Gleichstellung der Geschlechter in deutschen Hochschulen: Berlin und Bremen als Vorreiter

Dynamik im deutschen Wissenschaftssystem
Die Gleichstellung der Geschlechter an Hochschulen bleibt eine zentrale Herausforderung der Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik – insbesondere für alle, die die Innovationskraft in der Wissenschaft im Blick haben.
Das aktuelle Hochschulranking nach Gleichstellungsaspekten, herausgegeben vom Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung (CEWS), setzt hierfür seit über 20 Jahren wichtige Maßstäbe.
Methodische Neuerungen im CEWS-Ranking
Das Ranking, das seit 2003 alle zwei Jahre erscheint, wurde 2025 zum zwölften Mal veröffentlicht – begleitet von methodischen Anpassungen. Die Ranggruppen orientieren sich nun an konkreten Schwellenwerten, statt wie zuvor an Quartilen. Damit könnten künftig alle Hochschulen die Chance erhalten, aufgrund ihrer tatsächlichen Fortschritte in Gleichstellungsfragen in die Spitzengruppe aufzusteigen.
Wissenschaftliches und künstlerisches Personal an Universitäten wird jetzt nur noch bezogen auf das promovierte Personal bewertet. Grundlagen des Rankings bleiben die Vollerhebung aller deutschen Hochschulen, die Datenerhebung auf Basis der Hochschulstatistik des Statistischen Bundesamtes sowie ein umfassendes Indikatorenset.
Die Spitzenpositionen: Wer führt beim Thema Gleichstellung?
- Bei den Universitäten gibt es erneut mehrere Spitzenreiter: Die Universität Potsdam, Berlin Hertie School of Governance, Universität der Bundeswehr München, sowie die Universitäten Duisburg-Essen, Hildesheim, Marburg und Saarbrücken.
- Bei den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften sichern sich 19 Einrichtungen aus ganz Deutschland die Plätze in der höchsten Ranggruppe.
- Unter den Kunst- und Musikhochschulen führen acht Hochschulen das Ranking als Beispiele für gelungene Gleichstellung an.
- Im deutschlandweiten Vergleich der Bundesländer belegen Berlin und erstmals auch Bremen die vordersten Plätze; gefolgt wird dieses Spitzenduo von Hamburg.
Fortschritte und Herausforderungen
2003 lag der Professorinnenanteil noch bei rund 11 Prozent, mit deutlich negativerer Verteilung an einzelnen Hochschulen. Im aktuellen Ranking ist der Anteil auf etwa 29 Prozent gestiegen – an vier Hochschulen sind jedoch weiterhin weniger als 10 Prozent der Professuren mit Frauen besetzt.
Die Autorinnen des Rankings halten fest, dass Fortschritte bei der Geschlechtergerechtigkeit meist Ergebnisse langjähriger Bemühungen von Gleichstellungsakteurinnen, gezielter Förderprogramme und Initiativen wie die der DFG seien – auch wenn sie darauf hinweisen, dass diese Entwicklung überaus langsam verlaufe und Rückschritte nicht ausgeschlossen werden könnten.
Auswirkungen auf Arbeitsmarkt und Digitalisierung
Die Entwicklungen im CEWS-Ranking zeigen, dass Geschlechtergerechtigkeit ein wichtiger Indikator für die Zukunftsfähigkeit des Hochschul- und Arbeitsmarktstandorts Deutschland ist. Gleichstellungsfreundliche Hochschulen signalisieren Innovationsbereitschaft und Chancengerechtigkeit.
Insbesondere für die Zielgruppen des digitalen Wandels kann diese Entwicklung Orientierung bieten – sowohl bei der Wahl des Studienorts als auch als Argument für Arbeitgeber zur Förderung inklusiver Arbeitsumfelder.
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