftlichen Stellenwerts hält potenzielle Gründerinnen und Gründer mit Einwanderungsgeschichte besonders stark von der Umsetzung ihrer Vorhaben ab. 37 Prozent dieser Gruppe empfinden das Image des Unternehmertums als Hemmnis, während dies in der Gesamtbevölkerung lediglich auf 24 Prozent zutrifft. Eine Aufwertung der beruflichen Selbstständigkeit im gesellschaftlichen Diskurs könnte somit wesentliche Potenziale für die wirtschaftliche Dynamik freisetzen.

Strukturelle Bedeutung für den Wirtschaftsstandort

Die Daten des KfW-Gründungsmonitors unterstreichen die Relevanz dieser Entwicklung für die deutsche Wirtschaft. Von den rund 585.000 Existenzgründungen im Jahr 2024 entfielen etwa 178.000 auf Personen mit Einwanderungsgeschichte. Dies entspricht einem Anteil von 30 Prozent, was die Repräsentanz dieser Gruppe im Gründungssektor leicht über ihren Anteil an der erwerbsfähigen Bevölkerung (27 Prozent) hebt.

Da unter den Begriff der Einwanderungsgeschichte alle Personen fallen, die selbst oder deren Elternteile seit 1950 nach Deutschland zugewandert sind, wird die langfristige Bedeutung dieser Bevölkerungsgruppe für die Innovationskraft und den Strukturwandel deutlich. Eine gezielte Verbesserung der Rahmenbedingungen und eine positive Kommunikation des Gründungsbildes sind entscheidend, um die vorhandene Gründungsneigung in reale Markteintritte zu überführen.

Zentrale Details der Studie:

Statistische Basis und Gründungszahlen

  • Repräsentanz: Im Jahr 2024 hatten 30 Prozent aller Gründerinnen und Gründer in Deutschland eine Einwanderungsgeschichte.

  • Absolute Zahlen: Dies entspricht etwa 178.000 von insgesamt 585.000 Existenzgründungen im Jahr 2024.

  • Demografischer Kontext: Der Anteil dieser Gruppe an der gesamten erwerbsfähigen Bevölkerung (18 bis 64 Jahre) liegt bei 27 Prozent. Damit ist die Gründungsbeteiligung überdurchschnittlich hoch.

Potenzial und Ambition

  • Gründungsneigung: Die Bereitschaft zur Selbstständigkeit ist bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte mit 44 Prozent signifikant höher als in der restlichen Bevölkerung, wo sie nur bei 30 Prozent liegt.

  • Ungenutztes Potenzial: Trotz der hohen Aktivität wird das volle Potenzial nicht ausgeschöpft, da viele Interessierte den Schritt in die Umsetzung letztlich nicht wagen.

Zentrale Hemmnisse

  • Gesellschaftliches Ansehen: Ein Hauptgrund für die Zurückhaltung ist das wahrgenommene geringe Image der Selbstständigkeit in der deutschen Gesellschaft.

  • Wahrnehmungsunterschiede: Während in der Gesamtbevölkerung nur 24 Prozent das Gründerimage als Hürde betrachten, empfinden dies unter Menschen mit Einwanderungsgeschichte 37 Prozent als belastend.

  • Weitere Barrieren: Wie auch bei der restlichen Bevölkerung zählen finanzielle Risiken, bürokratische Lasten und die Sorge um die Arbeitsplatzsicherheit zu den gewichtigsten Gründen gegen eine Gründung.

Handlungsempfehlungen der KfW

  • Image-Kultur: Laut Dr. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW, müsse das gesellschaftliche Ansehen der Selbstständigkeit verbessert werden.

  • Bildung: Eine »Entrepreneurship Education« sollte bereits in der Schule als gleichberechtigte Erwerbsform gegenüber der Festanstellung thematisiert werden, um Potenziale besser zu heben.


  VERWEISE  

Ähnliche Themen in dieser Kategorie

15.01.2026

Impulse für lokales Gründungswesen und Beschäftigung Der Zuzug von Geflüchteten wirkt als signifikanter Katalysator für die wirtschaftliche Aktivität in deutschen Landkreisen. Eine aktuelle Untersuchung des ifo Instituts belegt, dass eine steigende Zahl an Schutzsuchenden …

08.12.2025

Junge Menschen wollen gestalten: Warum das Bildungssystem nachziehen muss Junge Menschen in Deutschland blicken mit bemerkenswerter Zuversicht auf ihre berufliche Zukunft und bringen eine ausgeprägte unternehmerische Haltung mit. Eine neue repräsentative Befragung der …

28.10.2025

Vielfalt als Rückgrat der Fachkräftebasis In vielen Engpassberufen sichern Menschen mit Einwanderungsgeschichte den Betrieb – vom Bau bis zur Gastronomie. Neue Daten des Statistischen Bundesamts zeigen, wie stark Migration die Fachkräftebasis in Deutschland prägt. Migration …

28.10.2025

Fachkräftemangel spitzt sich zu – Wie Engpassberufe wieder attraktiv werden Der Fachkräftemangel bleibt eine der größten Herausforderungen für den deutschen Arbeitsmarkt. Besonders betroffen sind Berufe, in denen qualifizierte Arbeitskräfte knapp sind – die sogenannten …

.
Oft gelesen...