Eltern im Homeoffice: Mehr Stunden, mehr Verantwortung

Eltern im Homeoffice arbeiten im Durchschnitt länger
Laut einer aktuellen Auswertung der IAB‑Online‑Personenbefragung »Arbeiten und Leben in Deutschland« (IAB‑OPAL) arbeiten erwerbstätige Eltern, die über eine Homeoffice-Möglichkeit verfügen, durchschnittlich länger als Eltern ohne diese Option. Besonders Mütter mit jüngeren Kindern (unter 7 Jahren) nutzen mobile Arbeitsformen häufiger und in größerem Umfang als Kinderlose.
Nutzung von Homeoffice nach Kinderstatus
Die Daten zeigen: Bei Frauen mit einem Kind unter zwölf Jahren liegt der Anteil, der nie von zu Hause aus arbeitet, bei etwa 30 Prozent – deutlich unter dem Anteil von kinderlosen Frauen (41 Prozent). Bei Müttern mit Kindern im Schulalter (7–11 Jahre) liegt der Anteil derer, die mehr als die Hälfte der Arbeitstage im Homeoffice verbringen, bei 24 Prozent, bei Kindern über zwölf Jahre sind es nur noch 20 Prozent.
Auch bei Vätern ist Homeoffice verbreitet: Bei Vätern mit Kindern unter sieben Jahren nutzen 79 Prozent das Homeoffice-Modell, 35 Prozent arbeiten davon mehr als die Hälfte der Zeit zu Hause.
Vertragsarbeitszeit und Mehrarbeit
Die Studie zeigt zudem: Mütter mit Homeoffice-Möglichkeit arbeiten vertraglich häufiger mindestens 30 Wochenstunden als jene ohne diese Option (z.B. bei Kindern im Alter von 7–11 Jahren: 67 Prozent vs. 36 Prozent).
Mit der Möglichkeit zum Homeoffice nimmt auch das Überstundenvolumen zu. Unter Müttern kleiner Kinder leisten 60 Prozent, die nicht von zu Hause aus arbeiten können, überhaupt keine Überstunden. Bei denjenigen mit Homeoffice-Option trifft das auf 52 Prozent zu. Offenbar können Letztere Überstunden eher auffangen – selbst bei sehr jungen Kindern.
Dieser Abstand bleibt auch bestehen, wenn die Kinder älter werden. Auffällig ist jedoch, dass der Anteil derjenigen, deren Überstunden mehr als 10 Prozent der vertraglichen Wochenarbeitszeit ausmachen, in beiden Gruppen in etwa gleich hoch liegt.
Interpretation: Chancen und Risiken
Die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten eröffnet Eltern – insbesondere Müttern – deutliche Spielräume, Erwerbs- und Sorgearbeit besser zu verbinden. Flexible Arbeitsorte und -zeiten können gerade in intensiven Sorgephasen entlasten.
Gleichzeitig besteht das Risiko einer Entgrenzung von Arbeitszeit und Freizeit, einer höheren Arbeitsbelastung sowie der Verstetigung klassischer Rollenmuster. Die Studie stellt klar, dass Homeoffice strukturelle Vereinbarkeitsprobleme nicht per se löst, sondern allenfalls ausgleicht.
Bedeutung für Praxis und Politik
Aus Sicht von Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik ergeben sich mehrere Handlungsfelder:
- Homeoffice kann helfen, das Erwerbspotenzial von Eltern – und hier insbesondere von Müttern – in anspruchsvollen Lebensphasen besser zu nutzen.
- Damit dies gelingt, müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die Überlastungen verhindern (z.B. klarere Arbeitszeitgrenzen, adäquate technische Ausstattung, bewusste Trennung von Arbeits- und Privatzeit).
- Gleichstellungs- und familienpolitische Ziele sollten dabei eng mit Fragen der digitalen Arbeitsgestaltung und Arbeitszeitpolitik verknüpft werden.
Hintergrund
Die Analysen basieren auf der IAB-Online-Personenbefragung „Arbeiten und Leben in Deutschland“ (IAB-OPAL) des IAB (Coban et al. 2024). Bei IAB-OPAL wird seit Oktober 2023 die erwerbsfähige Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 65 Jahren im Abstand von drei bis vier Monaten zu aktuellen Themen der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik befragt. Die erste Welle der Core-Studie von IAB-OPAL begann im Oktober 2023.
Die hier verwendeten Informationen zur Nutzung von Homeoffice stammen aus Welle 2 sowie der Welle 4, bei der 6.931 Personen (Teilnahmequote Kohorte 1: 64,4 %) im Januar/Februar 2024 bzw. 8.286 Personen (Teilnahmequote Kohorte 1: 50,7 %; Teilnahmequote Kohorte 2: 57,5 %) im Juli/August 2024 befragt wurden. Die Gewichtungsfaktoren zur Hochrechnung auf die Erwerbsbevölkerung wurden mit der Version 2.0 zur Verfügung gestellt.
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