Studienvorbereitung internationaler Studieninteressierter

Institut für Hochschulforschung (HoF) an der Martin Luther Universität Halle Wittenberg

Die Teilnahme an einer Studienvorbereitungsmaßnahme ist für einen Teil der internationalen Studieninteressierten vor der Zulassung zum Studium in Deutschland erforderlich. Neben staatlichen Studienkollegs gibt es dafür mittlerweile vielfältige Möglichkeiten.

Wie sind diese aktuell gestaltet? Warum sind einige Studienkollegs geschlossen worden? Wie hoch ist der Bedarf an Studienkollegplätzen? Und wie nehmen internationale Studierende ihr Studium wahr je nachdem, ob sie zuvor am Studienkolleg teilgenommen haben oder nicht?

Der Hochschulzugang für internationale Studieninteressierte in Deutschland gestaltet sich vielfältig. Bewerber*innen aus dem Europäischen Wirtschaftsraum können in der Regel direkt ins Studium einsteigen, vorausgesetzt ihre Bildungszeugnisse erfüllen die Hochschulzugangsvoraussetzungen und sie haben die erforderlichen Sprachkenntnisse. Doch für Studierende aus EU-Drittstaaten ohne direkte Hochschulzulassung oder Studienerfahrung stellt sich die Situation anders dar. Hier ist oft eine Studienvorbereitungsmaßnahme samt abschließender Feststellungsprüfung notwendig, bevor ein Studium in Deutschland aufgenommen werden kann. Seit über 50 Jahren bieten staatliche Studienkollegs in Schwerpunktkursen eine fachspezifische und sprachliche Studienvorbereitung an, die bundesweit für das Studium qualifiziert.

Im Fokus des Berichts steht die Organisation und Entwicklung der Studienkollegs, die Untersuchung alternativer Studienvorbereitungsmaßnahmen, der aktuelle Bedarf an Studienkollegplätzen sowie die Wahrnehmung von Schwierigkeiten und Unterstützungsangeboten durch internationale Studierende.

Angesichts anhaltend hoher Zahlen internationaler Studieninteressierter in Deutschland stellt sich die Frage nach ausreichenden Kapazitäten an Studienkollegs. Dazu wurde eine Auswertung der bei uni-assist vorliegenden Bewerbungsdaten unternommen. Diese legt nahe, dass der Bedarf an Studienkollegplätzen das Angebot von aktuell etwa 5.000 Plätzen deutlich übersteigt. Das geht mit der Entstehung und Ausweitung diverser alternativer Vorbereitungsmaßnahmen einher, darunter auch private Optionen und bundeslandspezifische Studieneinstiegsmodelle.

Die explorative Datenanalyse der 21. Sozialerhebung zeigt, dass Studierende, die zuvor am Studienkolleg teilgenommen haben, ihre Sprachkompetenzen im Studium positiver bewerten als diejenigen, die nicht daran teilgenommen haben. Dieses Ergebnis mag zwar selbstverständlich wirken, ist jedoch vor dem Hintergrund der immer wiederkehrenden Frage nach der Notwendigkeit und Wirkung von Studienkollegs im Zuge der Schließungsdebatten erwähnenswert.

Bei den Leistungsanforderungen und der sozialen Integration im Studium schneidet die Wahrnehmung der ehemaligen Studienkollegsteilnehmenden etwas schlechter ab als bei der Vergleichsgruppe. Dieses Ergebnis lässt sich jedoch nicht allein auf die Teilnahme am Studienkolleg zurückführen und erfordert weitere Analysen.

Möglicherweise hängt dies damit zusammen, dass die Studienvorbereitung an Studienkollegs in kleineren Gruppen stattfindet und die Teilnehmenden über Monate hinweg enger begleitet werden als im regulären Studium. Diese Lernumgebung könnte Erwartungen an die Studienbedingungen wecken, die in der Realität des Studiums dann ggf. nicht erfüllt werden. Dabei ist zu beachten, dass zwischen Studienkolleg-Abschluss und Studienbeginn oft ein Standortwechsel erfolgt. Zwar bereiten die Studienkollegs sprachlich und fachlich auf das Studium vor. Doch das Zurechtkommen mit den Anforderungen und die soziale Integration jenseits der Studienkollegs sind eine geteilte Verantwortung der aufnehmenden Hochschulen und ihrer Studierendenschaften.

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