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Gender Pay Gap: Soziale Dienstleistungsarbeit besser bewerten

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Neues Messinstrument aus dem IAQ füllt Forschungslücke

Für die Arbeit in Erziehung und Pflege gibt es trotz hoher beruflicher Belastungen wenig Geld – vor allem im Vergleich zu anderen gleichwertigen Berufen. Die Schieflage ist bekannt, weniger ihre Ursachen. Ein am Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE) neu entwickeltes Messinstrument bietet eine erste gute Möglichkeit, um Berufe hinsichtlich ihres Anforderungs- und Belastungsniveaus geschlechtsneutral zu vergleichen und damit auch die (gleichstellungs-)politische Forderung nach einer »Aufwertung professioneller Sorgearbeit« wissenschaftlich zu untermauern.

In der soeben erschienenen Studie untersuchen die IAQ-Forscherinnen Prof. Dr. Ute Klammer und Sarah Lillemeier gemeinsam mit Dr. Christina Klenner vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) die Entgeltlücke zwischen »Frauen-« und »Männerberufen«. »Den blinden Fleck in der Ursachenanalyse des Gender Pay Gaps haben wir mit statistischen Mitteln unter die Lupe genommen«, erläutert Sarah Lillemeier. Der im Projekt entwickelte »Comparable Worth (CW-)Index« gibt für jeden Beruf einen Punktwert an, mit dem die Anforderungen und Belastungen über vier Dimensionen »Wissen und Können«, »psychosoziale« und »physische Aspekte« und »Verantwortung« geschlechtsneutral verglichen werden können.

Der CW-Index weist für professionelle Sorgearbeit, wie sie etwa an Schulen, in der Kranken- und Altenpflege oder in der Kita geleistet wird, überdurchschnittlich hohe Anforderungen und Belastungen aus. Im Vergleich zu anderen Professionen mit gleichem Punktwert fallen aber die Verdienste der Lehrkräfte im Primar- und Vorschulbereich (Frauenanteil 94 Prozent) deutlich geringer aus. Mit 17,78 Euro/Stunde weisen sie das geringste Verdienstniveau ihrer Gruppe auf, im gleichwertigen »Männerberuf« des Elektrotechnik-Ingenieurs werden 30,13 Euro verdient. Die gleiche Beobachtung zeigt sich auch für die Fachkräfte in der Krankenpflege und in der Geburtshilfe (87 Prozent Frauen).

»Professionelle Sorgearbeit wird hauptsächlich von Frauen ausgeübt und die geringere Bezahlung in diesen Berufen trägt nicht unerheblich zum allgemeinen Gender Pay Gap bei«, konstatiert Projektleiterin und IAQ-Direktorin Prof. Dr. Ute Klammer. Die Erkenntnisse der Studie schaffen auch Ansatzpunkte für weitere gerechtigkeitsorientierte Diskussionen und (gleichstellungs-)politische Maßnahmen zur Reduzierung der Verdienstlücke.

Zugleich liegt hier ein Maßstab für gleichwertige Berufsgruppen vor, an dem sich Aufwertungsbestrebungen für bestimmte Berufe auch unabhängig von der Frage der geschlechtsspezifischen Verteilung orientieren können.

  

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