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LerndA: Wissensintensive Arbeit lernförderlich gestalten

LerndA

Abschlusstagung des Projekts LerndA 

IngenieurInnen und technische Fachkräfte benötigen neben Fachwissen und formalen Qualifikationen auch erfahrungsbasiertes Kontextwissen, das sie nur in der Praxis erwerben können. Solches »Lernen durch Arbeit« passiert auch bei hochqualifizierten, selbstverantwortlichen Tätigkeiten nicht von selbst. Im Projekt LerndA entwickelten WissenschaftlerInnen gemeinsam mit Beschäftigten unter anderem von AUDI und Siemens Modelle für lernförderliche Arbeitsgestaltung – nicht von außen aufgesetzt, sondern anhand der alltäglichen Arbeitsaufgaben und der Lösungen, die die Beschäftigten selbst im Arbeitsprozess finden. Auf einer Tagung stellten die Projektpartner ihre Ergebnisse vor.

Das Forschungs- und Gestaltungsprojekt »Lernen durch Arbeit« (LerndA) zielte darauf, nonformales Lernen in und durch Arbeit bei IngenieurInnen und technischen Fachkräften zu erforschen, fördernde und hemmende Bedingungen zu identifizieren und Modelle lernförderlichen Arbeitens zu entwickeln. Auf diese Weise konnte es Erkenntnisse sammeln und Anregungen geben, die auch über einzelne Unternehmen und Berufsgruppen hinaus wertvoll sind, denn erfahrungsbasiertes Kontextwissen wird in jeder Organisation benötigt. An dem Projekt waren das Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V. – ISF München, die GAB München und die Unternehmen AUDI und Siemens beteiligt. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Modelle des Lernens durch Arbeit, wie sie in LerndA entwickelt wurden, kommen nicht als zusätzliche Aufgabe zu den ohnehin enormen Arbeitsanforderungen der IngenieurInnen und technischen Fachkräfte hinzu, sie bilden keinen weiteren Punkt auf der formalen To-do-Liste. Vielmehr entstehen sie in Begleitung der ohnehin anfallenden Arbeitsaufgaben, als gemeinsam entwickelte, situative Lösungen.

So kamen die Beteiligten in der Vorbereitung eines schwierigen Kundengesprächs auf die Idee, dieses zuvor mit verteilten Rollen zu simulieren. Es ist nicht selbstverständlich, dass es zu einem solchen Simulationsgespräch überhaupt Zeit und Gelegenheit gibt, dass es auch als sinnvolle und unternehmensdienliche Arbeit anerkannt wird – und dass andere Teams von den dabei gemachten Erfahrungen profitieren können. Oder: Was man für die Produktion an Anlagen und Arbeitsprozessen plant, kennt man oft in der praktischen Anwendung kaum – die Mauern zwischen den Abteilungen sind nicht selten hoch. Da kann sich ein Gespräch in der Gruppe als wertvoll erweisen: Was müssen wir eigentlich von der Fertigung wissen, was fehlt uns, wo bekommen wir es? »Ich gehe jetzt in die Produktion und frage Herrn Müller, wie dieser Handgriff an der Maschine eigentlich konkret abläuft«. Auch so etwas ist nicht selbstverständlich und erst recht nicht überall gern gesehen. Es geht dann darum, solche selbstentwickelten Ideen im Unternehmen möglich und bekannt zu machen, sie »stattfinden zu lassen«.

Das erste Beispiel wurde so in der Empirie vorgefunden, daraufhin wissenschaftlich begleitet und gemeinsam mit der eo ipso Strategie & Entwicklung GmbH als Modell aufgearbeitet. Das zweite Beispiel entwickelten die Projektpartner gemeinsam in der Praxis als Gestaltungsmaßnahme, um die Erkundung vor Ort zu ermöglichen. Die Partner waren sich bei der Abschlusstagung des Projekts einig, dass die Entwicklung von Modellen lernförderlicher Arbeit sehr erfolgreich war und auch über das Projektende hinaus weitergeführt werden soll. Zudem wurde in Zusammenarbeit mit der rh11 Unternehmensberatung und der mittelständischen Druckerei Der Dersch geprüft, ob die entwickelten Lösungen auch für KMU in Frage kommen. Es stellte sich heraus, dass die Strukturen in KMU geradezu ideal sind für das Lernen in der Arbeitspraxis und den Erwerb von erfahrungsbasiertem Kontextwissen. Gleichzeitig ist es auch bei KMU wichtig, darauf zu achten, dass diese Potenziale wirklich genutzt werden.

Die Projektergebnisse haben nicht nur Bedeutung für die Arbeitsgestaltung, sondern auch für die Bildungspolitik. Denn formale Bildungswege wie ein Ingenieurstudium können erfahrungsbasiertes Kontextwissen nicht selbst vermitteln, und doch ist es etwas, was die IngenieurInnen, die diesen Bildungsweg durchlaufen, in ihrer beruflichen Praxis dringend benötigen. Damit ist lernförderliche Arbeitsgestaltung nicht nur ein arbeitspolitisches, sondern zugleich ein bildungspolitisches Thema. Das Projekt hat Grundsätze entworfen, wie dieses Thema in Bildung und Ausbildung zur Geltung kommen kann.

Hintergrund
An der Abschlusstagung des Projekts in München am 9. November 2017 nahmen neben den Projektpartnern auch VertreterInnen der Gesellschaft für Wissensmanagement (GfWM), der IG Metall und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) teil.


 

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