Bildungspolitik muss digitale Bildung in der Schule umfassender denken

RAT FÜR KULTURELLE BILDUNG2

Die kulturelle Dimension der Digitalisierung bietet Schulen innovative pädagogische Zugänge * Rat für Kulturelle Bildung legt Strategien vor 

»Digitalisierung ist ein kultureller Prozess« - mit dieser zentralen These positioniert sich der Rat für Kulturelle Bildung in seiner Denkschrift »Alles immer smart. Kulturelle Bildung, Digitalisierung, Schule« zur aktuellen Debatte um die digitale Bildung in der Schule. Die Kernaussage der fünften Denkschrift des Rates lautet damit: Die Digitalisierung lässt sich weder hinreichend verstehen noch gestalten, wenn man ihre kulturelle Dimension nicht berücksichtigt und sie lediglich als technologischen Vorgang betrachtet. Kulturelle Bildung hat somit eine Schlüsselfunktion für das Verständnis von und den Umgang mit Digitalisierung.

Bisher wird zudem zu wenig erkannt, wie tief die Digitalisierung in das Selbstverständnis der Schulen sowie die dort praktizierten Lernformen eingreift. Deshalb erfordert der digitale Wandel nicht nur die Definition neuer Kompetenzfelder, sondern auch die Ermöglichung einer gezielten Aus-, Fort- und Weiterbildung der Lehrenden. »Die Politik berücksichtigt derzeit weder das originär Innovative der digitalen Medien noch trifft sie mit dem 'DigitalPakt' ausreichend den Kern einer weitreichenden Schulentwicklung. Wie Schule und Schulkultur unter den Bedingungen der Digitalisierung zu gestalten sind, muss in Politik und Praxis umfassend neu gedacht werden«, so Prof. Dr. Eckart Liebau, Vorsitzender des elfköpfigen unabhängigen Expertengremiums. Mit der Denkschrift unterstützt der Rat für Kulturelle Bildung die Schulen und die Politik dabei, die Digitalisierung pädagogisch sinnvoll zu gestalten und schlägt kurz- und langfristige Strategien für den digitalen Wandel an Schulen vor.

Digitalisierung als kultureller Prozess
Dass es bei der Digitalisierung nicht nur ums Programmieren und das Fach Informatik geht, wird daran deutlich, dass Kinder und Jugendliche vor allem bei den kreativen Kulturangeboten mit Musik, Fotografie, Tanz und Videos Freude und Interesse an der Digitalisierung entwickeln. Die Digitalisierung ist als menschengemachte kulturelle Technik von ästhetischen Komponenten tief durchdrungen. Digitales Gestalten, ob in der Schule, im Privatleben oder im Beruf, ist stark dominiert von Design, von audiovisuellen Aspekten, von bildhaften und darstellerischen Inszenierungen oder non-verbaler Kommunikation - all das sind Kernbereiche der Kulturellen Bildung.

»Die Digitalisierung bringt neue Ästhetiken sowie Materialitäten hervor und ermöglicht neue Raumerfahrungen. Wie kein anderer Bildungsbereich ist die Kulturelle Bildung prädestiniert, diese pädagogisch zugänglich zu machen«, so Benjamin Jörissen, Experte im Rat und Inhaber des Lehrstuhls für Pädagogik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Empfehlungen an Politik und Schule
Da die Zeit drängt, der Veränderungsprozess aber auch viel Zeit braucht, schlägt der Rat kurz- wie auch langfristige Strategien vor: Schulen können kurzfristig innovative Wege der Kulturvermittlung beschreiten und Akteure der Kulturellen Bildung - Produzierende, Künstler, Kulturpädagogen und Kulturvermittler - einbeziehen, sowie mit außerschulischen Kooperationspartnern wie Bibliotheken oder anderen digitalen Vorreitern im Kulturbereich zusammenarbeiten. So können beispielsweise zeitgemäß ausgestattete Räumlichkeiten genutzt werden, neue Materialien wie beim 3D-Druck ausprobiert oder audiovisuelle Techniken für Film, Video und digitales Gestalten erlernt werden.

Zudem muss die Lehreraus- und -weiterbildung angepasst werden - dabei sollten die Bereiche Digitalisierung und Kulturelle Bildung stärker miteinander verknüpft werden.

  

 

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