Breitbandausbau: Millionen ohne schnelles Internet

Themenkreis KI, Digitalisierung, Digitale Transformation (Symbolbild)

Digitale Spaltung: Schnelles Internet bleibt Glückssache des Wohnorts

Wer in einer Großstadt lebt, streamt Serien in 4K und nutzt KI-Dienste ohne Wartezeit. Wer dagegen in manchen ländlichen Gemeinden zuhause ist, wartet manchmal Minuten, bis eine einfache Webseite lädt. Was wie ein Klischee klingt, ist für rund 2,2 Millionen Menschen in Deutschland nach wie vor Alltag – denn flächendeckendes schnelles Internet bleibt ein unerfülltes Versprechen. 

Acht Jahre zu spät: Deutschland verfehlt sein Breitbandziel

Vor acht Jahren hatte sich Deutschland vorgenommen, flächendeckend Internetzugänge mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) bereitzustellen. Das Ziel wurde nicht erreicht.

Eine aktuelle Marktanalyse des Vergleichsportals Verivox zeigt: Noch immer sind 96 Prozent aller deutschen Städte und Gemeinden nicht vollständig mit diesem Mindesttempo versorgt – insgesamt 10.520 Kommunen laut Bundesbreitbandatlas.

Besonders drastisch ist die Lage in 113 Gemeinden, wo die 50-Mbit/s-Abdeckung maximal zehn Prozent beträgt. In 61 davon existiert kein einziger fester Breitbandanschluss auf diesem Niveau – weder über DSL noch Kabel oder Glasfaser. Auf Haushaltsebene betrifft das Defizit 1,1 Millionen Anschlüsse, hinter denen 2,2 Millionen Menschen stehen. Die Ausbauquote verbesserte sich gegenüber dem Vorjahr nur um knappe 0,72 Prozentpunkte.

50 Mbit/s: Kaum noch zeitgemäß

Das einst ambitionierte Ziel gilt inzwischen als Untergrenze. Jörg Schamberg, Telekommunikationsexperte bei Verivox, weist darauf hin, dass die meisten Provider diese Tarifstufe kaum noch aktiv vermarkten und 100 Mbit/s zum neuen Mindeststandard werden – was auch Buchungsdaten des Portals widerspiegeln.

Wer in einen neueren Vertrag wechselt, bekommt häufig die doppelte Geschwindigkeit zum gleichen Preis. Kleine Tarife würden kaum noch subventioniert und seien damit auch wirtschaftlich unattraktiv.

Verbraucherinnen und Verbraucher sollten allerdings die Preisstruktur beachten: Nach der zweijährigen Mindestlaufzeit steigen die monatlichen Kosten oft um 30 bis 40 Prozent, da Rabatte auslaufen. Nach Ablauf der Mindestlaufzeit sind Internetverträge jedoch monatlich kündbar.

Gesetzliche Weichenstellung für den Glasfaserausbau

Im Juli 2025 trat eine Änderung des Telekommunikationsgesetzes in Kraft, die den Bau von Glasfaserleitungen und Mobilfunkmasten zum »überragenden öffentlichen Interesse« erklärt. Bis Ende 2030 soll das Genehmigungsverfahren beschleunigen – mit besonderem Fokus auf bislang unversorgte Regionen.

Schamberg bewertet den politischen Schritt als längst überfällig. Ein stabiler, ausreichend schneller Internetzugang sei Voraussetzung für gesellschaftliche und berufliche Teilhabe. Solange Konnektivität eine Frage des Wohnortes bleibe, verstärke sich die digitale Spaltung – strukturell und sozial.

Hintergrund
Basis der Erhebung zur Ausbauquote mit 50 Mbit/s ist der Breitbandatlas der Bundesnetzagentur, der im November 2025 aktualisiert wurde (mit Datenstand Juni 2025). Vergleichsbasis bildet die Erhebung aus dem Vorjahr (Stand Juni 2024). Betrachtet wurde die Verfügbarkeit im Bereich Festnetz in Privathaushalten. Die Erhebung erfolgte unabhängig von Technologien wie Kabel-Internet, DSL oder Glasfaser. In der Berechnung der betroffenen Verbraucher wurde ausgegangen von einer Gesamtzahl von 41,2 Mio. Haushalten und durchschnittlich zwei Personen pro Haushalt (Quelle: Statistisches Bundesamt für 2024).


In aller Kürze
2,2 Mio. Menschen in Deutschland haben noch immer kein schnelles Internet. 96 Prozent der Gemeinden verfehlen das 50-Mbit/s-Ziel. Ein neues TKG soll den Glasfaserausbau bis 2030 beschleunigen. 


  VERWEISE  
  • QUELLE: Nach einer Verivox-Meldung ...

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