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Aktionsrat Bildung - Jahresgutachten 2016: »Integration durch Bildung. Migranten und Flüchtlinge in Deutschland«

Aktionsrat Bildung

Die jüngsten Migrations- und Wanderungsbewegungen stellen Deutschland vor große Herausforderungen, zu denen auch die erfolgreiche Integration von Personen mit Migrationshintergrund und Flüchtlingen in das Bildungssystem gehört. Die unterschiedlichen Motive für die Zuwanderung sind dabei ebenso von Bedeutung wie die damit verbundenen Rechtsansprüche auf Integration. Im vorliegenden Gutachten geht der Aktionsrat Bildung auf die historischen, juristischen und ökonomischen Rahmenbedingungen von Zuwanderung ein und legt statistische Daten vor, die aufgrund der hohen Dynamik im Migrationsgeschehen den gegenwärtigen Stand abbilden. Ebenso wird die psychologische Situation der Zugewanderten analysiert. Von der Frühen Kindheit bis zur Weiterbildung werden bildungsphasenspezifische Daten und Fakten über Personen mit Migrationshintergrund dargelegt und die Erfahrungen auf das Flüchtlingsgeschehen übertragen. Vor diesem Hintergrund empfiehlt der Aktionsrat Bildung dringend die Entwicklung und Umsetzung eines Masterplans Bildungsintegration als Teil eines Masterplans Migration. Die Empfehlungen sind an die verschiedenen Typen von Akteuren adressiert, die hinsichtlich der großen Herausforderungen Verantwortung tragen.

Aus der Einleitung:

Es ist nicht ohne Risiko, 2016 ein Gutachten über das Migrationsgeschehen zu verfassen und innerhalb dessen insbesondere die Flüchtlingsproblematik im Hinblick auf das Bildungssystem zu betrachten. Das Risiko besteht darin, mit sehr schnell veralteten statistischen Zahlen arbeiten zu müssen, mit noch im Entstehen begriffenen, also uneinheitlichen Nomenklaturen zu arbeiten und damit Empfehlungen zu geben, die auch von einer noch nicht vorhersagbaren Wirklichkeit in den kommenden Jahren überholt sein könnten.

Der AKTIONSRATBILDUNG hat diese Umstände reflektiert und abgewogen, sich aber gleichwohl für dieses Gutachten entschieden. Tragend für diesen Umstand war die Tatsache, dass ein Schweigen zu den aktuellen Ereignissen in der Zuwanderung kaum zu verantworten sein dürfte. Gleichzeitig darf sich die Aufmerksamkeit auch der Bildungspolitik nicht auf das Flüchtlingsgeschehen reduzieren lassen. Zudem erscheint im Rahmen der Migrations- und Integrationsarbeit die Differenzierung zwischen neu Zugewanderten und bereits lange in Deutschland ansässigen Personen mit Migrationshintergrund als sinnvoll.

Ebenso sinnvoll ist die konkrete Verständigung über die Grundlagen eines Zusammenlebens in Frieden und Freiheit und die Sensibilisierung gegenüber Formen von menschenverachtender Gewalt und Extremismus, damit vor dem Hintergrund unterschiedlicher kultureller und religiöser Werte die Integration der Zugewanderten gelingen kann. Bei aller Dramatik und Unkalkulierbarkeit der Zukunft gibt es gleichwohl jahrzehntelange Erfahrung mit der Beschulung, Ausbildung und vor allem Bildung von Menschen mit Migrationshintergrund, die sich nicht kategorial, sondern eher graduell von den Gegebenheiten unterscheiden lassen können, die für Flüchtlinge gelten. Hinzu tritt der Umstand, dass Ereignisse von Bildungsmigration auch historisch nicht neu sind, wie ein kurzer Blick in die Geschichte des Migrationsgeschehens allein in Europa zeigt.

 

 

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