Warum Qualifizierung in Zeiten der Transformation unverzichtbar ist

Themenkreis Weiterbildung und Lernen (Symbolbild)

Dr. Ute Leber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat im SWR1 Fragen zum Thema Weiterbildung beantwortet.

Notwendigkeit kontinuierlicher Qualifizierung im Strukturwandel

Die kontinuierliche Anpassung der eigenen Kompetenzen an ein sich stetig veränderndes Arbeitsumfeld ist in der aktuellen Wirtschaftsphase essenziell. Angesichts des technologischen und ökologischen Wandels gewinnt die berufliche Weiterbildung massiv an Bedeutung, um die Beschäftigungsfähigkeit dauerhaft zu sichern.

Dr. Ute Leber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) betont in diesem Zusammenhang, dass die Anpassung der individuellen Fähigkeiten an die transformativen Prozesse auf dem Arbeitsmarkt die zentrale Voraussetzung für berufliche Teilhabe darstelle.

Ursachen für den steigenden Qualifizierungsbedarf

Auf die Frage des SWR nach der Gefahr des beruflichen Stillstands ohne Fortbildung bestätigt Leber, dass Weiterbildung heute wichtiger denn je sei.

Die Notwendigkeit resultiere aus dem tiefgreifenden Wandel des Arbeitsmarktes und des gesamten gesellschaftlichen Umfelds. Werden die persönlichen Qualifikationen nicht stetig an diese Änderungen angepasst, drohe ein Verlust des Anschlusses an aktuelle Standards.

Branchenübergreifende Relevanz der Transformation

Hinsichtlich der Frage nach besonders betroffenen Branchen führt die Expertin aus, dass der Qualifizierungsbedarf mittlerweile alle Wirtschaftszweige durchdringe. Während früher primär produzierende Gewerbe durch Automatisierung und den Einsatz von Industrierobotern im Fokus standen, habe die Digitalisierung längst auch hochkomplexe Dienstleistungsbereiche erfasst. Insbesondere im Finanz- und Versicherungswesen verändern sich Tätigkeiten rasant.

Dieser Prozess führe dazu, dass bestehende Berufsbilder verschwinden, während neue Anforderungsprofile entstehen. Eine permanente Bereitschaft zur Fortbildung sei daher in allen Berufsfeldern unerlässlich, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Diskrepanzen in der Weiterbildungsbeteiligung

Angesprochen auf die Ergebnisse europäischer Studien, wonach Deutschland bei der Weiterbildungsbereitschaft im Vergleich zu skandinavischen Ländern zurückliege, verweist Leber auf strukturelle Defizite. Zwar sei ein grundsätzliches Interesse in Deutschland vorhanden, doch die tatsächliche Umsetzung bleibe hinter anderen Nationen zurück.

Ein Kernproblem stelle zudem die ausgeprägte Selektivität dar: Während hochqualifizierte Beschäftigte in mittleren Altersgruppen sehr aktiv seien, partizipieren geringer Qualifizierte und ältere Erwerbspersonen deutlich seltener. Diese soziale Kluft in der Bildungsbeteiligung sei hierzulande besonders stark ausgeprägt.

Barrieren und die Rolle der Unternehmen

Zur Frage nach der Verantwortung von Führungskräften und deren Einflussmöglichkeiten erläutert die IAB-Expertin, dass Informationsdefizite eine zentrale Rolle spielten.

Neben finanziellen und zeitlichen Restriktionen stünden oft auch persönliche Ängste einer Teilnahme entgegen, insbesondere bei Geringqualifizierten. Vorgesetzte nähmen hier eine Schlüsselrolle ein, da sie Barrieren abbauen und aktiv versuchen müssten, möglichst viele Personen in Qualifizierungsmaßnahmen einzubeziehen.

Zeitliche Restriktionen und innovative Lernformen

Abschließend thematisiert das Gespräch die Frage, ob eine hohe Arbeitsbelastung die Teilnahme an mehrtägigen Fortbildungen verhindere. Leber bestätigte, dass Zeitmangel sowohl von Beschäftigten als auch von Betrieben häufig als Hindernis genannt werde.

Um diesen Engpässen zu begegnen, seien passende Arrangements notwendig. Ein verstärkter Fokus auf digitales Lernen – wie »E-Learning« – könne helfen, Fortbildung flexibler in den Berufsalltag zu integrieren oder Lernphasen in Zeiten geringerer Auslastung zu verlagern. 


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