Arbeit im Ruhestand: Trend mit strukturellen Grenzen

Themenkreis Demografie und Alternde Belegschaften (Symbolbild)

Erwerbstätigkeit im Rentenalter nimmt deutlich zu

Immer mehr Menschen arbeiten auch nach dem regulären Renteneintritt weiter. Innerhalb eines Jahrzehnts ist die Erwerbstätigenquote der 65- bis 69-Jährigen in Deutschland stark gestiegen.

Gleichzeitig zeigt sich: Der Beitrag dieser Gruppe zur Entlastung des Arbeitsmarkts bleibt überschaubar. Kurze Arbeitszeiten, soziale Ungleichheiten und institutionelle Hürden begrenzen das Potenzial.

Jede fünfte Person zwischen 65 und 69 Jahren ist erwerbstätig

Zwischen 2013 und 2023 ist der Anteil erwerbstätiger Personen im Alter von 65 bis 69 Jahren von 13 auf 20 Prozent gestiegen. Damit ist inzwischen jede fünfte Person dieser Altersgruppe beruflich aktiv.

Der Trend verweist auf veränderte Erwerbsbiografien, bessere Gesundheit im Alter und einen Arbeitsmarkt, der Erfahrung zunehmend nachfragt.

Kaum Entlastung für den Arbeitsmarkt

Politische Initiativen wie die sogenannte »Aktiv-Rente« zielen darauf, Menschen über das Rentenalter hinaus im Erwerbsleben zu halten. Der Effekt auf den Fachkräftemangel bleibt jedoch begrenzt.

Ein zentraler Grund ist der geringe Umfang der geleisteten Arbeit. Rund die Hälfte der erwerbstätigen Rentnerinnen und Rentner arbeitet weniger als 15 Stunden pro Woche. Mit zunehmendem Alter sinkt zudem der Anteil derjenigen, die noch in Vollzeit tätig sind, deutlich. Die zusätzliche Arbeitskraft steht dem Arbeitsmarkt daher meist nur in kleinem Umfang zur Verfügung.

Deutliche soziale Unterschiede

Die Erwerbsbeteiligung im Rentenalter ist ungleich verteilt. Männer arbeiten häufiger weiter als Frauen. Auch regional zeigen sich Unterschiede: In Westdeutschland ist der Anteil erwerbstätiger älterer Menschen höher als in Ostdeutschland.

Besonders ausgeprägt sind die Differenzen nach Qualifikation. Personen mit höherem Bildungs- und Berufsabschluss bleiben deutlich häufiger erwerbstätig als Geringqualifizierte. Damit profitieren vor allem diejenigen von verlängerten Erwerbsphasen, die ohnehin über bessere Arbeitsmarktchancen verfügen.

Öffentliche Verwaltung nutzt Potenzial kaum

Ein besonders deutliches Missverhältnis zeigt sich in der öffentlichen Verwaltung. Zwar ist der Anteil älterer Beschäftigter kurz vor dem Renteneintritt hier hoch. Nach Rentenbeginn arbeiten jedoch vergleichsweise wenige weiter. Der Anteil erwerbstätiger Rentnerinnen und Rentner liegt nur etwa halb so hoch wie im Durchschnitt aller Branchen.

Nach Einschätzung des IAQ-Altersübergangsreports 20-01 liegt das weniger an den Arbeitsbedingungen als an der Personalpolitik. Häufig fehlten klare Regelungen, flexible Modelle und organisatorische Voraussetzungen, um eine Weiterbeschäftigung über die Altersgrenze hinaus überhaupt zu ermöglichen.

Strukturen bremsen den Trend

Die Erwerbstätigkeit im Rentenalter nimmt spürbar zu. Ihr Beitrag zur Lösung des Fachkräftemangels bleibt jedoch begrenzt. Kurze Arbeitszeiten, soziale Ungleichheiten und starre Personalstrukturen – insbesondere im öffentlichen Dienst – wirken als Bremsklötze.

Um das vorhandene Potenzial besser zu nutzen, wären gezielte Anpassungen in der Personalpolitik und flexiblere Übergänge zwischen Erwerbsarbeit und Ruhestand erforderlich.


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