Routine fehlt: Nur jeder fünfte Beschäftigte nutzt regelmäßig KI
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Mehr als nur Schatten-IT: Forderung nach systematischer KI-Qualifizierung
In Deutschland nutzt aktuell nur jeder fünfte Beschäftigte regelmäßig Künstliche Intelligenz (KI) im beruflichen Kontext. Trotz einer weitreichenden Bekanntheit der Technologie bleibt die verstetigte Anwendung in der täglichen Arbeitspraxis hinter den Erwartungen zurück. Dies geht aus einer aktuellen, repräsentativen Studie des ifo Instituts hervor.
Diskrepanz zwischen Erprobung und Routine
Obwohl rund 64 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bereits Erfahrungen mit KI-Anwendungen gesammelt haben, ist die Überführung in routinierte Arbeitsprozesse noch nicht flächendeckend vollzogen.
Die Untersuchung verdeutlicht, dass die Nutzung oft auf individueller Initiative basiert: Bei zwei Dritteln der Anwendenden erfolgte der Einsatz ohne formale Einführung durch das Unternehmen. Lediglich bei einem Drittel der Nutzenden wurde die Technologie offiziell durch den Arbeitgeber implementiert. Dabei dominieren leicht zugängliche »Text-Tools« wie ChatGPT, die von über 80 Prozent der KI-Nutzenden verwendet werden.
Relevanz betrieblicher Implementierung
Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen der strukturellen Einführung von KI und dem daraus resultierenden Nutzen. Unternehmen, die KI-Systeme aktiv in ihre Organisation integrieren, verzeichnen eine höhere Nutzungshäufigkeit und berichten von messbaren Produktivitätsgewinnen.
In diesen Fällen geht die Implementierung häufig mit spezifischen Weiterbildungsangeboten und einer engmaschigen Begleitung (»Supervision«) einher. Im Gegensatz dazu konzentriert sich die eigeninitiativ genutzte »Shadow AI« – der Einsatz nicht genehmigter Software – vorwiegend auf einfache Hilfsmittel, während komplexere Anwendungen in den Bereichen Bildverarbeitung oder Diagnostik meist eine betriebliche Infrastruktur erfordern.
Bildungspolitische und strukturelle Konsequenzen
Die Ergebnisse weisen auf eine drohende digitale Kluft innerhalb der Belegschaften hin. Während ein Teil der Beschäftigten durch eigenständige Fortbildung Kompetenzen aufbaut, besteht ohne betriebliche Strategien das Risiko, dass weite Teile der Belegschaft den Anschluss an technologische Standards verlieren.
Gesellschaftlich und bildungspolitisch unterstreicht die Untersuchung die Notwendigkeit, KI-Kompetenzen systematisch zu fördern. Die Verzahnung von technologischer Infrastruktur und gezielter Qualifizierung erweist sich als entscheidender Faktor, um das Potenzial der Künstlichen Intelligenz für den Wirtschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu erschließen und die Effizienz in wissensintensiven Prozessen zu steigern.
Hintergrund
Die Ergebnisse stützen sich auf die zweite Erhebungswelle der Befragung »Digitalisierung und Wandel der Beschäftigung (DiWaBe 2.0)« aus dem Jahr 2024. Die Auswertung erfolgte durch das ifo Institut in Kooperation mit dem ZEW, dem IAB, dem BIBB sowie der BAuA. Grundlage sind rund 9.800 Interviews mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland, die eine repräsentative Datengrundlage bilden. Die Befunde zeigen statistische Zusammenhänge, erlauben jedoch keine Aussagen über Ursache-Wirkungs-Beziehungen.
VERWEISE
- Low Barriers, High Stakes: Formal and Informal Diffusion of AI in the Workplace ...
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