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Studie zur Topographie von Führung

DIE Akademie

Die Hierarchie innerhalb einer Organisation bleibt wichtig, sie wird jedoch immer öfter durch informelle Netzwerke aufgeweicht. Das ist eines der Hauptergebnisse der diesjährigen Studie der Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft (Überlingen). Für die Studie wurden 466 Fach- und Führungskräfte verschiedener Branchen und Unternehmensgrößen aus ganz Deutschland befragt.

Die Befragung fand online im Februar 2016 statt. »Es ist überraschend, wie deutlich klassische Organisationsstrukturen und Hierarchien nach wie vor den deutschen Arbeitsalltag bestimmen«, kommentiert Dr. Ilga Vossen von der Akademie für Führungskräfte die Ergebnisse der Studie 2016. »Die Unternehmen sind zwar in Ansätzen dabei, Führung zu demokratisieren, aber eine richtige Beteiligung der Mitarbeiter ist noch keine Selbstverständlichkeit«.

Kernaussagen der Studie



• Zwei Drittel der Fach- und Führungskräfte erleben ihr Unternehmen als sehr hierarchisch

• Die Hälfte sind der Meinung, auch Mitarbeiter ohne Führungsposition können einflussreich sein – insbesondere über internen Austausch und Kommunikation

• Über 40 Prozent halten Unternehmensentscheidungen nur für selten nachvollziehbar – nur 17 Prozent geben an, dass die Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse ihrer Organisation eingebunden sind


66 Prozent der befragten Fach- und Führungskräfte sind der Ansicht, in einem sehr hierarchisch geprägten Unternehmen zu arbeiten. Dennoch sagen 70 Prozent der Studienteilnehmer, dass ihr Vorgesetzter sich gar nicht oder nur selten auf seine hierarchische Position berufe, um etwas zu bewirken. Ebenso behaupten 92 Prozent von sich, selbst genauso zu verfahren. Jeder Zweite vertritt darüber hinaus die Meinung, dass Mitarbeiter auch ohne Führungsposition einflussreich sein können. Einflussmöglichkeiten bestehen für 41 Prozent der Befragten vor allen Dingen über das interne Netzwerk. Generell erachten 99 Prozent der Studienteilnehmer zwischenmenschliche Beziehungen als wichtig bzw. sogar sehr wichtig für den unternehmerischen Erfolg. Knapp 60 Prozent beurteilen ihr momentanes persönliches Netzwerk in der Organisation dabei als noch ausbaufähig. Als wichtigste Gründe ein solches zu pflegen werden Ideengenerierung (86 Prozent), Arbeitsprozesse effizienter gestalten (75 Prozent) und gut informiert sein (71 Prozent) genannt.

Unternehmensentscheidungen nicht immer nachvollziehbar

Die nach wie vor bestehende Bedeutung hierarchischer Strukturen macht sich für die meisten der Befragten insbesondere bei Entscheidungen bemerkbar: 83 Prozent geben an, dass in ihrem Unternehmen die von der Hierarchie vorgegebenen Entscheidungswege eingehalten werden. Die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen erhöht sich dadurch jedoch nicht: Mehr als 40 Prozent sehen Defizite darin, wie diese im Unternehmen kommuniziert werden. Für 43 Prozent sind Entscheidungen ohnehin lediglich eine Sache des oberen Managements (Aufsichtsrat, Vorstand, Geschäftsführung) oder anderer Führungsgremien. Nur 17 Prozent geben an, dass die Mitarbeiter in den Entscheidungsprozess eingebunden werden.

Andere Abteilungen und Behörden beeinflussen Führung

Den Einfluss externer Stakeholder wie Behörden oder Lieferanten empfindet knapp die Hälfte der befragten Führungskräfte als spürbar. Jeder Dritte (36 Prozent) sagt, dieser sei deutlich vorhanden, aber dennoch nicht übermächtig. 11 Prozent sehen ihn dagegen als »sehr stark«. Viel entscheidender stufen die Befragten allerdings den Einfluss ein, den andere Unternehmensbereiche ihrer Organisation auf ihre Arbeit nehmen: Hier glauben fast 60 Prozent an einen deutlichen, mehr als 20 Prozent gar an einen sehr starken Einfluss.

Hohe Komplexität macht Fach- und Führungskräften zu schaffen

92 Prozent der Studienteilnehmer beschreiben ihren Arbeitsalltag als komplex oder sogar sehr komplex. Haupttreiber der Komplexität sind dabei die strukturellen und unternehmensinternen Rahmenbedingungen (43 Prozent). Im Detail nennen die Befragten hier unter anderem fehlende Prozesse, eine komplizierte Unternehmensstruktur oder Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit an Schnittstellen als Gründe.

Doch auch der eigene Verantwortungsbereich trägt Mitschuld an der Situation: Die Masse an Aufgaben macht für 18 Prozent der Befragten das Problem aus. Ähnlich verhält es sich mit der Dynamik: Eine Mehrheit der Befragten, 86 Prozent, erlebt diese in ihrem Unternehmen als stark oder sehr stark. Knapp 60 Prozent geben an, diese entstehe vor allen Dingen aufgrund der internen Rahmenbedingungen bzw. diese werde im eigenen Aufgabenbereich verursacht – hauptsächlich durch Change Prozesse (19 Prozent) sowie Kosten-, Qualitäts- und Zeitdruck (12 Prozent). Zusätzlich sieht jeder Dritte (36 Prozent) Dynamik aufgrund äußerer Einflüsse wie etwa den vorherrschenden Kunden-, Branchen- und Marktanforderungen. »Es ist interessant, dass für mehr als 90 Prozent der befragten Führungskräfte Komplexität und Dynamik insbesondere durch interne Rahmenbedingungen verursacht werden. Vor allem, wenn man bedenkt, dass ja genau Führungskräfte dafür verantwortlich sind, diese optimal zu gestalten. Offensichtlich fühlt sich ein großer Teil in diesem Aspekt fremdgesteuert«, kommentiert Ilga Vossen.

 

 

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