Lage des wissenschaftlichen Nachwuchses

Deutscher Bundestag

Aus Sicht der Bundesregierung ist der Mangel an planbaren und transparenten Karrierewegen in der Wissenschaft das aktuell größte Problem des wissenschaftlichen Nachwuchses. Das schreibt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion Die Linke.

Ende Mai 2016 hatte die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) von Bund und Ländern unter anderem den Pakt für den Wissenschaftlichen Nachwuchs vereinbart, der die Förderung von bis zu 1.000 Tenure-Track-Professuren an Universitäten in Deutschland vorsieht. Hierfür stellt der Bund eine Milliarde Euro im Zeitraum von 2017 bis 2032 bereit. Der Übergang auf eine dauerhafte Professur erfolgt automatisch, wenn die bei der Berufung auf die Tenure-Track-Professur vereinbarten Leistungen erbracht worden sind und dies in der Tenure-Evaluation festgestellt wird.

Das Programm soll dazu beitragen, die Attraktivität des deutschen Wissenschaftssystems im internationalen Wettbewerb zu steigern und die Universitäten stärker dabei zu unterstützen, die besten Nachwuchswissenschaftler aus dem In- und Ausland zu gewinnen und möglichst dauerhaft zu halten. Bund und Länder greifen mit dem Programm die Empfehlungen des Wissenschaftsrates zu Karrierezielen und -wegen an Universitäten vom 11. Juli 2014 auf.

Die Bundesregierung ist der Auffassung, dass die tendenziell flächendeckende Etablierung der Tenure-Track-Professur dazu beitragen wird, dass bei Nachwuchswissenschaftlern zukünftig die Entscheidung über den dauerhaften Verbleib im Wissenschaftssystem früher fallen werde als bisher. Die Implementierung der Tenure-Track-Professur werde die gesamte Personalstruktur der Universität verändern - nicht nur auf Professoren-Ebene, sondern auch auf Ebene des gesamten wissenschaftlichen Personals.

Die Bundesregierung mahnt, dass mit der gewachsenen Zahl an Nachwuchswissenschaftlern bei den Professuren kein vergleichbarer Aufwuchs einhergegangen sei. Die Berufung auf eine Professur erfolge zudem häufig zu spät in der Berufsbiografie, so dass viele talentierte Wissenschaftler lange mit einer unsicheren Perspektive leben müssten. Das könne dazu führen, dass sie gute Berufschancen außerhalb der Wissenschaft verpassten oder der Wissenschaft in Deutschland den Rücken kehrten, um andernorts früher selbständig zu forschen und zu lehren.

Der Wissenschaftsrat habe in seinen Empfehlungen zu Karrierezielen und -wegen an Universitäten eine sukzessive und substanzielle Erhöhung des Anteils der Professuren am wissenschaftlichen Personalbestand um 7.500 Professuren bis 2025 empfohlen. Da für die Personalstruktur der Universitäten die Länder zuständig seien, richte sich diese Empfehlung primär an diese. Die Bundesregierung zeigt sich überzeugt, dass sie mit der Förderung von 1.000 Tenure-Track-Professuren hierzu einen wichtigen Beitrag leistet.

 

 

 

Mehr Diversität in der Wissenschaft gefordert
Ein Großteil des wissenschaftlichen Nachwuchses sieht im Wissenschaftsbetrieb keinen attraktiven Arbeitsperspektive mehr, wie eine aktuelle Umfrage unter Doktoranden zeigt. Ursachen dafür sehen Sachverständige in einer Befristungspraxis...
BuWIN: Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2021
Der Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2021 (BuWiN) unterstreicht, dass das deutsche Wissenschaftssystem für den wissenschaftlichen Nachwuchs aus dem In- und Ausland hoch attraktiv ist. Er benennt aber auch Herausforderungen, deren...
Umsetzungsstand und Handlungsfelder des Tenure-Track-Programms
Bundesregierung: »Tenure-Track-Professur schafft Planbarkeit«  Nach Ansicht der Bundesregierung ist der neue Karriereweg der Tenure-Track-Professur für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland attraktiv, weil er...

Wir benutzen Cookies
Der BildungsSpiegel setzt auf seiner Website sog. Cookies ein. Einige von ihnen sind für den reibungslosen Betrieb essentiell, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern. Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Website zur Verfügung stehen.