Weiterbildungsmarkt: Wandel unter Krisenbedingungen

wbmonitor3

BIBB und DIE veröffentlichen wbmonitor-Umfrageergebnisse 2022

Die Weiterbildungsbranche sieht sich gegenwärtig mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert, die den Sektor unter erheblichen Druck setzen.

Zu den Hauptfaktoren, die diese Entwicklung antreiben, gehören die fortschreitende Digitalisierung, die anhaltende Energiekrise, die steigende Inflation sowie zunehmende Personalengpässe. Diese Faktoren intensivieren den Wettbewerb und erschweren gleichzeitig die Planung und Gestaltung von Bildungsangeboten.

Eine tiefgreifende Einsicht in die aktuelle Situation der Weiterbildungsbranche bieten die Ergebnisse der wbmonitor-Umfrage, die vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. (DIE) durchgeführt wurde. Die Umfrageergebnisse spiegeln deutlich wider, wie die genannten Herausforderungen den Sektor beeinflussen.

Innovative Reaktionen auf komplexe Herausforderungen

In Reaktion auf diese komplexen und vielschichtigen Herausforderungen zeigen viele Anbieter im Bereich der Weiterbildung eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit. Ein wesentlicher Trend ist die Einführung von Neuerungen im Bildungsangebot, die darauf abzielen, den veränderten Bedürfnissen und Rahmenbedingungen gerecht zu werden. Darüber hinaus wird die Bedeutung von Kooperationen hervorgehoben, die als strategisches Mittel dienen, um Ressourcen zu bündeln, Synergien zu schaffen und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Digitale Formate als strategisches Muss

In der heutigen Weiterbildungslandschaft haben digitale Formate eine zentrale Bedeutung erlangt. Im Jahr 2022 schätzten 62 Prozent der Anbieter digitale Weiterbildungsangebote als strategisch wichtig für ihre Wettbewerbsfähigkeit ein.

Bemerkenswert ist, dass durchschnittlich ein Viertel aller Weiterbildungen (25 Prozent) ausschließlich online stattfanden. Diese Online-Formate ermöglichen es, Weiterbildungsinteressierte unabhängig von ihrem Standort zu erreichen und maßgeschneiderte Angebote zu unterbreiten. Für die Nachfragenden eröffnet sich dadurch die Möglichkeit, aus einem breiteren Angebot zu wählen, unabhängig vom Veranstaltungsort. Dies führt jedoch auch zu einem verstärkten Wettbewerb, da fast die Hälfte der Einrichtungen (46 Prozent) digitale Angebote anderer Anbieter als Konkurrenz betrachtet.

Planungsunsicherheit durch externe Faktoren

Die Weiterbildungsbranche sieht sich mit Planungsunsicherheiten konfrontiert, die durch die Energiekrise und hohe Inflation verstärkt werden. Angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Lage empfinden sieben von zehn Einrichtungen (71 Prozent) die Vorhersage der zukünftigen Nachfrage nach ihren Dienstleistungen als schwierig. Fast die Hälfte der Anbieter (45 Prozent) verzeichnete einen Rückgang der Nachfrage aufgrund von Preiserhöhungen.

Fachkräftemangel als wachsendes Problem

Ein weiteres signifikantes Problem ist der Fachkräftemangel. 70 Prozent der Anbieter berichten von Schwierigkeiten bei der Rekrutierung geeigneten Weiterbildungspersonals, einschließlich Honorarkräften. Diese Entwicklung ist besonders besorgniserregend, da der Bildungsbereich eine Schlüsselrolle bei der Begleitung gesellschaftlicher und technischer Transformationsprozesse spielt.

Innovation und Kooperation als Reaktion auf Marktveränderungen

Angesichts dieser Herausforderungen haben viele Anbieter mit Innovationen reagiert. Nahezu zwei Drittel (64 Prozent) führten mindestens eine thematisch neue Weiterbildungsveranstaltung ein. Die Hälfte der Anbieter richtete ihre Angebote auf neue Zielgruppen aus. Zudem hatten 59 Prozent mindestens eine Veranstaltung in Kooperation im Programm, was sowohl die Zusammenarbeit mit anderen Weiterbildungsanbietern als auch mit verschiedenen Organisationen umfasste. Oft war das Ziel solcher Kooperationen, den steigenden Wettbewerbsdruck zu mindern.

Diese Entwicklungen zeigen, dass die Weiterbildungsbranche in einer Phase des Umbruchs und der Anpassung an neue Marktbedingungen steht. Digitale Angebote, innovative Ansätze und strategische Kooperationen sind entscheidend, um diesen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen.

Hintergrund
Der wbmonitor ist ein Kooperationsprojekt von BIBB und DIE, das mit einer jährlichen Umfrage bei Anbietern allgemeiner und beruflicher Weiterbildung zu mehr Transparenz über die Weiterbildungslandschaft und Anbieterstrukturen beiträgt und aktuelle Veränderungen aufzeigt. An der Umfrage 2022 „Weiterbildungsmarkt im Wandel“ beteiligten sich 1.805 Weiterbildungsanbieter.

  VERWEISE 

 

 

Strategie für die Internationale Digitalpolitik der Bundesregierung
Die Strategie für die Internationale Digitalpolitik der Bundesregierung liegt jetzt als Unterrichtung vor. Um Normen und Standards der internationalen Digitalpolitik aktiv mitzugestalten, definiere die Strategie klare Leitlinien und stelle die...
AFBG-Anträge können auch digital gestellt werden
Das gemeinschaftlich initiierte Projekt von Bund und Ländern, die digitale Plattform AFBG Digital, stellt einen wichtigen Fortschritt in der Antragstellung für die Aufstiegsförderung dar. Inspiriert von der bereits eingeführten Online-Plattform...
DIGITAL-INDEX 2023/24: Die deutsche Gesellschaft wird digitaler
Trotz fortschreitender Transformation stehen die Deutschen der Digitalisierung skeptischer gegenüber Laut dem aktuellen D21-Digital-Index ist die deutsche Gesellschaft auf ihrem digitalen Weg weiter vorangeschritten und zeigt sich...

.