Elternhaus spielt bei Wahl eines Studentenjobs eine Rolle

StudentInnen ohne Akademikereltern gehen häufiger einfachen Nebenjobs nach, StudentInnen mit Akademikereltern sind häufiger nicht erwerbstätig – Bei qualifizierten und studienbezogenen Tätigkeiten sind die herkunftsbedingten Unterschiede allerdings gering
Ob Studentinnen und Studenten einen Nebenjob haben und wenn ja, wie qualifiziert und fachnah im Hinblick auf das Studienziel diese Tätigkeit ist, hängt auch vom Elternhaus ab. Das zeigt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Mila Staneva, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Bildung und Familie, hat Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) zu über 11 000 Studierenden für insgesamt dreieinhalb Jahre des Studiums ausgewertet. Demzufolge sind Studierende mit Akademikereltern seltener erwerbstätig und arbeiten seltener in einfachen Jobs, die nichts mit dem Studium zu tun haben, beispielsweise als Kellnerin oder Kellner. Bei höher qualifizierten und studienbezogenen Studentenjobs gibt es hingegen kaum Unterschiede.
Sozioökonomische Unterschiede sind in Sozial-, Geistes- und Wirtschaftswissenschaften kleiner
Studierende sind häufig nicht nur deshalb nebenbei erwerbstätig, weil sie sich etwas hinzuverdienen wollen oder müssen. Studienorientierte und qualifizierte Tätigkeiten bieten die Möglichkeit, praktische Erfahrungen zu sammeln und frühzeitig Kontakte zu potentiellen späteren Arbeitgebern zu knüpfen. So kann ein Nebenjob nach dem Studium die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Umso wichtiger ist die Frage, ob der sozioökonomische Hintergrund der Studierenden, etwa die Bildung ihrer Eltern, eine Rolle für die studentische Erwerbstätigkeit spielt – denn das könnte dazu führen, dass sich soziale Unterschiede während des Studiums aufgrund des Nebenjobs verfestigen. Insbesondere mit Blick auf die Sozial-, Geistes- und Wirtschaftswissenschaften erscheint die Frage, wer welcher Art von Studentenjobs nachgeht, entscheidend. Denn Studierende dieser Disziplinen steuern weniger auf einen konkreten Beruf zu, anders als beispielsweise Jura-, Medizin- oder LehramtsstudentInnen. Die DIW-Studie zeigt allerdings, dass bei den weniger berufsorientierten Studienfächern Studierende mit Akademikereltern keine höhere Wahrscheinlichkeit haben, einem qualifizierten und studienbezogenen Nebenjob nachzugehen.
Die Ergebnisse weisen zwar auch darauf hin, dass die besseren akademischen Leistungen von StudentInnen aus Akademikerelternhäusern mit einer höheren Wahrscheinlichkeit einhergehen, einer qualifizierten studentischen Erwerbstätigkeit nachzugehen. »Studierende aus nichtakademischen Familien haben vor dem Studium aber häufiger eine Berufsausbildung absolviert und bereits Erwerbserfahrung gesammelt«, erklärt Staneva. »Diese Faktoren hängen ebenfalls mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zusammen, einen guten Studentenjob zu haben, und wirken sozialen Unterschieden dementsprechend entgegen«.
Insgesamt ist fast die Hälfte aller Studierenden bereits nach dem ersten Studienjahr erwerbstätig. Will man jenen aus nichtakademischen Familien die Chance geben, sich stärker auf ihr Studium konzentrieren zu können, sollten die Finanzierungsmöglichkeiten für ein Studium weiter verbessert werden, so Staneva. »Studierenden, die ohnehin arbeiten wollen oder müssen, könnte außerdem eine gezielte Beratung an Unis und Fachhochschulen helfen, den für sie, ihr Studium und spätere Karriereambitionen passenden Job zu finden«.
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