MICROCASA: Virtuelle Weiterbildung für mehr Chancengerechtigkeit

Universität des Saarlandes

Elf Forschergruppen aus sechs Ländern arbeiten im Projekt MICROCASA zusammen, um durch virtuelle Kursangebote für Erwachsene den gleichberechtigten Zugang zu Bildung zu fördern.

Der Bildungsexperte Armin Weinberger, Professor für Bildungstechnologie von der Universität des Saarlandes, leitet das Vorhaben. Am Beispiel Südostasien sollen kostenlose Mikro-Onlinekurse mit Zertifikatabschluss für Nichtakademikerinnen und Nichtakademiker entwickelt und die Voraussetzungen für deren Einsatz vor Ort geschaffen werden.

Die Europäische Union fördert das Projekt im Rahmen des Programms Erasmus+ mit 800.000 Euro. Vom 6. bis 7. März treffen sich die Projektpartner zum Auftakt in Saarbrücken.

Bildung ist ein Menschenrecht. Aber bekanntermaßen haben Menschen in vielen Teilen der Welt keinen ausreichenden Zugang zu Bildungsangeboten. Auch für Erwachsene fehlen vielerorts schlicht die Möglichkeiten, Mittel und Wege. Vor allem Frauen, Alleinerziehende und Bewohner ländlicher Gegenden sind betroffen – was vielen ein selbstbestimmtes Leben erschwert und gesamtgesellschaftlich negative Auswirkungen hat.

»Online-Kurse, die flexibel und unabhängig von Ort und Zeit absolviert werden können, öffnen akademische Lehre für die breite Öffentlichkeit und bieten eine große Chance, um für mehr Chancengerechtigkeit zu sorgen«, sagt Professor Armin Weinberger von der Universität des Saarlandes.

»Bislang profitieren vor allem Menschen mit bereits guten Bildungsvoraussetzungen von der Online-Lehre. Wir wollen Angebote und auch die Voraussetzungen dafür schaffen, dass auch Nichtakademikerinnen und Nichtakademiker sie sich zunutze machen können«, erklärt der Experte für Bildungstechnologie und Wissensmanagement. Er forscht seit über 25 Jahren an digitalen Lernwerkzeugen und entwickelt neuartige digitale Lernumgebungen. Schon 1997 hielt Weinberger erste virtuelle Seminare. Mit dem Projekt MICROCASA will er zusammen mit internationalen Forschungsteams kostenlos zugängliche interaktive Weiterbildungszertifikate entwickeln und mithelfen, sie in der Modellregion Südostasien zu etablieren.

»MICROCASA ist das erste internationale Projekt, das darauf abzielt, auf diesem Gebiet Erfahrungen auszutauschen und zugleich in Südostasien die Voraussetzungen zu schaffen, um solche Angebote aufzubauen. Konkret geht es darum, gemeinsam kurze, kompetenzorientierte Bildungseinheiten zu entwickeln, zu fördern und bekannt zu machen«, erklärt Weinberger. Die praxisnahen Mikro-Kurse führen zu Mikro-Zertifikaten, mit denen die Absolventinnen und Absolventen ihre Qualifikation belegen können.

»Mit dieser Form der Weiterbildung wollen wir dazu beitragen, wirtschaftliche und soziale Probleme durch Bildung zu lösen. Zum Beispiel können wir alleinerziehenden Frauen durch ein orts- und zeitunabhängiges Bildungsangebot ein eigenständiges Leben ermöglichen«, betont Weinberger. Zusammen mit seinem Saarbrücker Team ist er verantwortlich für die Koordinierung und das Management des internationalen Projekts. Außerdem leitet er den Bereich neuer Methoden zur Gestaltung von Lernumgebungen und unterstützt die Entwicklung von Inhalten.

Bereits in einem Vorgängerprojekt namens Competen-SEA, arbeitete das internationale Wissenschaftsteam gemeinsam an frei zugänglichen, kostenfreien Onlinekursen, so genannten MOOCs (Massive Open Online Courses), um akademische Lehre für benachteiligte Gruppen zu öffnen. »Jetzt wenden wir uns gezielt den kleineren Mikro-Kursen zu und insbesondere deren Zertifizierung, die als Badges oder Micro-Credentials bezeichnet werden«, erläutert Weinberger.

Dabei geht es darum, ganz praktisches Wissen zu vermitteln. Etwa wie eine bestimmte Software verwendet wird, wie man sich selbstständig macht, Erste Hilfe leistet oder bestimmte Dinge herstellt. »Menschen zeichnen sich oft durch ganz spezifische Kenntnisse aus, die nicht Teil eines großen akademischen Programms sind oder von höheren Bildungseinrichtungen zertifiziert werden. Trotzdem können solche Kenntnisse auf dem Arbeitsmarkt außerordentlich nachgefragt sein. Die Micro-Credentials sollen einen Nachweis über eben solche Kenntnisse ermöglichen«, erklärt der Bildungstechnologe.

Wissenschaftlicher Ansprechpartner
Prof. Dr. Armin Weinberger
Tel.: 0681 302-71252; E-Mail:
[email protected]


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