Integritätsstandards in Unternehmen: Fortschritte und Herausforderungen

EY

Verbesserte Integritätsstandards in Unternehmen

Laut des aktuellen »EY Global Integrity Report 2024« sind 49 Prozent der befragten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Meinung, dass sich die Integritätsstandards in ihrem Unternehmen in den letzten zwei Jahren verbessert haben.

Unterstützt wird diese positive Einschätzung von einer großen Mehrheit (90 Prozent), die zuversichtlich ist, dass sich ihre Kolleginnen und Kollegen an Gesetze, Verhaltensregeln und Branchenstandards halten.

Bereitschaft zu unethischem Verhalten

Trotz dieser positiven Entwicklungen gibt es jedoch auch besorgniserregende Tendenzen. Fast 38 Prozent der Befragten würden sich unethisch verhalten, wenn sie von ihren Vorgesetzten dazu aufgefordert würden.

Gleichzeitig sehen 50 Prozent der Befragten die Aufrechterhaltung von Integritätsstandards unter schwierigen Marktbedingungen als Herausforderung. 30 Prozent sehen im aktuellen makroökonomischen Umfeld den größten externen Druckfaktor, der zu Verstößen gegen Integritätsstandards führen könnte.

Externe und interne Belastungsfaktoren

Neben Cyber-Bedrohungen (26 Prozent) identifizieren die Befragten Gesundheitskrisen (22 Prozent), finanzielle Erwartungen (22 Prozent), Unterbrechungen der Lieferkette (21 Prozent) und geopolitische Bedrohungen (15 Prozent) als externe Faktoren, die zu Compliance-Verstößen führen könnten.

Zu den internen Faktoren zählen laut fast der Hälfte der Befragten (47 Prozent) die eigenen Mitarbeitenden, eine hohe Fluktuation (26 Prozent), fehlende Ressourcen (25 Prozent) und Druck durch das Management (24 Prozent).

Integritätsstandards und Führungsverhalten

Ein weiteres Problem ist die unterschiedliche Behandlung von Mitarbeitenden je nach Hierarchiestufe. Fast ein Drittel der Befragten (31 Prozent) gibt an, dass unethisches Verhalten toleriert wird, wenn es sich um Führungskräfte oder besonders erfolgreiche Kolleginnen und Kollegen handelt. Tobias Schumacher von EY warnt davor, dass dies gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Integritätsbemühungen untergräbt.

Steigende Nutzung von Whistleblowing-Hotlines

Die Nutzung von Whistleblowing-Hotlines hat in den letzten Jahren zugenommen, aber mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) geben an, dass sie Druck von Seiten des Unternehmens verspüren, wenn sie diese nutzen wollen.

Andreas Pyrcek von EY betont, dass solche Instrumente nur in einer intakten Unternehmenskultur wirksam sind, in der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keine Konsequenzen fürchten müssen, wenn sie Bedenken äußern.

Diskrepanz in der Wahrnehmung

Eine Diskrepanz zeigt sich in der Wahrnehmung der Fortschritte: Während 40 Prozent der Vorstände glauben, dass es für Mitarbeitende einfacher geworden ist, Bedenken zu äußern, stimmen dieser Aussage nur 26 Prozent der Beschäftigten zu.

Zusammenfassung

Die Studie zeigt, dass trotz positiver Entwicklungen im Bereich der Integritätsstandards noch grosse Herausforderungen bestehen. Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihre Mitarbeitenden in einer Kultur der Offenheit und Sicherheit arbeiten können, um langfristig erfolgreich zu sein. Fehlverhalten darf unabhängig von der Position der Beteiligten nicht toleriert werden, da der Vertrauensverlust nachhaltigen Schaden anrichten kann.

Hintergrund
Der »EY Global Integrity Report 2024« basiert auf einer umfassenden Analyse, die von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) durchgeführt wurde.
Für die Studie wurden 5.464 Angestellte sowie Vorstands- und Geschäftsleitungsmitglieder in 53 Ländern befragt. Ziel der Befragung war es, ein detailliertes Bild über die Integritätsstandards in Unternehmen weltweit zu zeichnen und herauszufinden, wie sich diese in den letzten Jahren verändert haben.
Die Erhebung konzentrierte sich dabei auf verschiedene Branchen und Unternehmensgrößen, um repräsentative und vielseitige Ergebnisse zu gewährleisten.


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